Das GesundheitsPortal für innovative Arzneimittel, neue Therapien und neue Heilungschancen

Morbus Crohn

Antibiotika scheinen die Entstehung von Morbus Crohn und Colitis ulcerosa zu fördern

Original Titel:
Antibiotic use and new-onset inflammatory bowel disease in Olmsted County, Minnesota: a population-based case-control study.

Antibiotika stehen im Verdacht, das Risiko für chronische Darmentzündungen zu erhöhen. Zu diesem Ergebnis kam auch die folgende Studie. Sie fanden heraus, dass Patienten mit Morbus Crohn oder mit Colitis ulcerosa häufiger vor der Diagnose Antibiotika einnahmen als es die gesunden Vergleichspersonen im entsprechenden Zeitraum taten. Wie stark sich die Antibiotika-Einnahme auf das Risiko für chronische Darmentzündungen auswirkte, schien vom Alter zum Zeitpunkt der Therapie und von der Dauer der Therapie abhängig zu sein.


Es steht außer Frage, dass Antibiotika die Medizin enorm bereichert und unzähligen Menschen das Leben gerettet haben und auch heute noch retten. Dennoch sollten Antibiotika nur sparsam und sorgsam verschrieben werden. Das liegt zum einen daran, dass sich sie durch die vermehrte Einnahme von Antibiotika resistente Bakterien entwickeln können, gegen die das Antibiotikum letztendlich nicht mehr wirkt. Ein anderer Grund, Antibiotika nur zu verwenden, wenn es unbedingt nötig ist, ist, dass Antibiotika auch die natürliche Darmflora des Patienten angreifen, was zu Darmbeschwerden führen kann. Es gibt Hinweise darauf, dass die Antibiotika-Einnahme sogar mit der Entstehung von chronischen Darmentzündungen zusammenhängen könnte. In einer Übersichtsarbeit wurden verschieden Studien zusammengefasst, die sich mit diesem möglichen Zusammenhang befassten. Das Ergebnis war, dass die Antibiotika-Einnahme vermutlich die Entstehung von Morbus Crohn fördert, nicht aber die von Colitis ulcerosa (Studien von Theochari und Kollegen, 2017 in der medizinischen Fachzeitschrift Scandinavian journal of gastroenterology veröffentlicht). Trotz dieser Studien lässt die derzeitige Datenlage noch keine endgültigen Schlüsse zu, was bedeutet, dass an diesem Thema noch weiter geforscht werden muss.

Wissenschaftler verglichen den Antibiotika-Gebrauch von gesunden Personen mit dem von Patienten mit einer chronischen Darmerkrankung vor der Diagnose

Wissenschaftler aus Thailand und den USA taten genau das. Sie schlossen sich zusammen, um herauszufinden, ob es eine Verbindung zwischen einer Antibiotika-Einnahme und der Entwicklung einer chronischen Darmentzündung gibt. Hierzu wurden Daten von Amerikanern aus dem Olmsted County in Minnesota ausgewertet. 736 Einwohner erhielten zwischen 1980 und 2010 die Diagnose Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa. Es wurden weitere 1472 Einwohner ausgewählt, die im Alter und der Geschlechterverteilung mit den Patienten übereinstimmten, um diese mit den Patienten vergleichen zu können. Von allen Studienteilnehmern wurden Daten zur Antibiotika-Einnahme gesammelt.

Forscher fanden einen Zusammenhang zwischen der Antibiotika-Einnahme und der Entwicklung einer chronischen Darmentzündung

Von den Patienten mit Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa hatten 61,8 % (455 Patienten) in dem Zeitraum zwischen 3 Monaten und 5 Jahren vor der Diagnose der Erkrankung Antibiotika eingenommen. Nur 33,6 % der gesunden Studienteilnehmer (495 Personen) bekamen in diesem Zeitraum ebenfalls Antibiotika. Statistische Analysen dieser Daten ergaben, dass es einen Zusammenhang zwischen der Antibiotika-Einnahme und der Entwicklung einer chronischen Darmentzündung gab. Das Risiko, an einer chronischen Darmentzündung zu erkranken, war den Berechnungen zufolge etwa 3-mal so hoch, wenn die Person zuvor Antibiotika verwendet hat, als, wenn sie darauf verzichten konnte. Dies galt sowohl für das Morbus Crohn-Risiko als auch für das Risiko, an Colitis ulcerosa zu erkranken.

Sowohl das Alter bei der Antibiotika-Einnahme als auch die Dauer der Therapie spielten eine Rolle dabei, wie stark sich das Risiko für eine chronische Darmentzündung erhöhte

Wie stark sich das Risiko für die Erkrankungen erhöhte, hing davon ab, wie alt die Person zum Zeitpunkt der Antibiotika-Einnahme war. War die Person noch minderjährig, als ihr Antibiotika verschrieben wurden, lag das Risiko für eine chronische Darmentzündung um mehr als 4-fach höher. War die Person bei Antibiotika-Einnahme zwischen 18 und 60 Jahre alt, war das Risiko etwa 3-mal so hoch, und war die Person über 60 Jahre alt, war das Risiko 2,7-fach erhöht. Doch nicht nur das Alter zum Zeitpunkt der Antibiotika-Einnahme hatte einen Einfluss darauf, wie stark sich das Risiko für chronische Darmentzündungen erhöhte, sondern auch die Gesamtdauer der Antibiotika-Einnahme. Wurden die Antibiotika insgesamt mindestens 30 Tage lang eingenommen, war das Risiko für Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa 6-mal so hoch wie ohne Antibiotika-Gebrauch.

Statistische Analysen zeigten somit einen Zusammenhang zwischen der Antibiotika-Einnahme und dem Risiko, an einer chronischen Darmentzündung zu erkranken. Dies steht im Einklang mit der erwähnten Übersichtsarbeit von Theochari und Kollegen. Anders als dort zeigte diese Studie jedoch, dass neben dem Risiko für die Entstehung von Morbus Crohn auch das Risiko für die Entstehung von Colitis ulcerosa durch die Einnahmen von Antibiotika erhöht ist. Weitere Studien sind nötig, um die widersprüchlichen Ergebnisse zu klären. Es konnte jedoch gezeigt werden, dass das erhöhte Risiko auch mit fortschreitendem Alter bestehen blieb.

© Alle Rechte: DeutschesGesundheitsPortal.de

Ein Serviceangebot und weitere Themen zu Morbus Crohn: