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Krebs verhindern statt nur behandeln: Wie Prävention und Künstliche Intelligenz die Verdauungsmedizin verändern
Viszeralmedizin 2026 diskutiert neue Wege in Prävention, Diagnostik und Therapie
Hamburg – Krebs möglichst verhindern, Leber- und Stoffwechselerkrankungen früher erkennen und Therapien gezielter auf Patienten abstimmen: Auf der Viszeralmedizin 2026 diskutieren Expertinnen und Experten ab dem 16. September 2026 in Hamburg, wie Vorbeugung, Präzisionsmedizin und Künstliche Intelligenz die Versorgung verändern. Unter dem Motto „Prävention, Translation und Perspektiven“ veranschaulicht der größte Fachkongress für Gastroenterologie, Viszeralchirurgie und Endoskopie, wie neue Erkenntnisse schneller in Diagnostik und Therapie gelangen.
Wie gute Prävention funktioniert, zeigt die Gastroenterologie seit Jahren am Beispiel der Darmkrebsvorsorge. Der Ansatz, Krankheiten mit immer genauerer Diagnostik immer früher zu detektieren und einer geeigneten Therapie zuzuführen, setzt sich nun zunehmend in weiteren Bereichen der Krebsmedizin durch. „Die Onkologie verschiebt sich durch neue Techniken und durch interdisziplinäre Zusammenarbeit immer mehr weg von der Tumorbehandlung in fortgeschrittenen Stadien hin dazu, ihre Entstehung möglichst zu verhindern oder bereits in einem so frühen Stadium zu erkennen, dass wir tatsächlich noch eine Heilung erreichen können statt nur die Auswirkungen therapeutisch einzudämmen“, sagt Professorin Dr. med. Elke Roeb, Leiterin der Gastroenterologie am Universitätsklinikum Gießen und Kongresspräsidentin der Viszeralmedizin 2026.
In der Gastroenterologie rücken dabei neben dem Erfolgsbeispiel der Darmkrebsvorsorge immer mehr auch Leber- und Stoffwechselerkrankungen, Adipositas und die damit assoziierten Krebserkrankungen in den Fokus. Bei der metabolisch bedingten Fettlebererkrankung fordert die Leberexpertin Roeb einen grundlegenden Perspektivwechsel: „Die Fettleber betrifft nicht nur Menschen, die sich schlecht ernähren und wenig Sport treiben. Und genau hier müssen wir noch intensiver erforschen, wie wir die Entstehung einer Fettleber verhindern können.“
Die richtige Therapie für den richtigen Patienten
Ein weiterer Schwerpunkt des Kongresses ist die Frage, wie Patient*innen schneller von aktuellen Forschungsergebnissen profitieren können. Neue biologische Merkmale, sogenannte Biomarker, sowie Erbgut- und weitere molekulare Analysen sollen helfen, besser vorherzusagen, welche Patient*innen von einer bestimmten Behandlung profitieren.
„Diese sogenannte Präzisionsmedizin analysiert die Krankheitsprozesse bis ins kleinste Detail und hilft uns, genau an der richtigen Stelle mit einer passenden Therapie gezielt einzugreifen“, sagt Roeb. Die Präzisionsmedizin werde über die Krebsmedizin hinaus in den nächsten Jahrzehnten immer größere Bedeutung erlangen, so die Expertin. Auch bei chronisch-entzündlichen Erkrankungen werde immer wichtiger, welches Medikament zu welchem Zeitpunkt und in welcher Reihenfolge eingesetzt werden sollte.
Künstliche Intelligenz als „zweites Paar Augen“
Ähnlich großen Einfluss auf die gastroenterologische Versorgung hat derzeit die Künstliche Intelligenz. „In der Erkennung auffälliger Gewebeveränderungen und von Polypen oder Befund-Auswertung kann KI Ärztinnen und Ärzte heute schon sehr verlässlich unterstützen“, sagt PD Dr. med. Axel Eickhoff, Leiter der Gastroenterologie am Klinikum Hanau. Ersetzen werde die KI Ärztinnen und Ärzte aber nicht. „Sie kann uns vielmehr als ‚zweites Paar Augen‘ dienen“, so der Vorsitzende der Sektion Endoskopie der DGVS.
Eickhoff erwartet vor allem eine breitere Verbesserung der Untersuchungsqualität. „Mithilfe von KI können wir gewissermaßen eine ‚Demokratisierung der Qualität‘ erreichen, wenn digitale Assistenzsysteme dazu beitragen, die Behandlungsqualität, die wir heute vor allem in spezialisierten Zentren bieten können, etwas weiter in die Breite der Versorgung bringen“, ist der Endoskopieexperte überzeugt.
Größter Fachkongress im deutschsprachigen Raum erstmals mit Frau an der Spitze
Die Viszeralmedizin zeigt damit eine Verdauungsmedizin, die Erkrankungen verhindern, früher erkennen, genauer verstehen und individueller behandeln will. Neben Präzisionsmedizin und Künstlicher Intelligenz bilden neue endoskopische Verfahren und Robotik weitere Schwerpunkte. Zugleich rückt das Zusammenspiel verschiedener Organe stärker in den Blick. Eine weitere Besonderheit: Erstmals steht der Viszeralmedizin mit Professorin Dr. med. Elke Roeb eine Frau als DGVS-Kongresspräsidentin vor. Sie gestaltet gemeinsam mit PD Dr. med. Axel Eickhoff und dem Viszeralchirurgen Professor Dr. med. Tobias Keck das Programm der Viszeralmedizin 2026.
Die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) wurde 1913 als wissenschaftliche Fachgesellschaft zur Erforschung der Verdauungsorgane gegründet. Heute vereint sie über 7000 in Klinik und Forschung tätige Ärztinnen und Ärzte unter einem Dach. Die DGVS fördert sehr erfolgreich wissenschaftliche Projekte und Studien, veranstaltet Kongresse und Fortbildungen und unterstützt aktiv den wissenschaftlichen Nachwuchs. Ein besonderes Anliegen ist der DGVS die Entwicklung von Standards und Behandlungsleitlinien für die Diagnostik und Therapie von Erkrankungen der Verdauungsorgane – zum Wohle der Patientinnen und Patienten.