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Welche Risiken haben GLP-1-Rezeptor-Agonisten? 

Original Titel:
Mapping the effectiveness and risks of GLP-1 receptor agonists

Kurz & fundiert

  • Häufiger Einsatz von GLP-1RA bei Diabetes und Adipositas
  • Zusammenfassende Analyse zu Chancen und Risiken der Therapie mit GLP-1RA
  • Vergleich von GLP-1RA mit Sulfonylharnstoffen, DPP4-, SGLT2-Inhibitoren und Placebo
  • Reduziertes Risiko für psychische, neurodegenerative (z. B. Alzheimer), kardiometabolische, Atemwegserkrankungen, Infektionen und Blutgerinnungsstörungen mit GLP-1RA
  • Erhöhtes Risiko für Magen-Darm-Beschwerden, Bluthochdruck, Synkopen, arthritische Erkrankungen, Nierensteine, interstitielle Nephritis und Pankreatitis
  • Evaluation der Vor- und Nachteile von GLP-1RA wichtig für Therapiewahl und Forschungsansätze

 

DGP Potenzielle Nebenwirkungen von Glucagon-like-Peptide-1-Rezeptor-Agonisten (GLP-1RA) sind bislang noch nicht ausreichend untersucht. Im Rahmen einer groß angelegten Kohortenstudie wurden GLP-1RA nun mit anderen Diabetes-Medikamenten verglichen. Insgesamt zeigten sich sowohl positive wie auch negative Auswirkungen dieser Medikamentengruppe.  


Glucagon-like-Peptide-1-Rezeptor-Agonisten (GLP-1RA), eine neue Klasse von blutzuckersenkenden Wirkstoffen, haben in den letzten 10 Jahren aufgrund ihrer kardiovaskulären und renalen Schutzwirkungen sowie durch ihre Anwendung zur Gewichtsreduktion erhebliche Popularität gewonnen. Mit der verstärkten Anwendung dieser Medikamente wurde in Studien auch über ein erhöhtes Risiko für verschiedene gastrointestinale Nebenwirkungen sowie ein verringertes Risiko für Substanzmissbrauch und neurodegenerative Erkrankungen berichtet. Trotz der weitreichenden Effekte der GLP-1RA wurden ihre Wirksamkeit und Risiken noch nicht systematisch analysiert. US-amerikanische Wissenschaftler versuchten nun, diese Lücke zu schließen.

Vergleich der Wirkungen von GLP-1-Rezeptor-Agonisten und Diabetesmedikamenten

Die Studienautoren führten eine zusammenfassende Analyse zu Wirksamkeit und Risiken von GLP-1RA durch. Dazu wurden Datenbanken des US Department of Veterans Affairs genutzt, aus denen die Autoren eine Kohorte von Menschen mit Diabetes erfassten. Diese Studienteilnehmer wandten GLP-1RA an (n = 215 970) und wurden mit Gruppen verglichen, die mit Sulfonylharnstoffen (n = 159 465), Dipeptidyl-Peptidase-4-Inhibitoren (DPP4, n = 117 989) und Natrium-Glukose-Cotransporter-2-Inhibitoren (SGLT2, n = 258 614) therapiert wurden. Es gab eine Kontrollgruppe, die zu gleichen Teilen aus Personen bestand, die mit der Einnahme von Sulfonylharnstoffen, DPP4-Hemmern und SGLT2-Hemmern begannen (n = 536 068) sowie eine Kontrollgruppe mit 1 203 097 Teilnehmern, welche die Einnahme von Nicht-GLP-1RA-Antidiabetika (Standardbehandlung) fortsetzten.

Zusammenfassende Analyse über mehrere hunderttausende Patienten

Verglichen mit einer Standardtherapie war die GLP-1RA-Anwendung mit einem verringerten Risiko für Substanzmissbrauch, psychotische Störungen, Schlaganfälle, Demenzerkrankungen, sowie kardiometabolische, infektiöse und respiratorische Erkrankungen assoziiert. Gleichzeitig zeigte sich ein erhöhtes Risiko für gastrointestinale Beschwerden, Bluthochdruck, Synkopen, Arthritis, Nierensteine, interstitielle Nephritis und für eine durch Medikamente induzierte Pankreatitis.

Nutzen-Risiko-Abwägung der GLP-1RA-Therapie ermöglicht bessere klinische Entscheidungen

Die Studie liefert wertvolle Einsichten zu den positiven und negativen gesundheitlichen Auswirkungen von GLP-1RA. Ärzte und Patienten können hierdurch bessere klinische Entscheidungen treffen, zudem können aus den Ergebnissen zukünftige Forschungsprioritäten abgeleitet werden, so das Fazit der Autoren.

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