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ASS im Alter: Verbesserung der gesunden Lebensspanne?
Original Titel:
Aspirin and healthy lifespan in older people: main outcome of the ASPREE-XT observational study
- Gesünder lange leben mit niedrig-dosierter Acetylsalicylsäure (ASS)?
- Randomisierte, kontrollierte Studie mit Teilnehmern aus Australien und den USA
- Wirkung von niedrig-dosierter ASS im Vergleich zu Placebo bei älteren, gesunden Menschen
- Mediane Nachbeobachtungszeit von insgesamt 9 Jahren
- Kein signifikanter Unterschied in Bezug auf Tod, Demenz oder dauerhafte körperliche Beeinträchtigung zwischen Aspirin- und Placebogruppe
- Möglicherweise höheres Blutungsrisiko bei chronischer Einnahme von ASS
- Niedrig-dosiertes ASS demnach ohne klaren Nutzen für gesunde Lebensspanne bei älteren, anfangs gesunden Menschen
DGP – Die Einnahme von niedrig-dosierter Acetylsalicylsäure (ASS) zeigte in einer randomisiert-kontrollierten Studie keinen Nutzen für die gesunde Lebensspanne. Ältere, zu Beginn gesunde Teilnehmer profitierten auch nicht in Bezug auf Risiken für Demenz oder körperliche Einschränkungen. Jedoch erhöhte sich das Risiko für Blutungen.
In der früheren klinischen Studie ASPREE (Acetylsalicylsäure in Reducing Events in the Elderly) zeigte niedrig dosiertes Acetylsalicylsäure (ASS) keinen Zusammenhang mit einer längeren Lebensdauer ohne Demenz oder dauerhafte körperliche Beeinträchtigung – einem Maß für die sogenannte „gesunde Lebensspanne“. Stattdessen wurde ein leicht erhöhtes Sterberisiko festgestellt. Da viele altersbedingte Erkrankungen eine lange Vorlaufzeit haben, untersuchte die Anschlussstudie ASPREE-XT nun den Langzeiteffekt von ASS im Vergleich zu Placebo nach Ende der ursprünglichen Studie.
Kann niedrig dosiertes ASS die gesunde Lebensspanne im Alter verlängern?
Im Zeitraum vom 10. März 2010 – 24. Dezember 2014 wurden 19 114 ältere Menschen in Australien und den USA randomisiert einer Behandlung mit niedrig dosiertem Aspirin oder einem Placebo zugeteilt. Das Alter der Teilnehmer lag größtenteils bei über 70 Jahren. Folgende primären Endpunkte wurden analysiert: Demenz, dauerhafte körperliche Beeinträchtigung und Gesamtsterblichkeit.
Randomisierte, kontrollierte Studie mit 19 114 Teilnehmern und 9 Jahren Nachbeobachtung
Die mediane Beobachtungsdauer betrug 4,7 Jahre im Rahmen der ASPREE-Studie, gefolgt von einer medianen Nachbeobachtungszeit von 4,3 Jahren (Interquartilsbereich 4,1 – 4,6) in der Anschlussstudie ASPREE-XT. Von den ursprünglichen Teilnehmern nahmen 15 633 Menschen an der Nachbeobachtungsphase teil, darunter 8 836 Frauen (56,5 %) und 6 797 Männer (43,5 %). Während der ASPREE-XT-Periode zeigte sich kein Unterschied zwischen ASS (34,37 Ereignisse pro 1 000 Personenjahre) und Placebo (33,68 Ereignisse pro 1 000 Personenjahre) hinsichtlich des primären Endpunkts (Hazard Ratio, HR: 1,02; 95 % Konfidenzintervall, KI: 0,94 – 1,11; p = 0,63). Ebenso wurde im Verlauf der Studien ASPREE und ASPREE-XT kein Langzeiteffekt von ASS im Vergleich zu Placebo auf den kombinierten Endpunkt Gesamtsterblichkeit, Demenz oder anhaltende körperliche Behinderung über einen Nachbeobachtungszeitraum von fast einem Jahrzehnt beobachtet (HR: 1,01; 95 % KI: 0,95 – 1,08; p = 0,65). Es zeigte sich kein signifikanter Effekt auf die Gesamtsterblichkeit (HR: 1,06; 95 % KI: 0,99 – 1,14; p = 0,10).
In der ASPREE-XT-Studie wurde kein Effekt von ASS auf das Auftreten schwerwiegender Blutungsereignisse im Vergleich zu Placebo festgestellt. Betrachtet man jedoch beide Studienphasen gemeinsam, war ASS mit einem erhöhten Risiko für schwere Blutungen assoziiert (HR 1,24; 95 % KI: 1,10 – 1,39).
Keine Wirkung von ASS auf die gesunde Lebensspanne nachgewiesen
Niedrig dosiertes ASS schien somit keinen Nutzen für die Förderung einer gesunden Lebensspanne bei anfangs gesunden, älteren Menschen zu haben. Angesichts eines höheren Blutungsrisikos solle der routinemäßige Einsatz in dieser Bevölkerungsgruppe kritisch hinterfragt werden, so das Fazit der Autoren.
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