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Okzipitalnervstimulation bei therapieresistenten Kopfschmerzen: Pro und Kontra

Original Titel:
Efficacy of Occipital Nerve Stimulation to Treat Refractory Occipital Headaches: A Single-Institution Study of 60 Patients

Kurz & fundiert

  • Okzipitalnervenstimulation bei therapieresistentem okzipitalem Kopfschmerz
  • Retrospektiver Review einer Fallserie mit 60 Patienten
  • ONS nach Sondierung mit transkutaner elektrischer Nervenstimulation
  • Wirksam, aber mögliche Komplikationen sind zu berücksichtigen

 

DGP – Forscher der Universitätsklinik Nantes (Frankreich) ermittelten die Wirksamkeit der Stimulation des Okzipitalnerven (kurz ONS) bei therapierefraktären okzipitalen Kopfschmerzen in einer Fallserie mit Langzeit-Nachbeobachtung. Die Ergebnisse bestätigen, dass ONS eine wirksame Behandlungsoption darstellt. Die Häufigkeit von Komplikationen ist allerdings recht hoch und muss bei der Entscheidung für dieses operative Verfahren mit berücksichtigt werden.


Die Stimulation des Okzipitalnerven (kurz ONS) wurde bereits bei verschiedenen Kopfschmerzformen als wirksam gezeigt. Typischerweise wird dabei eine okzipitale Neuralgie (ON) beschrieben und behandelt. Bei manchen Patienten könnte die klinische Beschreibung allerdings auch einem zervikogenen Kopfschmerz (CGH) oder einer okzipitalen Migräne (OM) entsprechen.

Okzipitalnervenstimulation bei therapieresistentem okzipitalem Kopfschmerz

Diese drei Kopfschmerzarten betrachteten die Studienautoren der Universitätsklinik Nantes (Frankreich) nun als “okzipitale Kopfschmerzen” gemeinsam und ermittelten die Wirksamkeit von ONS in einer Fallserie mit Langzeit-Nachbeobachtung.

Retrospektiver Review einer Fallserie mit 60 Patienten

In diesem retrospektiven Review der Behandlungsdaten von 60 Patienten waren therapierefraktäre okzipitale Kopfschmerzen mit ONS therapiert worden. Die Patienten wurden zwischen Oktober 2008 und Oktober 2014 in die Klinik aufgenommen. Details zu Schmerzart, -lokalisierung und -dauer, eventuelle Auslöser und vorherige Behandlungen wurden analysiert. In der Untersuchung wurden die visuelle Analogskala (VAS) zur Einschätzung der Schmerzstärke eingesetzt, die Zahl monatlicher Kopfschmerztage bestimmt sowie die Medikationsmenge (medication quantification scale, MQS). Um einzuschätzen, ob die operative ONS-Behandlung indiziert war, wurden zuerst Studien mit transkutaner elektrischer Nervenstimulation (TENS-ONS) durchgeführt.

ONS nach Sondierung mit transkutaner elektrischer Nervenstimulation

Nach einem Jahr mit ONS-Behandlung nahm die Schmerzstärke (durchschnittlicher VAS-Wert) von anfangs 8,4/10 auf 2,8/10 ab (Reduktion um 72,2 %, p < 0,001). 76 % der Patienten hatten mindestens eine Abnahme der mittleren VAS-Werte um 50 %. Der mittlere MQS-Wert nahm von 18 auf 8,8 Dosen ab, entsprechend einer Reduktion der Schmerzmedikation im Mittel um 50 %. Unerwünschte Ereignisse traten bei 12 Patienten (20 %) auf. Bei 6 Patienten wurde eine Verschiebung der Elektrode oder ihre Fraktur (10 %) festgestellt, bei 6 Patienten traten Infektionen (10 %) in Assoziation mit dem Pulsgenerator auf.

Wirksam, aber mögliche Komplikationen sind zu berücksichtigen

Die Fallserie bestätigt damit, dass ONS eine wirksame Behandlungsoption für Patienten mit therapieresistenten okzipitalen Kopfschmerzen ist. Die Häufigkeit von Komplikationen ist allerdings recht hoch und muss bei der Entscheidung für dieses operative Verfahren mit berücksichtigt werden.

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