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Einfluss unterschiedlicher Behandlungsarten von lokalisiertem Prostatakrebs auf Funktionalität und Lebensqualität

Original Titel:
Functional and quality of life outcomes of localised prostate cancer treatments (Prostate Testing for Cancer and Treatment [ProtecT] study)

Kurz & fundiert

  • Studie: Untersuchung des Einflusses unterschiedlicher Behandlungen von lokalisiertem Prostatakrebs auf Funktionalität und Lebensqualität
  • Aktive Überwachung: Graduelle Abnahme von sexueller- und Harnwegs-Funktionalität
  • Radikale Therapie: direkt auftretende und anhaltende unerwünschte Auswirkungen
  • Keine Behandlung beeinflusste die mentale oder physische Lebensqualität signifikant

 

DGPIn einer Studie wurde die Wirkung unterschiedlicher Behandlungsarten bei lokalisiertem Prostatakrebs auf die Funktionalität und Lebensqualität der Patienten untersucht. Die Studie zeigte, dass bei einer aktiven Überwachung eine graduelle Abnahme der sexuellen- und Harnwegs-Funktionalität auftrat. Bei einer radikalen Behandlung (radikale Prostatektomie, externe Strahlentherapie, Androgendeprivationstherapie oder Brachytherapie) traten Nebenwirkungen direkt auf und hielten lange an. Eine signifikante Verschlechterung der mentalen oder physischen Gesundheit trat durch keine der Behandlungen auf.


Bei lokalisiertem Prostatakrebs kommen verschiedene Handlungsoptionen in Betracht. Neben einer radikalen Behandlung mit externer oder innerer Strahlentherapie (Brachytherapie, BT), Androgendeprivationstherapie (ADT) oder Operation (radikale Prostatektomie) besteht auch die Option einer aktiven Überwachung. Hierbei findet zunächst keine Behandlung, sondern eine Überwachung des Tumors durch häufige Untersuchungen statt. Es besteht grundsätzlich ein „trade-off“ zwischen den potentiell besseren onkologischen Ergebnissen einer radikalen Behandlung und dem Ausbleiben behandlungsbedingter Nebenwirkungen bei der aktiven Überwachung.

Studie untersucht Einfluss der Behandlung auf Lebensqualität

Für die Bewertung dieses trade-offs zwischen aktiver Überwachung und radikaler Behandlung sind die Erfahrungsberichte von Patienten besonders wichtig. In einer randomisierten Studie wurde der Einfluss unterschiedlicher Behandlungen auf die Lebensqualität und Funktionalität der Patienten bei lokalisiertem Prostatakrebs untersucht. Für die Studie konnten die Teilnehmer die Behandlung entweder auswählen oder wurden randomisiert zugeteilt. Von den 2 565 Teilnehmern erhielten 1 135 eine aktive Überwachung, 750 eine radikale Prostatektomie, 603 eine externe Strahlentherapie mit dazugehöriger ADT und 77 eine BT mit geringer Strahlendosis. Die Patienten machten über einen Zeitraum von 6 Jahren jährlich Angaben zu Funktionalität und Lebensqualität.

Graduelle Abnahme von Funktionalität bei aktiver Überwachung auch altersbedingt

Bei einer aktiven Überwachung trat eine graduelle Abnahme der sexuellen- und Harnwegsfunktionalität über den Zeitraum von 6 Jahren auf. Dies ist vermutlich auf das fortschreitende Alter der Patienten zurückzuführen (Patientenalter bei Studienstart: 50 – 69 Jahre). Erektile Dysfunktion nahm in 6 Jahren von 35 % auf 53 % zu. Nykturie (mehrmaliges Wasserlassen in der Nacht) von 20 % auf 38 %.

Direktes Auftreten von Nebenwirkungen bei radikaler Therapie

Die Auswirkungen einer radikalen Behandlung traten direkt auf und hielten meist über den Zeitraum von 6 Jahren an. Nach einer radikalen Prostatektomie traten bei 95 % der Männer erektile Dysfunktion auf, die für 85 % der Betroffenen über den Zeitraum von 6 Jahren anhielten. Harninkontinenz trat bei 36 % auf (mindestens ein Pad am Tag) und hielt für 20 % bis 6 Jahre nach der Behandlung an. Bei externer Strahlentherapie trat sexuelle Dysfunktion bei 69 % der Teilnehmer auf, nach 6 Jahren war dies bei 74 % der Fall. Harninkontinenz trat hier nicht auf. Eine Verschlechterung der Darm-Funktionalität trat bei einer externen Strahlentherapie auf, nicht aber bei einer radikalen Prostatektomie.

Die Autoren schlussfolgerten, dass bei keiner der Behandlungen nach den Angaben der Pateinten eine signifikante Verschlechterung der mentalen oder physischen Lebensqualität der Patienten festgestellt werden konnte.

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