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Fachgesellschaften schaffen Grundlage für bessere Versorgung bei chronisch-entzündlichen Erkrankungen

Initiative zur Zertifizierung von Entzündungszentren

Berlin – Die Entzündungsmedizin steht vor einem grundlegenden Wandel: Statt allein auf das betroffene Organ zu schauen, setzen moderne Therapiekonzepte auf stärker personalisierte Behandlungen, die die zugrunde liegenden Entzündungs- und Immunprozesse im Körper berücksichtigen. Um dieser Entwicklung Rechnung zu tragen, haben die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS), die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie und Klinische Immunologie (DGRh) sowie die Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG) eine gemeinsame Initiative zur Zertifizierung interdisziplinärer Entzündungszentren gestartet. In einer gemeinsamen Kommission entwickeln die Fachgesellschaften den Rahmen für eine nationale Struktur zur Verbesserung der Versorgung von Patientinnen und Patienten mit chronisch-entzündlichen Erkrankungen.

Chronisch-entzündliche Erkrankungen betreffen in Deutschland Millionen Menschen. Allein an Psoriasis, Spondylarthritiden und chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen leiden zusammen rund 3,5 Millionen Patientinnen und Patienten. Die direkten Krankheitskosten belaufen sich auf mindestens 19 Milliarden Euro jährlich. Hinzu kommen die indirekten Kosten von Begleiterkrankungen und Arbeitsausfällen. „Die Entzündungsmedizin entwickelt sich rasant weiter – gleichzeitig steigt die Komplexität der Therapieentscheidungen“, sagt Professor Dr. Nisar Peter Malek, Ärztlicher Direktor der Abteilung für Gastroenterologie, Gastrointestinale Onkologie, Hepatologie, Infektiologie und Geriatrie an der Klinik für Innere Medizin I des Universitätsklinikums Tübingen und Sprecher der Kommission zur Zertifizierung von Entzündungszentren für die DGVS. „Um für jede Patientin bzw. jeden Patienten die passende Therapie auszuwählen und langfristig gute Behandlungsergebnisse zu erzielen, braucht es klare Qualitätsstandards und strukturierte interdisziplinäre Entscheidungsprozesse.“

Interdisziplinäre Zentren als Modell für die Zukunft

„Bereits heute existieren erste interdisziplinäre Zentren für Entzündungsmedizin, die sich in der klinischen Versorgung bewährt haben“, sagt Professor Dr. med. Hanns-Martin Lorenz, Leiter der Sektion Rheumatologie am Universitätsklinikum Heidelberg und rheumatologischer Sprecher des Interdisziplinären Zentrum für Entzündungsmedizin Heidelberg (IZEH) sowie Vorsitzender der Kommission zur Zertifizierung von Entzündungszentren der DGRh. Mit der neuen Initiative zielen die Fachgesellschaften darauf ab, vorhandene Ansätze in eine bundesweit einheitliche Struktur zertifizierter Zentren zu überführen. Vorbild ist dabei die Onkologie: Dort haben strukturierte interdisziplinäre Tumorboards und zertifizierte Zentren maßgeblich zur Qualitätsverbesserung in der Versorgung beigetragen. „Chronisch-entzündliche Erkrankungen betreffen häufig mehrere Organsysteme gleichzeitig“, erklärt Professor Lorenz. „Eine enge Zusammenarbeit verschiedener Fachdisziplinen ermöglicht es, komplexe Krankheitsverläufe besser zu verstehen und Therapieentscheidungen gemeinsam zu treffen.“

Gemeinsame Qualitätsstandards als Grundlage

Mit der konstituierenden Sitzung am 4. März 2026 wurde ein erster wichtiger Schritt gemacht. Zunächst definiert die Kommission für die drei beteiligten Disziplinen Dermatologie, Gastroenterologie und Rheumatologie gemeinsame Qualitätskriterien. „Ziel ist es, ein abgestuftes System zertifizierter Zentren zu etablieren, das die unterschiedlichen Versorgungsbedarfe der Entzündungsmedizin abbildet“, sagt Professor Dr. med. Alexander Enk, Ärztlicher Direktor der Hautklinik der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg und Sprecher der Kommission zur Zertifizierung von Entzündungszentren für die DDG. „Damit schaffen wir eine strukturierte Grundlage für interdisziplinäre Diagnostik, Therapieentscheidungen und langfristige Betreuung.“

Nationale Datengrundlage für bessere Therapien

Ein weiterer zentraler Bestandteil der Initiative ist die systematische Wissensgenerierung. Durch strukturierte Dokumentation und harmonisierte Datensätze soll künftig ein gemeinsames nationales Register für die Entzündungsmedizin entstehen. Dieses soll helfen, langfristige Krankheitsverläufe besser zu verstehen und Erkenntnisse für die individuelle Therapieentscheidung zu gewinnen. Die beteiligten Fachgesellschaften sehen in der Initiative einen wichtigen Schritt, um die Versorgung von Patientinnen und Patienten mit chronisch-entzündlichen Erkrankungen langfristig zu verbessern und die interdisziplinäre Zusammenarbeit in der Entzündungsmedizin nachhaltig zu stärken.

Die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) wurde 1913 als wissenschaftliche Fachgesellschaft zur Erforschung der Verdauungsorgane gegründet. Heute vereint sie über 7000 in Klinik und Forschung tätige Ärztinnen und Ärzte unter einem Dach. Die DGVS fördert sehr erfolgreich wissenschaftliche Projekte und Studien, veranstaltet Kongresse und Fortbildungen und unterstützt aktiv den wissenschaftlichen Nachwuchs. Ein besonderes Anliegen ist der DGVS die Entwicklung von Standards und Behandlungsleitlinien für die Diagnostik und Therapie von Erkrankungen der Verdauungsorgane – zum Wohle der Patientinnen und Patienten.

Die Deutsche Gesellschaft für Dermatologie (DDG) ist die wissenschaftliche Fachgesellschaft der deutschsprachigen Dermatologinnen und Dermatologen. Als eine gemeinnützige Organisation mit über 5.000 Mitgliedern fördert sie Wissenschaft und Forschung auf dem Gebiet der Dermatologie und ihrer Teilgebiete. Die DDG setzt sich für die Förderung der klinischen und praktischen Dermatologie, Allergologie und Venerologie sowie ihrer konservativen und operativen Teilgebiete ein. Mit der Durchführung von wissenschaftlichen Veranstaltungen und Kongressen engagiert sie sich in der Fort- und Weiterbildung, sie entwickelt Leitlinien und unterstützt Forschungsvorhaben durch Anschubfinanzierungen und Förderungen. Darüber hinaus vergibt die DDG zusammen mit der Deutschen Stiftung für Dermatologie Forschungsgelder und Stipendien an vielversprechende Nachwuchsmedizinstudierende und an namhafte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler.

Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie und Klinische Immunologie (DGRh) ist mit mehr als 1800 Mitgliedern die größte medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft im Bereich der Rheumatologie im deutschsprachigen Raum. Sie repräsentiert hierzulande seit fast 100 Jahren rheumatologische Wissenschaft und Forschung und deren Entwicklung. Als gemeinnütziger Verein arbeitet die DGRh unabhängig und ohne Verfolgung wirtschaftlicher Ziele zum Nutzen der Allgemeinheit.