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Forschungsförderung für bessere Versorgung bei invasiven Pilzinfektionen
Der Gemeinsame Bundesausschuss stellt der Universität zu Köln und dem Universitätsklinikum Köln Fördermittel in Höhe von einer Million Euro über dreißig Monate zur Verfügung. Besonders profitieren werden immungeschwächte Patient*innen, die durch invasive Pilzerkrankungen gefährdet sind.
Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) fördert im Rahmen des Programms „Versorgungsforschung einstufig“ ein neues deutschlandweites Forschungsprojekt zur Verbesserung der Versorgung von Patient*innen mit invasiven Pilzinfektionen. Das Projekt „Versorgung invasiver Mykosen in Deutschland – Analyse der Ist-Situation und des Bedarfs zur Implementierung eines neuen Versorgungskonzeptes“ (MYK-IMPAKT) wird unter der Leitung von Dr. Jannik Stemler, Klinik I für Innere Medizin des Universitätsklinikums Köln, sowie Professor Dr. Oliver A. Cornely, Direktor des Instituts für Translationale Forschung am Exzellenzcluster CECAD der Universität zu Köln, durchgeführt. Ebenfalls beteiligt ist Ingo Meyer, Leiter der PMV Forschungsgruppe am Universitätsklinikum Köln.
Für das auf dreißig Monate angelegte Vorhaben stellt der G-BA Fördermittel in Höhe von über eine Million Euro bereit. Das Ziel des Projekts besteht in der Entwicklung eines neuen Versorgungskonzepts für Menschen mit invasiven Mykosen – seltenen, aber häufig lebensbedrohlichen Pilzinfektionen.
„Herzlichen Glückwunsch an Herrn Oliver Cornely und Seine Kolleginnen und Kollegen zum Erhalt der Förderung. Das Forschungsprojekt MYK-IMPAKT evaluiert die Versorgung invasiver Pilzinfektionen. Ein häufig unterschätztes medizinisches Problem. Die Kölner Expertise auf dem Gebiet der Pilzerkrankungen kann hier dazu beitragen, Menschen mit Pilzinfektionen künftig besser zu versorgen“, sagt Joybrato Mukherjee, Rektor der Universität zu Köln
Invasive Pilzinfektionen betreffen insbesondere schwer immungeschwächte Patient*innen, etwa nach Organtransplantationen, bei Krebserkrankungen oder intensivmedizinischer Behandlung. Die Erkrankungen gelten als medizinisch besonders herausfordernd, da Diagnostik und Therapie häufig komplex sind und schnelle fachübergreifende Entscheidungen erfordern.
„Wir sehen in der klinischen Praxis täglich, wie schwierig die Versorgung von Patientinnen und Patienten mit invasiven Pilzinfektionen sein kann“, erklärt Dr. Stemler. „Mit MYK-IMPAKT wollen wir erstmals systematisch untersuchen, wie diese Patientinnen und Patienten in Deutschland tatsächlich versorgt werden, wo Versorgungslücken bestehen und wie ein neues, strukturiertes Versorgungskonzept die Behandlung verbessern kann.“
Das Projekt verfolgt zwei zentrale Ziele: Zum einen wird die Versorgungssituation invasiver Mykosen in Deutschland umfassend analysiert. Dazu werden unter anderem Krankheitsprävalenz, Morbidität, Mortalität, Behandlungsverläufe sowie die Nutzung ambulanter und stationärer Leistungen untersucht. Zum anderen wird gemeinsam mit Ärzt*innen, Patient*innen sowie weiteren Akteur*innen des Gesundheitswesens ein neues Versorgungskonzept entwickelt werden.
Die Forschenden greifen dabei auf umfangreiche Routinedaten gesetzlicher Krankenkassen zurück, darunter Daten der BARMER, der DAK-Gesundheit sowie des Forschungsdatenzentrums Gesundheit mit insgesamt potenziell mehr als 74 Millionen Versicherten. Analysiert werden jährlich rund 8.000 Patient*innen mit invasiven Mykosen in Deutschland. „Diese Daten erlauben es uns, ein sehr umfassendes Bild der aktuellen Versorgung von invasiven Mykosen zu gewinnen. Und wir können verstehen, wie es in Zukunft besser laufen sollte“, so Ingo Meyer, dessen Forschungsgruppe diese Auswertungen durchführt.
„Unser Ziel ist eine bessere Versorgung im Sinne des sogenannten Quadruple Aim – also bessere Behandlungsergebnisse, eine höhere Versorgungsqualität, effizientere Ressourcennutzung und gleichzeitig eine Entlastung der Behandelnden“, sagt Professor Cornely. „Die Förderung durch den G-BA unterstreicht die hohe Relevanz invasiver Pilzinfektionen für das Gesundheitssystem.“
Die Entwicklung des neuen Versorgungskonzeptes baut auf den langjährigen Erfahrungen des von der European Confederation of Medical Mycology (ECMM) ausgezeichneten Europäischen Exzellenzzentrums für Invasive Pilzinfektionen am des Universitätsklinikum Köln auf. Das dort etablierte ECMM-Expertenkonsil hat sich in den vergangenen Jahren als zentrale Anlaufstelle für die evidenz- und erfahrungsbasierte Beratung behandelnder Ärzt*innen etabliert.
Zwischen August 2021 und Juli 2025 gingen am Kölner ECMM-Exzellenzzentrum 543 nationale und internationale Beratungsanfragen ein, überwiegend zu schweren Infektionen durch Aspergillus-, Candida- oder Mucorales-Arten. Aufgrund der steigenden Nachfrage wurde 2024 zusätzlich ein interdisziplinäre Fallkonferenz, das sogenannte Mykose-Board, eingerichtet, in dem komplexe Fälle gemeinsam mit Expert*innen aus Infektiologie, Radiologie, Mikrobiologie, Chirurgie und Pathologie diskutiert werden.
Die Erkenntnisse aus diesen klinischen Beratungsstrukturen werden nun erstmals systematisch in die Entwicklung einer neuen Versorgungsform für Deutschland einfließen.
Das Projekt wird mit Mitteln des Innovationsausschusses beim Gemeinsamen Bundesausschuss unter dem Förderkennzeichen 01VSF26040 gefördert.
Originalpublikation:
Weitere Informationen:
https://innere1.uk-koeln.de/klinik/europaeisches-exzellenzzentrum-fuer-invasive-pilzinfektionen/