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Adipositas / Übergewicht
Probiotika könnten nach einer bariatrischen OP sinnvoll sein
Original Titel:
A meta-analysis of changes in gut microbiota structure following bariatric surgery
- Verändern sich Darmmikrobiota nach bariatrischer Chirurgie? Wären Probiotika hilfreich?
- Systematischer Review und Metaanalyse mit 45 Studien
- Anstieg der bakteriellen Alpha-Diversität nach Operation, erhöhte mikrobielle Vielfalt im Darm der Studienteilnehmer
- Roux-en-Y-Magenbypass (RYGB) und laparoskopische Schlauchmagenresektion (LSG): Zunahme bestimmter Bakteriengattungen
- Nach LSG-Operation Abnahme probiotischer Gattungen wie Bifidobacterium und Lactobacillus
- Möglicher Nutzen durch probiotische Supplementierung nach bariatrischer Operation
DGP – Die bariatrische Chirurgie zur Behandlung von Adipositas kann die Vielfalt der Darmmikrobiota und deren Zusammensetzung verändern, fand ein systematischer Review mit Metaanalyse über 45 Studien. Die Autoren vermuten, dass eine probiotische Supplementierung nach bariatrischer Operation das sich in dieser Phase wandelnde Mikrobiom positiv beeinflussen könnte.
Bariatrische Chirurgie ist ein gängiger Eingriff zur Behandlung von Adipositas, doch die Auswirkungen auf die Zusammensetzung der Darmmikrobiota sind bislang unklar. Eine systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse untersuchte deshalb die Veränderungen in der Zusammensetzung der Darmmikrobiota vor und nach bariatrischer Chirurgie, um ein umfassendes Bild der mikrobiellen Anpassungen zu gewinnen.
Verändern sich Darmmikrobiota nach bariatrischer Chirurgie?
Für den systematischen Review wurden bis Oktober 2024 die Datenbanken PubMed, Embase, Web of Science und Cochrane Library durchsucht. In die Metaanalyse eingeschlossen wurden randomisierte, kontrollierte Studien und Beobachtungsstudien, die die Zusammensetzung der Darmmikrobiota vor und nach dem Eingriff berichteten. Die primären Endpunkte umfassten Veränderungen der Alpha-Diversität (Chao- und Shannon-Indizes), während sekundäre Endpunkte Veränderungen der relativen Häufigkeit auf Ebene von Phyla, Familien und Gattungen berücksichtigten.
Systematischer Review mit Metaanalyse über 45 Studien
Insgesamt wurden 45 Studien eingeschlossen. Nach der Operation nahm die Alpha-Diversität signifikant zu, allerdings mit hoher Heterogenität (Chao-Index: Mittelwertdifferenz, MD: 0,50; 95 % Konfidenzintervall, KI: 0,01 – 0,99; p = 0,046; I² = 87,3 %; Shannon-Index: MD 0,37; 95 % KI: 0,04 – 0,70; p = 0,028; I² = 90,2 %).
Eine weitergehende Analyse identifizierte das Alter und die geografische Region der Studienteilnehmer als Hauptquellen der Heterogenität. Sowohl der Roux-en-Y-Magenbypass (RYGB) als auch die laparoskopische Schlauchmagenresektion (LSG) gingen mit einer erhöhten Häufigkeit der Gattungen Akkermansia, Bacteroides, Streptococcus und Veillonella einher. Nach Schlauchmagenresektion nahm die relative Häufigkeit der probiotischen Gattungen Bifidobacterium und Lactobacillus ab.
Veränderte Darmmikrobiota deuten auf mögliche Unterstützung durch Probiotika
Eine bariatrische Operation führte laut der Studienautoren zu einer signifikanten Zunahme der mikrobiellen Alpha-Diversität im Darm sowie zu ausgeprägten Veränderungen auf Gattungsebene. Nach einer Schlauchmagenresektion nahm die relative Häufigkeit der probiotischer Bakteriengattungen ab. Diese Befunde legen nahe, dass eine probiotische Supplementierung insbesondere nach Schlauchmagenresektion vorteilhaft sein könnte, da sich das Mikrobiom in dieser Phase besonders verändert und eventuell gezielt unterstützt werden könnte. Aufgrund der großen Heterogenität der bisherigen Ergebnisse sind allerdings weitere Studien notwendig, um kausale Effekte einzelner chirurgischer Verfahren auf spezifische mikrobielle Arten zu bestimmen.
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