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„TelePIN“: Neues Telemedizinprojekt stärkt Versorgung schwerkranker Kinder in Niedersachsen und Bremen

Um die Versorgung schwerkranker Kinder in Zeiten des Fachkräftemangels zu stärken, ist in Niedersachsen und Bremen das telemedizinische Projekt „TelePIN“ an den Start gegangen. Dabei handelt es sich um ein von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) entwickeltes integrales digitales Versorgungssystem mit einem umfassenden audiovisuellen Anteil und einem digitalen Patienten Daten Management System (PDMS), welches einen Austausch von Patientendaten und einen direkten Kontakt in der Therapie zwischen den teilnehmenden Kinderkliniken ermöglicht. Auf diese Weise können sich insbesondere kleine Krankenhäuser niedrigschwellig mit der Expertise größerer Stationen zusammenschließen und eine gemeinsame Visite der Patientinnen und Patienten vornehmen. Insgesamt 15 niedersächsische Kinderkliniken sollen nun nach den Plänen der Landesregierung aus den Mitteln des Strukturfonds II in Höhe von rund 6 Millionen Euro gefördert werden, die jeweils zur Hälfte von Bund und Land getragen werden.

Bei einem Besuch der MHH am heutigen Dienstagmittag informierte sich Niedersachsens Gesundheitsminister Dr. Andreas Philippi über den aktuellen Stand des Projekts. „Es freut mich sehr, dass es gelungen ist, erstmalig in der modernen Medizingeschichte unseres Landes ein derart umfassendes Telemedizinprojekt umzusetzen“, so Philippi. „Insbesondere in Anbetracht der anstehenden Krankenhausreform wird dieses Projekt die Effektivität der zukünftigen Kliniklandschaft wesentlich erhöhen.“

„Von den insgesamt 29 Kinderkliniken in Niedersachsen haben aktuell nur vier eine spezielle Station für pädiatrische Intensivmedizin. Und in diesen Häusern können nur die Hälfte aller Kinderintensivbetten betrieben werden, weil es landesweit an Pflegefachpersonal, Ärztinnen und Ärzten fehlt“, erklärt Dr. Michael Sasse, Oberarzt der Klinik für Pädiatrische Kardiologie und Intensivmedizin und Leiter von TelePIN. „Mit unserem telemedizinischen Instrument können wir diese Lücken wenigstens teilweise schließen.“

„Unser Ziel ist es, langfristig alle Kinderkliniken in Niedersachsen und Bremen, den angrenzenden Regionen benachbarter Bundesländer sowie die Rettungsdienste und die niedergelassenen Kinderärzte an ‚TelePIN‘ anzuschließen, damit für lebensbedrohlich erkrankte Kinder flächendeckend eine hochqualifizierte Versorgung sichergestellt werden kann“, sagt Prof. Dr. Philipp Beerbaum, Direktor der Klinik für Pädiatrische Kardiologie und Intensivmedizin. „Dadurch reduzieren wir die Zahl der Verlegungen in andere Kinderkliniken und können den Personalmangel abfedern.“ „Das ‚TelePIN‘ ist ein exzellentes Beispiel für Teamspirit, Digitalität und standortübergreifende Vernetzung in der niedersächsischen Krankenversorgung“, resümiert Prof. Dr. Frank Lammert, MHH-Vizepräsident und Vorstandsmitglied für das Ressort Krankenversorgung.

„TelePIN“ basiert auf einer Initiative des Pädiatrischen Intensiv Netzwerkes (PIN), welches sich bereits seit mehr als 20 Jahren für die Intensivversorgung schwerkranker Kinder einsetzt. Das Tele-Netzwerk besteht aus mittlerweile 25 Kinderkliniken in den Bundesländern Niedersachsen und Bremen. Seit 2022 arbeitet eine 15-köpfige Arbeitsgruppe aus unterschiedlichen Bereichen der Medizin, des Controllings, des Einkaufs, des Datenschutzes, der Stabsstelle Recht und der IT-Abteilung der MHH gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern von PDMS-Herstellern und audiovisuellen Dienstleistern an der Umsetzung eines telemedizinischen Projekts. Das Bundesland Bremen ist mit seinen drei Kinderkliniken ein integraler Bestandteil und kann sich mit den umliegenden Krankenhäusern in Niedersachsen optimal vernetzen. Ein großer Vorteil: Das System ist dank eines ausfahrbaren Schwenkarms für eine Beurteilung in Säuglings- und Kleinkindbetten geeignet und so auch an die speziellen Bedürfnisse sehr junger Patientinnen und Patienten angepasst.