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Darmkrebs
Lokal fortgeschrittener Enddarmkrebs: PD-1/PD-L1-Inhibitoren zusätzlich zur Chemo
Original Titel:
Neoadjuvant chemoradiotherapy with or without PD-1/PD-L1 inhibitors in locally advanced rectal cancer: a systematic review and meta-analysis
- Lokal fortgeschrittener Enddarmkrebs: PD-1/PD-L1-Inhibitoren zusätzlich zu neoadjuvanter Chemoradiotherapie?
- Systematischer Review mit Metaanalyse über 6 Studien
- Verbesserte Behandlung von lokal fortgeschrittenem Enddarmkrebs mit PD-1-Inhibitoren
DGP – Eine Behandlung mit PD-1/PD-L1-Inhibitoren zusätzlich zur neoadjuvanten Chemoradiotherapie verbesserte die pathologischen vollständigen Ansprechraten bei lokal fortgeschrittenem Enddarmkrebs signifikant, ohne die Toxizität zu erhöhen, fand ein systematischer Review mit Metaanalyse über 6 randomisiert-kontrollierte Studien. Die Ergebnisse unterstützen damit eine weitere Prüfung der Therapie in Phase-3-Studien.
Lokal fortgeschrittener Enddarmkrebs stellt eine kritische Phase in der Krebserkrankung dar, in der es noch möglich ist, den Krebs komplett zu heilen, bevor er sich systemisch ausbreitet. Typischerweise wird dazu eine aggressive multimodale Therapie benötigt. Neuere Studie legen nahe, dass Inhibitoren von PD-1 (programmed cell death protein 1) oder PD-L1 (programmed cell death ligand 1) in Kombination mit einer neoadjuvanten Chemoradiotherapie die Behandlungsergebnisse verbessern könnten. Der vorliegende systematische Review mit Metaanalyse ermittelte nun die Wirksamkeit und Sicherheit von PD-1/PD-L1-Inhibitoren integriert in eine neoadjuvante Chemoradiotherapie bei Patienten mit lokal fortgeschrittenem Enddarmkrebs.
Lokal fortgeschrittener Enddarmkrebs: PD-1/PD-L1-Inhibitoren zusätzlich zu neoadjuvanter Chemoradiotherapie?
Der systematische Review erfasste randomisiert-kontrollierte Studie zum Vergleich von neoadjuvanter Chemoradiotherapie mit oder ohne PD-1/PD-L1-Inhibitoren aus den medizin-wissenschaftlichen Datenbanken PubMed, Embase, ClinicalTrials.gov und Cochrane Central Library, mit Veröffentlichung bis 11. Oktober 2024. Vorrangig ermittelte die Studie das pathologische vollständige Ansprechen (pCR), das klinisch vollständige Ansprechen (cCR) sowie schwere unerwünschte Ereignisse (SAE). Die Metaanalyse bestimmte zusammengefasste Odds Ratios (OR) mit 95 % Konfidenzintervallen (95 % KI). Für Untergruppenanalysen fassten die Autoren Patienten nach Genstatus mit Fokus auf MMR (Mismatch-Reparatur-Defekte, Mikrosatelliteninstabilität) zusammen. Mikrosatelliten sind kurze DNA-Sequenzen, die sehr häufig im Genom vorkommen. Kommt es in diesen Abschnitten zu Fehlpaarungen in den DNA-Strängen, werden diese durch die sogenannte Mismatch-Reparatur korrigiert. Funktioniert diese nicht, spricht man von einem Mismatch-Reparatur-Defekt. Kommt es infolgedessen zu einer Ansammlung dieser Fehler, so spricht man von Mikrosatelliteninstabilität.
Systematischer Review mit Metaanalyse über 6 Studien
Die Analyse umfasste 6 randomisiert-kontrollierte Studien mit zusammen 861 Patienten. PD-1-Inhibitoren verbesserten die Raten des pathologisch vollständigen Ansprechens signifikant (OR: 2,10; 95 % KI: 1,32 – 3,32; p = 0,001). Dies traf besonders auf kurze Radiotherapie (SCRT) und Wirkstoffe wie Camrelizumab und Tislelizumab zu. Allerdings verbesserten PD-1-Inhibitoren die klinische vollständige Ansprechrate nicht signifikant (OR: 1,54; 95 % KI: 0,51 – 4,63; p = 0,44), steigerten aber auch nicht die Rate schwerer unerwünschter Ereignise (OR: 1,08: 95 % KI: 0,73 – 1,60). In Untergruppenanalysen wurde eine signifikant höhere Rate pathologisch vollständigen Ansprechens bei Patienten mit funktionierender Mismatch-Reparatur festgestellt.
Verbesserte Behandlung von lokal fortgeschrittenem Enddarmkrebs mit PD-1-Inhibitoren
Die Autoren schließen, dass eine Behandlung mit PD-1-Inhibitoren zusätzlich zur neoadjuvanten Chemoradiotherapie die pathologischen vollständigen Ansprechraten bei lokal fortgeschrittenem Enddarmkrebs signifikant verbessert, ohne die Toxizität zu erhöhen. Die Ergebnisse unterstützen damit eine weitere Prüfung der Therapie in Phase-3-Studien.
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