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Konferenzbeitrag: Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Brustkrebs

Original Titel:
Risk of death from cardiovascular diseases in breast cancer patients.

Kurz & fundiert

  • Behandlung von Brustkrebs typischerweise mit Medikamenten oder Bestrahlung
  • Therapie könnte mit Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen einhergehen
  • Auswertung von Daten des Landeskrebsregisters Nordrhein-Westfalen
  • Geringeres Risiko für Patientinnen, aufgrund von Herz-Kreislauf-Erkrankung zu versterben, als in der gleichaltrigen Allgemeinbevölkerung
  • Höhere Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei jüngeren Patientinnen mit fortgeschrittenem Brustkrebs

 

DGP Die Behandlung von Brustkrebs – beispielsweise mit Anthrazyklinen, Trastuzumab oder Strahlentherapie – kann die Gefäßgesundheit beeinträchtigen. Ob dies auch zu einer erhöhten Sterblichkeit durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen führt, wurde anhand bevölkerungsbasierter Daten aus dem Landeskrebsregister NRW untersucht und in einem Konferenzbeitrag zur Jahrestagung der Deutschen, Österreichischen und Schweizerischen Gesellschaften für Hämatologie und Medizinische Onkologie 2025 berichtet.


Die Nebenwirkungen der medikamentösen und/oder radiologischen Behandlung einer Brustkrebserkrankung umfassen auch Schäden an Blutgefäßen des Herzens und des Gehirns. Ob damit auch das Risiko steigt, an einem Herzinfarkt oder Schlaganfall zu versterben, konnte anhand bisheriger Untersuchungen nicht eindeutig beantwortet werden.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Brustkrebs-Therapie relevant?

Die Arbeitsgruppe um Christine Eisfeld (Landeskrebsregister NRW und Universitätsklinikum Münster) wertete daher Daten von Patientinnen mit Brustkrebs aus dem Landeskrebsregisters Nordrhein-Westfalen aus. Die Ergebnisse wurden als in einem Konferenzbeitrag zur Jahrestagung der Deutschen, Österreichischen und Schweizerischen Gesellschaften für Hämatologie und Medizinische Onkologie 2025 berichtet.

Konferenzbeitrag: Registerdaten zum Mortalitätsrisiko von Patientinnen mit Brustkrebs

Die Auswertung umfasste Daten von 173 030 Frauen aus dem Landeskrebsregisters NRW, bei denen im Zeitraum von 2008 bis 2017 Brustkrebs festgestellt worden war. Im Beobachtungszeitraum bis 2022 starben insgesamt 37 792 Frauen an Brustkrebs (58 %), an Herz-Kreislauf-Erkrankungen 9 057 Patientinnen (14 %). Herz-Kreislauf-Erkrankungen stellten damit die zweithäufigste Todesursache dar.

Das Risiko, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu versterben, lag bei Patientinnen mit Brustkrebs niedriger als in der gleichaltrigen Allgemeinbevölkerung (standardisiertes Mortalitätsrisiko, SMR: 0,84; 95 % Konfidenzintervall, KI: 0,82 – 0,86).

Zu den häufigsten Herz-Kreislauf-Erkrankungen gehörten:

  • Ischämische Herzerkrankungen bedingt durch Verengungen der Herzkranzgefäße (SMR: 0,80; 95 % KI: 0,77 – 0,83)
  • Sonstige Herzerkrankungen (SMR: 0,93; 95 % KI: 0,90 – 0,96)
  • Zerebrovaskuläre Erkrankungen wie Schlaganfälle (SMR: 0,79; 95 % KI: 0,75 – 0,83)

Für Patientinnen mit fortgeschrittenen Tumoren wurden höhere Sterberaten durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen ermittelt. Insgesamt nahmen die dadurch bedingten Sterberaten mit zunehmendem Abstand vom Zeitpunkt der Brustkrebsdiagnose leicht ab.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Frauen mit Brustkrebs seltener Todesursache als in der Allgemeinbevölkerung

Ältere Patientinnen mit Brustkrebs (> 65 Jahre) hatten im Vergleich zur gleichaltrigen Allgemeinbevölkerung ein geringeres Risiko, an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu versterben (SMR: 0,82; 95 % KI: 0,80 – 0,84), während das Risiko bei Jüngeren (20 – 64 Jahre) leicht erhöht war (SMR: 1,08; 95 % KI 1,01 – 1,16). Ein signifikant erhöhtes Risiko wiesen jüngere Frauen mit fortgeschrittenem Brustkrebs auf (UICC-Stadium III – IV; SMR: 2,57; 95 % KI: 2,17 – 3,04).

Erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei jüngeren Patientinnen und fortgeschrittener Erkrankung

Patientinnen mit Brustkrebs sind somit vermehrt Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen ausgesetzt, weisen aber gegenüber der gleichaltrigen Allgemeinbevölkerung eine geringere Sterblichkeit aufgrund von Gefäßerkrankungen auf. Möglicherweise spielen hierbei die engmaschige Nachsorge, das Risikobewusstsein, Fortschritte in der Strahlentherapie und medikamentöse Behandlungen eine wichtige schützende Rolle. Bei jüngeren Patientinnen mit fortgeschrittener Brustkrebserkrankung bedarf die Gefäßgesundheit aber besonderer Aufmerksamkeit.

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