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Ketamin: Hoffnungsschimmer für akut düsterste Gedanken, Zeitgewinn für längerfristig wirksame Therapien

Original Titel:
Ketamine for suicidal ideation in adults with psychiatric disorders: A systematic review and meta-analysis of treatment trials

DGP – Internationale Forscher analysierten systematisch die bisherige Forschung und ermittelten, wie schnell und anhaltend das Anästhesiemittelt Ketamin suizidale Gedanken abmildern kann. Die Ergebnisse deuten auf einen Hoffnungsschimmer für akute Fälle für bis zu drei Tage – Zeitgewinn für andere Mittel und Therapien, die langfristig helfen könnten.


Ketamin wurde inzwischen schon öfter als Behandlungsoption bei der therapieresistenten Depression untersucht. Dabei zeigte sich auch, dass suizidale Gedanken durch dieses Medikament reduziert werden können. Wie schnell diese Wirkung aber eintritt und wie lange sie anhält, war bislang noch nicht ganz klar. Internationale Forscher führten dazu nun einen systematischen Review (Übersichtsarbeit) und eine Meta-Analyse (vergleichende Analyse der relevanten Arbeiten) durch, um die kurz- und langfristige Wirksamkeit von Ketamin bei Suizidalität zu ermitteln.

Wie kurz- und langfristig wirkt das Anästhesiemittel Ketamin gegen düsterste Gedanken?

Dazu durchsuchten die Wissenschaftler medizinwissenschaftliche Datenbanken (Central, Embase, Medline, und PsycInfo) nach Veröffentlichungen bis Dezember 2018. In die Analyse aufgenommen wurden randomisierte kontrollierte Studien mit Ketamin oder Esketamin, die Daten zur Behandlung von suizidalen Gedanken oder Handlungen oder auch Selbstverletzung bei erwachsenen Patienten mit einer psychiatrischen Erkrankung berichteten.

Systematische Literaturübersicht und -analyse über 25 Studien

Die Forscher fanden 25 Berichte basierend auf 15 unterschiedlichen klinischen Studien. Insgesamt wurden damit 572 Patienten untersucht. Die Studienteilnehmer litten vor allem unter affektiven Störungen wie beispielsweise unipolarer oder bipolarer Depression. Untersucht wurden ausschließlich suizidale Gedanken, aber nicht entsprechende Handlungen. Die Evidenz der Studien, also die Stärke der Hinweise, konnte nur als moderat bis niedrig eingeschätzt werden – das heißt, es gab qualitative Mängel an vielen der Untersuchungen. In den meisten Studien erhielten die Patienten das Medikament als Infusion über einen Zeitraum von 30 bis 45 Minuten. Lediglich eine Studie untersuchte Esketamin als Anwendung in der Nase. Vier Stunden nach der Infusion waren suizidale Gedanken signifikant weniger geworden, zeigte der Studienvergleich. Dieser Effekt blieb bis zu 72 Stunden nach der Infusion erhalten. Die Studienergebnisse waren allerdings sehr durchmischt, berichten die Autoren. In der einzelnen Esketamin-Studie wurden nur schwache Effekte auf Suizidgedanken gefunden.

Hinweise auf rasche Akuthilfe und abgemilderte Gedanken für bis zu drei Tage

Die Autoren schließen, dass die bisherige Forschung auf eine kurzfristige Abmilderung oder Dämpfung suizidaler Gedanken (bis zu 3 Tage) mit einer Ketamin-Infusion deutet. Das eigentlich als Anästhesiemittel bekannte Medikament könnte damit einen Nutzen bei der Behandlung akuter Suizidgedanken haben und somit konkret ein Hoffnungsschimmer sein – in dieser gewonnenen Zeit können womöglich andere Mittel und Therapien greifen, um auch langfristig zu helfen.

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