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Bei Verengung der linken Koronararterie: Bypass-OP oder Gefäßerweiterung?

Original Titel:
Percutaneous Coronary Intervention vs Coronary Artery Bypass Grafting in Patients With Left Main Coronary Artery Stenosis: A Systematic Review and Meta-analysis.

Bei Patienten, die an der koronaren Herzkrankheit (KHK) leiden, kommt es zu Verengungen der Arterien. Besonders kritisch ist es, wenn die linke Koronararterie betroffen ist. Hier wird als Standardtherapie eine Blutgefäßbrücke über die verengte Koronararterie (Koronararterien-Bypass) gebildet, so dass das Blut die Verengung umfließen kann. Einige Studien konnten jedoch zeigen, dass die Erweiterung der verengten linken Koronararterie mit Hilfe eines Ballonkatheters (PCI kurz für percutaneous coronary intervention) eine alternative Behandlungsmethode sein könnte, wenn sie mit speziellen medikamentenfreisetzenden Gefäßstützen (Stents) kombiniert wird. Hierbei wird dem Patienten durch eine Arterie ein Katheter mit einem nicht entfalteten Ballon eingeführt. Dieser wird dann an der verengten Stelle platziert und gedehnt. Dadurch kommt es zu einer Erweiterung des Gefäßes, was durch die Gefäßstütze langfristig stabilisiert werden soll. Bei beiden Therapieformen wird somit ein ungehinderter Blutfluss wiederhergestellt. Die Erweiterung des Blutgefäßes durch den Ballonkatheter hat dabei jedoch den Vorteil, dass keine Operation mit Narkose notwendig ist.

Um einen besseren Gesamteindruck zu bekommen, ob die PCI bei Patienten mit einer Verengung der linken Koronararterie die gleiche Langzeitwirkung wie die Bypass-Operation erzielt, wertete ein Forscherteam des Deutschen Herzzentrums in München mehrere Studien neu aus. Hierzu wurden Studien herangezogen, in denen Patienten mit Verengungen in der linken Koronararterie entweder mit PCI oder mit einer Bypass-Operation behandelt und für mindestens drei Jahre beobachtet wurden. Die Studien umfassten Daten von insgesamt 4394 Patienten, von denen die eine Hälfte durch den Ballonkatheter und die andere mit einem Bypass therapiert wurde. 76,7 % aller Patienten waren Männer mit einem durchschnittlichen Alter von 65,5 Jahren.

Die Analyse der Daten ergab, dass bei PCI und Bypass-Operationen auf lange Sicht ein etwa gleich großes Risiko für die allgemeine Sterblichkeit, Herzinfarkt oder Schlaganfall bestand. Innerhalb von fünf Jahren kam es bei 18,3 % der Patienten, die mit PCI behandelt wurden, und bei 16,9 % der Patienten, die einen Bypass bekommen hatten, zu den genannten Folgeerkrankungen. Bei der PCI waren jedoch häufiger erneute Maßnahmen nötig, um die Durchblutung wiederherzustellen (PCI: 313 Fälle vs. Bypass: 184 Fälle). Bei Patienten, bei denen mehrere Arterien, nicht jedoch die linke Koronararterie verengt waren, erzielte die Bypass-Operation in Bezug auf die allgemeine Sterblichkeit und das Herzinfarkt-Risiko bessere Ergebnisse als die PCI.

Insgesamt zeigte somit die Bypass-Operation gegenüber der PCI einen Vorteil bei der Behandlung von Patienten mit Verengungen der linken Koronararterie. Hier waren nämlich seltener erneute Maßnahmen zur Wiederherstellung der Durchblutung nötig. Patienten, die ohne erhöhtes Risiko operiert werden können, profitieren damit vermutlich von der Bypass-Operation. Da die PCI aber ebenso wirksam bei der Prävention von Folgeerkrankungen war, sollte der Wunsch des Patienten bei der Therapiewahl berücksichtigt werden.

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