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Elektronische Patientenakte: Warum Verständlichkeit jetzt zum Versorgungsfaktor wird

Die elektronische Patientenakte (ePA) ist in Deutschland seit Anfang 2025 für gesetzlich Versicherte verfügbar und soll die Gesundheitsversorgung verbessern, indem Befunde, Diagnosen, Medikationspläne und Arztbriefe digital und sektorenübergreifend abrufbar werden. Studien zeigen, dass der Zugang zu elektronischen Gesundheitsakten mit einer stärkeren Einbindung der Patienten in ihre Versorgung einhergehen kann, etwa mit höherer Adhärenz, besserer Selbstmanagement-Fähigkeit und intensiverer Beteiligung an Entscheidungen über Diagnose und Therapie.

Verständlichkeit als Hebel für Versorgungserfolg

Der entscheidende Faktor ist jedoch nicht nur der Zugang zur Akte, sondern die Verständlichkeit der dort enthaltenen Informationen. Eine Auswertung großer Bevölkerungsdaten zeigt, dass viele Patienten Schwierigkeiten haben, medizinische Informationen im Online-Zugang – etwa im Patientenportal oder der ePA – zu verstehen. Wichtige Einflussgrößen waren dabei nicht nur das Alter und die Art des Zugriffs (App vs. Browser), sondern vor allem die Fähigkeit, medizinische Statistik und Fachbegriffe zu interpretieren sowie die Qualität der Arzt-Patient-Kommunikation.

Zwar können Patienten durch den digitalen Zugriff besser über ihre Gesundheitswerte informiert werden, doch gesundheitsbezogene und digitale Kompetenzen („Health Literacy“) bestimmen, ob die Akteninhalte für sie wirklich nutzbar sind. Jugendliche oder jüngere Erwachsene finden Informationen tendenziell leichter zugänglich, während ältere Personen oder solche mit geringer Gesundheitskompetenz häufiger Probleme beim Verständnis haben.

Was bedeutet das für die Versorgung?

Für die Versorgungspraxis lässt sich daraus Folgendes ableiten: Die bloße Bereitstellung medizinischer Daten in einer ePA ändert noch nicht automatisch das Versorgungsverhalten oder -verständnis. Texte, Befunddarstellungen und Laborwerte müssen so aufbereitet werden, dass sie ohne medizinisches Vorwissen sinnvoll interpretiert werden können. Und: Ärzte und medizinisches Personal bleiben zentrale Ansprechpartner, wenn es darum geht, die Bedeutung von Befunden einzuordnen und Konsequenzen für Therapie und Selbstmanagement zu erklären.

Die elektronische Patientenakte kann ein wichtiger Schritt in der Digitalisierung des Gesundheitssystems sein – wenn sie nicht nur technisch funktioniert, sondern auch für Patienten verständlich ist. Verständlichkeit wird damit zu einem Versorgungsfaktor: Nur wer seine Daten wirklich versteht, kann aktiv an Entscheidungen teilnehmen, Therapiepläne einhalten und Risiken selbst einschätzen. Deshalb braucht es begleitende Maßnahmen zur Stärkung der digitalen Gesundheitskompetenz, klare Darstellungsstandards für medizinische Informationen und eine patientenzentrierte Kommunikation entlang des gesamten Versorgungsprozesses.

Quellen:

  • Andreadis K, Buderer N, Langford AT
    Patients’ Understanding of Health Information in Online Medical Records and Patient Portals: Analysis of the 2022 Health Information National Trends Survey
    J Med Internet Res 2025;27:e62696
    doi: 2196/62696PMID: 40446288PMCID: 12166317
  • Alomar D, Almashmoum M, Eleftheriou I, Whelan P, Ainsworth J
    The Impact of Patient Access to Electronic Health Records on Health Care Engagement: Systematic Review
    J Med Internet Res 2024;26:e56473
    doi: 2196/56473PMID: 39566058PMCID: 11618012

Autor

Dr. med. univ. Patrick Heckmann ist Arzt und Gründer von befundHilfe.com. Die Plattform unterstützt Patientinnen und Patienten dabei, medizinische Befunde und Arztbriefe schneller einzuordnen und deren Inhalte besser nachzuvollziehen.