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Premiere in Thüringen: UKJ schaltet sich live an Thüringens Intensivbetten

Thüringenweites Telemedizin-Netzwerk für COVID-19-Patienten auf Intensivstationen gestartet

Ein COVID-19-Patient liegt seit einigen Tagen auf der Intensivstation in einem Thüringer Krankenhaus. Er wird beatmet, doch sein Zustand verschlechtert sich zusehends. Die aktuellen Röntgenbilder zeigen weiterhin deutliche Entzündungen der Lunge, die Sauerstoffwerte sinken, eine Hirnblutung kompliziert den Verlauf. Wie kann die weitere Behandlung für ihn aussehen? Oder ist der Zeitpunkt gekommen, den Patienten in ein Level-1-Krankenhaus für COVID-19-Patienten zu verlegen? Um das beurteilen zu können, müssen die Intensivmediziner und Neurologen des Uniklinikums Jena (UKJ) nicht selbst vor Ort sein. Die Kollegen des Krankenhauses vor Ort unterstützen, als seien sie selbst anwesend, können sie aber trotzdem: Dank SAT4COV, dem einzigartigen Tele-Intensivmedizin-Projekt für COVID-19-Patienten in Thüringen. Zentral gesteuert und initiiert wird dieses Leuchtturmprojekt vom Uniklinikum Jena, beteiligt sind bislang sechs Thüringer Kliniken. Finanziell mit rund 1,5 Millionen Euro gefördert wird es vom Thüringer Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie.

Bei SAT4COV werden die Jenaer Experten live auf die Intensivstation eines am Netzwerk beteiligten Krankenhauses – derzeit sind es die Kliniken Altenburg, Greiz, Schmalkalden, Sonneberg, Saalfeld und Rudolstadt – zugeschaltet und geben ein Telemedizinisches Konsil. Prototypische und auch prognosebestimmende Probleme bei COVID-19-Patienten betreffen vor allem die Beatmung und neurologische Fragestellungen. Die Intensivmediziner und Neurologen des UKJ sprechen aber nicht nur mit den behandelnden Ärzten, sondern haben gleichzeitig Zugriff auf alle relevanten Daten des Patienten wie Befunde, Röntgenbilder, Medikation oder Kreislaufparameter. „Vor allem im Bereich der Intensivmedizin sind Spezialisten rar“, weiß Professor Michael Bauer, Direktor der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin am UKJ. „Telemedizin ist ein Weg, diese Knappheit auszugleichen“, sagt er. Denn mithilfe von SAT4COV können die Ärzte des UKJ ihr Know-how und ihre Erfahrung einbringen, wo und wenn sie akut gebraucht wird. „Unser Ziel ist es, zum einen die Behandlung der Patienten vor Ort zu verbessern, indem wir die Kollegen beraten oder eine Zweitmeinung geben. Zum anderen können wir gemeinsam mit den vor Ort behandelnden Ärzten besprechen, ob und wann ein Patient in ein spezialisiertes Zentrum verlegt werden muss“, erklärt Oberarzt Dr. Albrecht Günther, Neurologe am UKJ.

Wie dringend eine solche Vernetzung ist, hat sich in der Corona-Pandemie deutlich gezeigt. Die Idee für SAT4COV hatten die UKJ-Experten schon während der 1. Welle, als vermehrt Anfragen nach Konsilen von Kollegen aus umliegenden Häusern kamen. In der 2. Welle nahm der Bedarf dann schlagartig zu, als sich überall die Intensivstationen füllten. Aus der Idee wurde schnell ein tragfähiges Konzept. Besonders hilfreich war den Medizinern des UKJ dabei die langjährige und gute Erfahrung mit dem SATELIT-Netzwerk zur telemedizinischen Behandlung von Schlaganfallpatienten in Thüringen. Dadurch ist das UKJ bereits mit vielen Thüringer Kliniken vernetzt und viele Kollegen kennen und schätzen bereits den telemedizinischen Austausch aus der Erfahrung in der telemedizinischen Schlaganfallbehandlung. „Wir können also das schon vorhandene Netzwerk nutzen, um eine COVID 19-Beratung zu etablieren und es zu einem tele-intensivmedizinischen Netzwerk auszubauen“, so Günther. Für SAT4COV werden derzeit noch die Intensivstationen entsprechend ausgestattet. Das große Plus des Projekts: Die Logistik, die Technik, das Netzwerk und das Know-how können auch langfristig genutzt werden, über COVID-19 hinaus für alle intensivmedizinischen Fragestellungen. „Telemedizin schreitet voran und ist grundsätzlich sehr gut interdisziplinär nutzbar“, sagt Günther.