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Therapietreue bei COPD-Medikamenten im Vergleich zu anderen Medikamenten

Original Titel:
Adherence To Respiratory And Nonrespiratory Medication In Patients With COPD: Results Of The German COSYCONET Cohort

Kurz & fundiert

  • Patienten mit COPD und weiteren Erkrankungen wurden bei mehreren ihrer Medikamente gefragt, ob sie diese regelmäßig einnahmen – also therapietreu waren
  • Bezüglich der COPD-Medikamente waren die allermeisten der Befragten therapietreu
  • COPD-Medikamente schnitten in Bezug auf die Therapietreue nicht schlechter ab als Medikamente gegen andere Erkrankungen

 

DGP – Therapietreue – also die Anwendung von Medikamenten wie empfohlen – ist wichtig, damit die Medikamente ihre gewünschte Wirkung entfalten können. Wissenschaftler aus Deutschland untersuchten, wie therapietreu COPD-Patienten im Hinblick auf ihre COPD-Medikamente waren. Sie verglichen die Therapietreue bei COPD-Medikamenten mit der bei anderen Medikamenten.


Damit die Medikamente wie gewünscht wirken können, ist es wichtig, sie wie empfohlen einzunehmen. Gerade bei chronischen Erkrankungen wie der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) ist es sehr wichtig, dass sich die Betroffenen an den Therapieplan halten, um das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen und die Symptome zu lindern. Therapietreue ist hier das Schlüsselwort. Es wurden bereits Studien veröffentlicht, die die Therapietreue von COPD-Patienten untersucht haben, wie z. B. eine Studie aus Jordanien, in der die Wissenschaftler feststellten, dass sich viele COPD-Patienten nicht an den Therapieplan hielten (Studie von Jarab und Kollegen, 2019 in der medizinischen Fachzeitschrift International journal of clinical pharmacy veröffentlicht). Wissenschaftler aus Deutschland wollten nun herausfinden, ob gerade in Bezug auf COPD-Medikamente die Therapietreue so gering ist oder ob das auch für Medikamente gegen andere chronische Erkrankungen gilt.

Wissenschaftler befragten COPD-Patienten mit zusätzlichen Erkrankungen zu ihrer Einnahme von verschiedenen Medikamenten

Zu diesem Zweck sammelten sie Daten von COPD-Patienten, die zusätzlich an weiteren chronischen Erkrankungen litten und befragten sie zu ihrer Therapietreue bezüglich verschiedener Medikamente. Die Wissenschaftler sendeten 1103 Patienten per E-Mail eine Liste, die alle Medikamente enthielt, die bei den Erkrankungen des jeweiligen Patienten eine Rolle spielten. Die Patienten wurden zu jedem einzelnen Medikament gefragt, ob sie dieses regelmäßig, unregelmäßig oder gar nicht anwandten. 707 Patienten antworteten und deckten damit ein breites Spektrum verschiedener Medikamente ab. Ein langwirksamer Muskarinrezeptor-Antagonist (LAMA) wurde 86,0 % der Patienten, ein langwirksamer Beta-2-Agonist (LABA) 89,5 % der Patienten und ein inhalatives Kortikosteroid (ICS) 60,8 % der Patienten verschrieben.

Bezüglich der COPD-Medikamente waren die allermeisten Patienten therapietreu

Überraschender- und erfreulicherweise war die Therapietreue der Patienten bezüglich der COPD-Medikamente sehr hoch. Die allermeisten Patienten (91,9 %) gaben an, dass sie langwirksame Beta-2-Agonisten (LABA), langwirksame Muskarinrezeptor-Antagonisten oder inhalative Kortikosteroide (ICS) regelmäßig anwendeten. Bei Medikamenten, die bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes eingesetzt werden, war die Therapietreue aber noch größer (94,6 % bzw. 93,6–100 %). Etwas geringer war die Therapietreue hingegen bei Medikamenten gegen psychologische Erkrankungen und bei Medikamenten gegen zu hohe Blutfettwerte (85,1 % bzw. 88,5 %). Statistischen Analysen zufolge könnten jedoch all diese Unterschiede zufallsbedingt sein, sodass hier nur ein Trend skizziert wird.

Patienten, die in Bezug auf die COPD-Medikamente besonders therapietreu waren

Die Wissenschaftler untersuchten, welche Faktoren die Therapietreue beeinflussten. Sie stellten fest, dass es Unterschiede zwischen den Geschlechtern gab. Männer wendeten ihre COPD-Medikamente nämlich häufiger regelmäßig an als Frauen (92,8 % vs. 90,6 %). Die regelmäßige Anwendung der COPD-Medikamente war hingegen unabhängig davon, in welchem COPD-Stadium (GOLD A–D oder GOLD 1–4) sich der Patient befand. Patienten, die zusätzlich an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung litten, nahmen am häufigsten ihre COPD-Medikamente regelmäßig ein, während die Patienten, die zusätzlich an Asthma oder an einer psychischen Störung litten, dies am seltensten taten. Doch auch hier ist zu beachten, dass laut statistischen Analysen diese Unterschiede zufallsbedingt sein könnten und damit nur auf einen Trend hinweisen.

Die Therapietreue bezüglich der COPD-Medikamente war bei COPD-Patienten mit weiteren Erkrankungen hoch – besonders bei Männern und vermutlich auch bei Patienten, die zusätzlich an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung litten. Was die Therapietreue anging, so konnten die COPD-Medikamente mit Medikamenten gegen andere Erkrankungen mithalten. Die Wissenschaftler gaben jedoch an, dass die hier beobachtete Patientengruppe eventuell nicht repräsentativ ist, da die Patienten an einer bestimmten Studie teilnahmen und womöglich bei der Medikamentenanwendung motivierter waren als der Bevölkerungsdurchschnitt. Weitere, größer angelegte Studien sollten zukünftig diesen Sachverhalt klären.

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