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Die viel zu geringe Chance auf eine Nierentransplantation

Wartezeiten von über zehn Jahren auf ein Spenderorgan sind derzeit Realität in Deutschland. Zu lange für viele Betroffene. Anlässlich des Tags der Organspende am 4. Juni 2022 gibt das Universitäre Transplantationszentrum Regensburg des Universitätsklinikums Regensburg (UKR) einen aktuellen Überblick. 

In Deutschland sind aktuell rund 100.000 Patienten auf eine chronische Dialysebehandlung angewiesen, um überleben zu können. Dies bedeutet drei Mal pro Woche für mehrere Stunden an die Dialyse. Jede Woche. Auch wenn in Deutschland alle Betroffenen Zugang zu qualitativ hochwertiger Therapie erhalten, bedeutet die Dialyse auf Dauer ein kontinuierliches Fortschreiten von Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie eine enorme Einschränkung der Lebensqualität. Die bessere Alternative mit einer höheren Lebenserwartung und –qualität wäre daher eine Nierentransplantation. Aufgrund des immer noch größer werdenden Organmangels können aktuell allerdings nur noch weniger als 2.000 Nierentransplantationen jährlich durchgeführt werden. Davon erfolgen rund 1.500 Transplantationen nach einer postmortalen Organspende. Und obwohl nur noch 6.600 Patientinnen und Patienten zur Transplantation gelistet sind, wartet jede Patientin und jeder Patient im Normalverfahren im Schnitt bereits zehn Jahre. 30 Prozent der Wartelistenpatienten warten sogar vergebens.

„Auch am Transplantationszentrum Regensburg sind die Transplantationszahlen rückläufig. Waren 2010 noch über 80 Nierentransplantationen möglich, so wurden die letzten Jahre jeweils nur noch weniger als 50 Patienten transplantiert“, ergänzt Professor Dr. Bernhard Banas, Leiter des Universitären Transplantationszentrums Regensburg am UKR. Grund für diese Situation ist die niedrige Organspenderate in Deutschland, 2021 gab es insgesamt nur 933 Organspender. Professor Banas macht deutlich: „Das heißt, nicht einmal jeder tausendste Verstorbene spendete seine Organe. In anderen europäischen Ländern sind es zwei- bis viermal mal so viele.“

Die Suche nach Alternativen 

Notwendig ist deshalb auch die Suche nach Alternativen. Eine Option zur postmortalen Organspende ist die Nierenlebendspende. Deutschlandweit wurde dieses Verfahren 2021 475 Mal durchgeführt. PD Dr. Daniel Zecher, Internistischer Programmverantwortlicher Nierentransplantation am UKR, führt aus: „Viele Dialysepatienten und deren Angehörige stellen sich bei uns im Transplantationszentrum explizit mit der Bitte um Durchführung einer Lebendnierentransplantation vor.“ Diese ist in Deutschland streng reguliert und nur bei bester Gesundheit des potentiellen Lebendspenders möglich. „In Regensburg erfolgen knapp ein Drittel aller Nierentransplantationen nach einer Nierenlebendspende. Eine bestmögliche Aufklärung und Langzeit-Betreuung sowohl der Spender als auch der Empfänger sind dabei von entscheidender Bedeutung. Denn auch wenn man bei entsprechend strenger Auswahl der Spender mit einer Niere sehr gut leben kann, ist die Nierenfunktion niedriger als vor der Spende. Es muss deswegen streng darauf geachtet werden, dass die Spender nicht durch Entwicklung von Übergewicht oder Bluthochdruck im Laufe ihres Lebens die eigene Nierengesundheit gefährden. Daher ist eine gründliche Nachsorge der Spender von größter Bedeutung und wird gerade hier am UKR von den beteiligten Ärzten sehr ernst genommen“, führt PD Dr. Zecher weiter aus.

Aber auch an weiteren innovativen Lösungen wird intensiv geforscht.  Ob man in wenigen Jahren Nieren nachwachsen lassen kann, ist heute noch unklar. Klinische Realität sind seit kurzem erste Xenotransplantationen, das heißt, Übertragungen von Tierorganen auf den Menschen. Deutschland ist hier in der Forschung mit führend, eine Anwendung in der Klinik ist allerdings noch in weiter Ferne.

Organspendeausweis: eine Entscheidung, die Leben retten kann

Zum Tag der Organspende formulieren Professor Banas und PD Dr. Zecher daher den dringenden Appell: „Bitte machen Sie sich zu Lebzeiten Gedanken, ob nach Ihrem Tod Organe entnommen werden dürfen, damit andere Patienten weiterleben können. Und bitte teilen Sie dies Ihren Angehörigen mit und dokumentieren Sie Ihre Entscheidung auf einem Organspendeausweis.“