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Vorbeugendes Aspirin kann das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken, aber das Blutungsrisiko erhöhen

Original Titel:
Association of Aspirin Use for Primary Prevention of CVD With Cardiovascular Events and Bleeding.

DGP – Im Vergleich der gesamten Forschung ermittelten Wissenschaftler, ob Aspirin vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützt. Dabei wurde Aspirin mit entweder Placebo oder keiner Behandlung verglichen. Sie fanden, dass Aspirin bei Menschen ohne eine solche Vorerkrankung tatsächlich für ein niedrigeres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sorgte. Allerdings war damit auch das Risiko für Blutungen erhöht.


Vorbeugendes Aspirin ist ein Klassiker, wenn es um die Herzgesundheit geht. Dabei steht aber immer auch im Raum, dass die Blutgerinnung gehemmt wird und so leichter Blutungen auftreten können. Ob diese Faktoren aber wirklich einer großen Untersuchung standhalten, ermittelten Forscher nun in einer vergleichenden Übersichtsanalyse, einer sogenannten Meta-Analyse.

Vergleich großer, kontrollierter Studien: hilft Aspirin dem Herzschutz, aber steigt damit das Blutungsrisiko?

Dazu erfassten sie die Forschung aus mehreren medizinwissenschaftlichen Datenbanken (PubMed, Embase und dem Cochrane Library Central Register of Controlled Trials) mit Veröffentlichungsdaten bis November 2018. Der Fokus lag besonders auf gut durchdachten und kontrollierten Untersuchungen: es wurden randomisierte, klinische Studien untersucht, in denen also Aspirin mit einem Placebo oder keiner Behandlung verglichen wurde und die Teilnehmer zufällig das eine oder andere zugewiesen bekamen. Die Studien sollten mindestens 1000 Teilnehmer ohne bekannte Herz-Kreislauf-Erkrankung haben. Die Teilnehmer wurden in den Untersuchungen für mindestens ein Jahr zu Nachuntersuchungen eingeladen. Ermittelt wurde besonders, ob Menschen, je nachdem ob sie Aspirin genommen hatten oder nicht, häufiger oder seltener an Herz-Kreislauf-Erkrankungen starben, einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall erlitten. Mit Blick auf mögliche Blutungen wurden je nach Studie alle Arten größerer Blutungen analysiert.

Vergleich von über hunderttausend herzgesunden Menschen mit Prävention mit Aspirin oder ohne

Insgesamt konnten 13 Studien mit zusammen 164 225 Teilnehmern analysiert werden, im durchschnittlichen Alter von 62 Jahren (zwischen 53–74 Jahren). 77 501 (47 %) davon, also etwa die Hälfte, waren Männer.  30 361 (19 %) der Teilnehmer litten an Diabetes. Da die Untersuchungen jeweils unterschiedlich lange ihre Teilnehmer nachuntersuchten, wurden die Beobachtungsjahre mit der Teilnehmerzahl zusammengefasst in den Wert der Teilnehmerjahre: also wie viele Jahre Teilnehmer insgesamt beobachtet wurden. Dabei wurden 1 050 511 Teilnehmerjahre ermittelt und analysiert.

Im Mittel lag das Risiko für Herz-Kreislauf-Events, also Ereignisse wie Infarkt oder ähnliche, zu Beginn und vor Behandlungsbeginn bei 9,2 %. Dieses Risiko wurde messbar durch die Prävention mit Aspirin gesenkt: nämlich um den Wert der absoluten Risikoreduktion von 0,38 %. Dies mag auf den ersten Blick gering erscheinen, entsprach aber immerhin 57,1 pro 10 000 Teilnehmerjahren mit Aspirin, die ein schweres Herz-Kreislauf-Problem erlitten, im Vergleich zu 61,4 pro 10 000 Teilnehmerjahren ohne Aspirin.

Aspirin erhöhte aber auch messbar das Risiko für größere Blutungen: nämlich absolut betrachtet (absolute Risikosteigerung) um 0,47 %. Solche Blutungen betrafen bereits zu Beginn generell weniger Menschen. Mit dem Aspirin waren demnach 23,1 pro 10 000 Teilnehmerjahre im Vergleich zu 16,4 pro 10 000 Teilnehmerjahre ohne Aspirin von diesem Problem betroffen.

Fazit: Nutzen wird immer auch mit Kosten erkauft, auch bei Aspirin

Die Verwendung von Aspirin durch Menschen ohne vorherige Herz-Kreislauf-Erkrankung führte zu einem niedrigeren Risiko für Schlaganfälle, Herzinfarkt und Tod durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Allerdings erhöhte sich das Risiko für größere Blutungen, was beispielsweise bei Operationen problematisch sein könnte. Entsprechend sollte bei der Prävention mit Aspirin auch diese Kosten-Nutzen-Rechnung im Kopf behalten werden, um besser informiert entscheiden zu können.

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