Das GesundheitsPortal für innovative Arzneimittel, neue Therapien und neue Heilungschancen
Ultra-hypofraktionierte Strahlentherapie bei Prostatakrebs: Kürzer, gleich effektiv
Original Titel:
Ultra-hypofractionated versus conventionally fractionated radiotherapy for localised prostate cancer (HYPO-RT-PC): 10-year outcomes of an open-label, randomised, phase 3, non-inferiority trial
- Ultra-hypofraktionierte Strahlentherapie langfristig vergleichbar sicher und wirksam zu konventioneller Strahlentherapie?
- Offene, randomisierte Phase-3-Nichtunterlegenheitsstudie mit 1 180 Patienten
- Prostatakrebs mit mittlerem oder hohem Risiko
- Vergleichbare Raten des Fortschreitens der Erkrankung innerhalb von 10 Jahren
- Nebenwirkungen ähnlich häufig
DGP – Wissenschaftler verglichen die konventionelle Strahlentherapie mit der ultra-hypofraktionierten Strahlentherapie bei Prostatakrebs mit mittlerem bis hohem Risiko. Im Hinblick auf das Fortschreiten der Erkrankung innerhalb von 10 Jahren war die ultra-hypofraktionierte Strahlentherapie der konventionellen Strahlentherapie nicht unterlegen. Nebenwirkungen traten ähnlich häufig auf.
Die Strahlentherapie spielt eine zentrale Rolle in der Behandlung von Prostatakrebs. Konventionell erfolgt die Bestrahlung über 8 Wochen hinweg. Eine zeitlich weniger aufwändige Option stellt die ultra-hypofraktionierte Strahlentherapie dar. Dabei wird die einzelne Strahlendosis erhöht und der gesamte Behandlungszeitraum verkürzt. Doch ist diese Art der Bestrahlung bei Prostatakrebs mit mittlerem oder hohem Risiko langzeitlich genauso sicher und wirksam wie die konventionelle Strahlentherapie? Dieser Frage gingen Wissenschaftler aus Schweden und Dänemark in einer Nichtunterlegenheitsstudie nach.
Prostatakrebs: Konventionelle oder ultra-hypofraktionierte Strahlentherapie?
Für ihre offenen, randomisierten Phase-3-Nichtunterlegenheitsstudie werteten die Wissenschaftler die Daten von Männern (≤ 75 Jahre) mit Prostatakrebs mit mittlerem oder hohem Risiko aus, die sich zwischen dem 01.07.2005 und dem 04.11.2015 einer Strahlentherapie unterzogen. Die Patienten wurden nach dem Zufallsprinzip (unter Berücksichtigung des T-Stadiums, Gleason Scores, PSA-Wertes und Studienzentrums) der konventionellen Strahlentherapie oder der ultra-hypofraktionierten Strahlentherapie zugewiesen. Die Behandlungsdauer der ultra-hypofraktionierten Strahlentherapie war gegenüber der konventionellen Strahlentherapie stark verkürzt:
- Ultra-hypofraktionierte Strahlentherapie: 42,7 Gy in 7 Sitzungen, 3 Tage/Woche über 2,5 Wochen
- Konventionelle Strahlentherapie: 78,0 Gy in 39 Sitzungen, 5 Tage/Woche über 8 Wochen
Die Wissenschaftler verglichen die beiden Patientengruppen hinsichtlich des Überlebens ohne Fortschreiten der Erkrankung. Dazu zählten biochemische und klinische Progression, Start einer Hormontherapie und Tod aufgrund der Krebserkrankung. Die Nichtunterlegenheitsmarge betrug 4 % nach 5 Jahren und war zuvor bereits erreicht worden. Dies entsprach einem kritischen Grenzwert der Hazard Ratio (HR) von 1,338. Die Wissenschaftler analysierten nun die Langzeitergebnisse zur Wirksamkeit und Sicherheit nach 10 Jahren.
Offene, randomisierte Phase-3-Nichtunterlegenheitsstudie mit 1 180 Patienten
Insgesamt betrachtete die Studie die Behandlungsergebnisse von 1 180 Männern, von denen 591 mit konventioneller Strahlentherapie behandelt wurden, 589 Patienten erhielten die ultra-hypofraktionierte Strahlentherapie. Die mediane Nachbeobachtungszeit betrug bei der Gruppe mit der konventionellen Bestrahlung 10,6 Jahre (Interquartilbereich, IQR: 9,0 – 13,0) und bei der Gruppe mit der ultra-hypofraktionierten Bestrahlung 10,7 Jahre (IQR: 9,1 – 12,7). Mit konventioneller Bestrahlung lebten 65 % der Patienten (95 % Konfidenzintervall, KI: 61 – 69) mehr als 10 Jahre ohne biochemisches oder klinisches Fortschreiten der Erkrankung, Beginn einer Hormontherapie oder Tod aufgrund des Prostatakrebses. Bei der Gruppe der ultra-hypofraktionierten Strahlentherapie war das bei 72 % der Patienten (95 % KI: 68 – 76) der Fall. Das Risiko für Krankheitsprogression bestätigte die Nichtunterlegenheit der ultra-hypofraktionierten Strahlentherapie (HR: 0,84; 95 % KI: 0,69 – 1,03).
Ultra-hypofraktionierte Strahlentherapie nicht-unterlegen zur konventionellen Strahlentherapie
Späte urogenitale und gastrointestinale Nebenwirkungen (≥ Grad 2) traten innerhalb von 10 Jahren in beiden Gruppen ähnlich häufig auf.
Späte urogenitale Nebenwirkungen:
- Konventionelle Strahlentherapie: 30 %; 95 % KI: 26 – 34
- Ultra-hypofraktionierte Strahlentherapie: 28 %; 95 % KI: 24 – 32
- HR: 1,01; 95 % KI: 0,81 – 1,25; p = 0,95
Späte gastrointestinale Nebenwirkungen:
- Konventionelle Strahlentherapie: 14 %; 95 % KI: 11 – 18
- Ultra-hypofraktionierte Strahlentherapie: 14 %; 95 % KI: 11 – 17
- HR: 0,94; 95 % KI: 0,70 – 1,28; p = 0,72
Vergleichbare Sicherheit
Die Nichtunterlegenheitsstudie fand somit, dass auch nach 10 Jahren die ultra-hypofraktionierte Strahlentherapie der konventionellen Strahlentherapie im Hinblick auf das Fortschreiten der Prostatakrebserkrankung nicht unterlegen war. Nebenwirkungen traten ähnlich häufig auf. Die zeitlich weniger aufwändige Strahlentherapie stellt somit eine geeignete Therapieoption für Prostatakrebs-Patienten mit mittlerem oder hohem Risiko dar.
© Alle Rechte: DeutschesGesundheitsPortal / HealthCom