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Diabetes

Zusammenhang zwischen modernen Diabetesmedikamenten und Augenerkrankungen

Original Titel:
Semaglutide or Tirzepatide and Optic Nerve and Visual Pathway Disorders in Type 2 Diabetes

Kurz & fundiert

  • Einfluss moderner Diabetesmedikamente auf Augengesundheit?
  • Kohortenstudie auf Datenbankbasis mit 1 511 637 Patienten mit Typ-2-Diabetes
  • Semaglutid und Tirzepatid in Zusammenhang mit erhöhtem Risiko für Sehnervenerkrankungen
  • Absolute Wahrscheinlichkeit für Patienten gering
  • Regelmäßige augenärztliche Kontrollen während der Behandlung sinnvoll

 

DGP Eine große Kohortenstudie konnte zeigen, dass die Behandlung mit Semaglutid oder Tirzepatid bei Personen mit Typ-2-Diabetes mit einem leicht erhöhten Risiko für Sehstörungen wie die nichtarteriitische anteriore ischämische Optikusneuropathie verbunden ist. Obwohl das Gesamtrisiko gering blieb, weisen die Autoren auf die Chancen einer augenärztlichen Überwachung hin.


Die nichtarteriitische anteriore ischämische Optikusneuropathie (NAION) ist eine akute Erkrankung des Sehnervs, die durch eine plötzliche Durchblutungsstörung im Bereich des Sehnervenkopfes verursacht wird. Es gab Hinweise darauf, dass eine Behandlung mit Semaglutid oder Tirzepatid bei Menschen mit Typ-2-Diabetes mit einem erhöhten Risiko für die Entwicklung einer nichtarteriitischen anterioren ischämischen Optikusneuropathie und anderer Erkrankungen des Sehnervs oder der Sehbahn verbunden sein könnte. Dies wurde nun untersucht.

Erkrankungen des Sehnerv mit Abnehmspritzen?

Die Wissenschaftler untersuchten die Wirkung von Semaglutid oder Tirzepatid im Vergleich zu anderen Antidiabetika. Im Rahmen einer Kohortenstudie wurden Daten aus elektronischen Gesundheitsakten von Patienten mit Typ-2-Diabetes ausgewertet und umfasste medizinische Aufzeichnungen von Dezember 2017 bis Januar 2023.

Kohortenstudie auf Datenbankbasis mit 1 511 637 Patienten

Die Studie schloss 1 511 637 Patienten ein, von denen 159 398 Personen an Typ-2-Diabetes litten (durchschnittliches Alter 56,5 Jahre, 83 123 Frauen). Die Analyse umfasste 79 699 Patienten in der Semaglutid oder Tirzepatid-Gruppe sowie 79 699 Patienten in der Kontrollgruppe. In der Nachbeobachtung über 2 Jahre entwickelten 35 Patienten (0,04 %) NAION mit Semaglutid oder Tirzepatid, sowie 19 Patienten (0,02 %) in der Kontrollgruppe (Hazard Ratio, HR: 1,76; 95 % Konfidenzintervall, KI: 1,01 – 3,07). In der Wirkstoffgruppe wurden bei 93 Patienten (0,12 %) andere Optiknerv-Schädigungen oder -Erkrankungen  festgestellt, in der Kontrollgruppe bei 54 Patienten (0,07 %; HR: 1,65; 95 % KI: 1,18 – 2,31).

Erhöhtes, aber insgesamt geringes Risiko: Regelmäßige Augenkontrollen sinnvoll

Die Analyse der elektronischen Gesundheitsdaten deutet somit darauf hin, dass Semaglutid und Tirzepatid das Risiko für Störungen des Sehnervs bei Personen mit Typ-2-Diabetes erhöhen könnten. Dies unterstreicht die Notwendigkeit einer augenärztlichen Kontrolle während der Behandlung. Um die Ergebnisse zu bestätigen und das Risiko besser einzuschätzen, sollten zukünftige Studien zusätzliche Faktoren wie Krankheitsdauer, Komorbiditäten und Lebensstilmerkmale einbeziehen.

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