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Chronische Darmentzündung
Einfluss der Endometriose auf den Verlauf entzündlicher Darmerkrankungen
Original Titel:
Impact of Endometriosis on the Progression of Inflammatory Bowel Diseases: A Multicenter Retrospective Study
- Wie beeinflusst Endometriose den Verlauf chronisch‑entzündlicher Darmerkrankungen?
- Retrospektive Kohortenstudie mit 207 Frauen mit beiden Erkrankungen
- Erhöhtes Risiko für Morbus Crohn und Colitis ulcerosa bei bestehender Endometriose
- Frauen mit beiden Erkrankungen erhielten seltener Immunsuppressiva und TNF‑α‑Inhibitoren
- Milderer Verlauf von Morbus Crohn bei gleichzeitiger Endometriose
- Kein signifikanter Einfluss der Endometriose auf den Krankheitsverlauf von Colitis ulcerosa
DGP – Eine retrospektive Kohortenstudie zeigte, dass Frauen mit Endometriose häufiger chronisch‑entzündliche Darmerkrankungen entwickeln. Allerdings fiel der Verlauf von Morbus Crohn bei ihnen milder aus als bei Frauen ohne Endometriose. Gleichzeitig erhielten Frauen mit beiden Erkrankungen seltener Immunsuppressiva und TNF‑α‑Inhibitoren. Bei Colitis ulcerosa ergab sich kein signifikanter Unterschied im Schweregrad der CED zwischen Frauen mit und ohne Endometriose.
Frauen mit Endometriose weisen ein erhöhtes Risiko auf, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED) zu entwickeln. Eine Studie untersuchte nun den gegenseitigen Einfluss von Endometriose und CED aufeinander.
Beeinflussen sich Endometriose und CED gegenseitig?
Wissenschaftler führten eine retrospektive Kohortenstudie in 18 französischen und belgischen CED-Zentren durch. Zwischen Juni 2022 und März 2023 wurden alle Frauen mit einer Doppeldiagnose aus Endometriose und CED eingeschlossen und jeweils einer oder zwei Kontrollpatientinnen mit CED, aber ohne Endometriose, randomisiert zugeordnet. Primärer Studienendpunkt war der Einfluss der Endometriose auf den Krankheitsverlauf, gemessen an einem zusammengesetzten Schweregradskriterium, das strukturelle Darmschäden oder die Notwendigkeit einer Darmoperation umfasste.
Retrospektive Kohortenstudie zu Krankheitsverlauf und Therapie mit 616 Frauen
Insgesamt wurden 207 Frauen mit beiden Erkrankungen (149 mit Morbus Crohn; 58 mit Colitis ulcerosa) mit 409 Frauen verglichen, die ausschließlich an einer CED litten. Die mediane Nachbeobachtungszeit betrug 10 Jahre (5,75 – 17 Jahre). Zwischen den Gruppen zeigten sich bei Morbus Crohn keine Unterschiede hinsichtlich Lokalisation, Phänotyp oder anoperinealer Beteiligung. Bei Colitis ulcerosa traten Entzündungen im Enddarm bei Frauen mit gleichzeitig bestehender Endometriose häufiger auf als bei Frauen ohne Endometriose. Frauen mit CED und Endometriose erhielten signifikant seltener Immunsuppressiva (Colitis ulcerosa: p < 0,01; Morbus Crohn: p < 0,001) sowie biologische Therapien, darunter TNF‑α‑Inhibitoren (Colitis ulcerosa: p < 0,01; Morbus Crohn: p < 0,001).
Bei Morbus Crohn zeigte sich ein milderer Krankheitsverlauf bei Frauen mit Endometriose im Vergleich zu Frauen ohne Endometriose: Frauen mit Endometriose hatten demnach ein um 32 % geringeres Risiko, dass ihre Erkrankung schwer verlief (Hazard Ratio, HR: 0,68; 95 % Konfidenzintervall, KI: 0,50 – 0,92; p = 0,011). Für Colitis ulcerosa ergab sich dagegen kein signifikanter Unterschied (HR: 1,73; 95 % KI: 0,74 – 4,00; p = 0,20). Diese Ergebnisse bestätigten sich auch in der Untergruppe der chirurgisch behandelten Endometriose.
Endometriose verschlechtert nicht den Verlauf von CED
Die Ergebnisse zeigen, dass Endometriose den Verlauf chronisch‑entzündlicher Darmerkrankungen nicht unbedingt negativ beeinflusst. Frauen mit Morbus Crohn und gleichzeitig bestehender Endometriose hatten sogar im Schnitt einen weniger schweren Krankheitsverlauf. Frauen mit beiden Erkrankungen erhielten seltener Immunsuppressiva und TNF‑α‑Inhibitoren. Bei Colitis ulcerosa wurde kein signifikanter Einfluss der Endometriose auf den Krankheitsverlauf feststellt.
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