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Führt Quarantäne in Zeiten der Coronavirus-Pandemie zu psychischen Problemen?

Original Titel:
The immediate mental health impacts of the COVID-19 pandemic among people with or without quarantine managements

Kurz & fundiert

  • Wissenschaftler untersuchten das Auftreten von psychischen Problemen bei Personen, die sich unter Quarantäne befanden, und Personen, bei denen dies nicht der Fall war
  • Die Wissenschaftler fanden kein Zusammenhang zwischen Quarantäne und psychischen Problemen
  • Auswirkungen auf das alltägliche Leben gingen hingegen mit psychischen Problemen einher

 

DGP – Wissenschaftler aus China kamen in einer Befragung zu dem Ergebnis, dass Quarantäne in Zeiten der Coronavirus-Pandemie nicht mit psychischen Problemen einherging. Vielmehr waren es Auswirkungen auf den Alltag, die mit psychischen Problemen der Befragten zusammenhingen.


Um die Ausbreitung des neuen Coronavirus SARS-CoV-2 einzudämmen, werden verschiedene Maßnahmen ergriffen. Eine Maßnahme ist es, Personen mit Verdacht auf eine SARS-CoV-2-Infektion oder mit einer bestätigten COVID-19 unter Quarantäne zu stellen. In China wurden Patienten mit COVID-19 in Krankenhäusern isoliert, während enge Kontakte und medizinisches Personal an vorderster Front in einem Hotel unter Quarantäne gestellt wurden. Außerdem standen während der Hochzeit der Pandemie alle Einwohner unter häuslicher Quarantäne, bis auf Personen, die für die Grundfunktionen der Städte unverzichtbare Berufe ausübten. Diese strengen Maßnahmen hatten zweifellos ihre Berechtigung, können jedoch auch psychische Folgen haben. Wissenschaftler aus China untersuchten, ob die Quarantäne mit psychischen Problemen der Betroffenen einherging.

Wissenschaftler befragten mehr als 2000 chinesische Bürger zu psychischen Problemen

Die Wissenschaftler sammelten zwischen dem 12. Februar und dem 17. März 2020 Daten von 1443 Personen unter Quarantäne (206 enge Kontakte und 320 medizinische Angestellte in Quarantäne im Hotel und 917 Bürger in häuslicher Quarantäne) und 836 Personen, die nicht unter Quarantäne standen. Für ihre Umfrage nutzten sie eine App namens „Sojumb“. Die Befragung wurde erst nach mehr als 10 Tagen in Quarantäne durchgeführt. Um allgemeine psychische Symptome, Ängste und Depressionen der Patienten zu erfassen, nutzten die Wissenschaftler verschiedene Fragebögen (20-item Self-Report Questionnaire (SRQ-20), 7-item Generalized Anxiety Disorder Scale (GAD-7), 9-item Patient Health Questionnaire (PHQ-9)). Zudem sollten die Studienteilnehmer angeben, wie stark sich die Coronavirus-Pandemie auf ihren Alltag auswirkte. Dabei sollten sie Werte zwischen 0 bis 3 angeben (0: gar nicht, 1, ein wenig, 2: stark, 3: sehr stark).

Kein Zusammenhang zwischen Quarantäne und psychischen Problemen

Den Umfrageergebnissen zufolge litten 22,2 % der Befragten unter Quarantäne an Ängsten und 22,1 % an Depressionen. Von den Befragten, die sich nicht in Quarantäne befanden, waren 20,8 % von Ängsten und ebenfalls 20,8 % von Depressionen betroffen. Die Wissenschaftler konnten keine signifikanten Unterschiede bezüglich der Häufigkeit von psychischen Symptomen, Ängsten und Depressionen zwischen Befragten mit und ohne Quarantäne feststellen. Statistische Analysen zeigten, dass psychische Symptome (OR: 3,6, 95 % CI: 3,0–4,3), Ängste (OR: 4,7, 95 % CI: 3,9–5,6) und Depressionen (OR: 4,3, 95 % CI: 3,6–5,1) mit Auswirkungen auf den Alltag zusammenhingen. Mit der Quarantäne hingen die psychischen Probleme den statistischen Analysen zufolge hingegen nicht zusammen.

Die Wissenschaftler schlussfolgerten aus diesen Ergebnissen, dass die psychischen Probleme der Befragten nicht mit der Quarantäne zusammenhingen, wohl aber mit den Auswirkungen auf das alltägliche Leben. Die Autoren der Studie forderten, dass es mehr Forschung zu den psychischen Auswirkungen von Quarantäne-Maßnahmen geben sollte.

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