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Corona-Impfung

Corona-Impfung: Meta-Analyse zu AstraZeneca-Vakzin zeigt Vorteil längerer Impfabstände

Original Titel:
Single-dose administration and the influence of the timing of the booster dose on immunogenicity and efficacy of ChAdOx1 nCoV-19 (AZD1222) vaccine: a pooled analysis of four randomised trials

Kurz & fundiert

  • Zusammenfassende Analyse über 4 klinische Studien mit AstraZeneca-Vakzin
  • Analyse der Wirksamkeit anhand symptomatischer COVID-19-Fälle nach 1. und 2. Impfdosis
  • Stabile Impfwirksamkeit über mindestens 3 Monate
  • Bessere Immunantwort mit längerem Abstand zwischen 1. und 2. Dosis
  • Sicherheitsdaten zeigen keine Auffälligkeiten
  • Wirksamer Impfstoff mit eventuellem Vorteil durch längeren Impfabstand

 

DGP – Der Impfstoff gegen Infektionen mit dem neuen Coronavirus ChAdOx1 nCoV-19 (AZD1222) von AstraZeneca/Oxford University ist mit zwei Dosen, die im Abstand von 4 – 12 Wochen gegeben werden, zur Impfung in der EU zugelassen. Im medizin-wissenschaftlichen Journal The Lancet wurde nun eine Meta-Analyse über vier klinische, randomisiert kontrollierte Studien präsentiert.


Der Impfstoff gegen Infektionen mit dem neuen Coronavirus ChAdOx1 nCoV-19 (AZD1222) von AstraZeneca/Oxford University ist zur Impfung mit zwei Dosen, die im Abstand von 4 – 12 Wochen gegeben werden, in der EU zugelassen. Im medizin-wissenschaftlichen Journal The Lancet wurde nun eine Meta-Analyse über vier klinische, randomisiert kontrollierte Studien präsentiert.

Zusammenfassende Analyse über 4 klinische Studien mit AstraZeneca-Vakzin

In der zusammenfassenden Analyse wurden die Wirksamkeit und Sicherheit allgemein, sowie auch die Wirksamkeit nach der ersten Dosis der Impfung über folgende Studien untersucht:

  • Phase 1/2 Studie in Großbritannien (COV001, NCT04324606)
  • Phase 2/3 Studie in Großbritannien (COV002, NCT04400838)
  • Phase 3 Studie in Brasilien (COV003, ISRCTN89951424)
  • Phase 1/2 Studie in Südafrika (COV005, NCT04444674)

Erwachsene ab 18 Jahren wurden als Teilnehmer gewonnen und zufällig zwei Impfungen mit ChAdOx1 nCoV-19 (5 × 10^10 Viruspartikel) oder einem Kontrollvakzin bzw. Placebo zugewiesen. Ein Teil der Teilnehmer (Großbritannien) erhielt eine niedrigere erste Dosis mit 2,2 × 10^10 Viruspartikeln) des Vakzins. Vorrangig wurde das Auftreten virologisch bestätigter, symptomatischer COVID-19-Erkrankungen nach mehr als 14 Tagen nach der 2. Impfung untersucht. Diese wurden anhand eines positiven Abstrichs in Kombination mit mindestens einem klassischen Symptom (Fieber ab 37,8 °C, Husten, Atemlosigkeit, Geruchsverlust oder Geschmacksverlust) identifiziert. Sekundär wurde die Wirksamkeit mit Blick auf solche COVID-19-Fälle betrachtet, die mindestens 22 Tage nach der 1. Impfung auftraten. Exploratorisch wurde auch die Antikörper-Bildung per Immunoassay und Pseudovirus-Neutralisation untersucht. In der primären Analyse wurden alle Teilnehmer betrachtet, die zu Beginn negativ auf SARS-CoV-2 getestet wurden, bei denen kein Hinweis auf eine vorherige SARS-CoV-2-Infektion (Abstrich-Test) vorlag und die mindestens für 14 Tage nach der zweiten Dosis nachbeobachtet werden konnten. Die Sicherheit des Vakzins wurde über alle Teilnehmer analysiert, die mindestens eine Dosis des Impfstoffs erhalten hatten.

Analyse der Wirksamkeit anhand symptomatischer COVID-19-Fälle nach 1. und 2. Impfdosis

Zwischen 23. April und 6. Dezember 2020 wurden 24 422 Teilnehmer in die vier Studien aufgenommen. Von diesen wurden 17 178 für die primäre Analyse berücksichtigt: 8 597 Menschen mit dem Impfstoff ChAdOx1 nCoV-19 und 8 581 Menschen mit dem Placebo. Daten bis 7. Dezember 2020 wurden in die Analyse einbezogen.

332 virologisch bestätigte SARS-CoV-2-Infektionen traten symptomatisch und nach über 14 Tagen nach der zweiten Impfdosis auf. 84 (1,0 %) der Fälle traten in der ChAdOx1-nCoV-19-Gruppe (8 597 Teilnehmer) auf, 248 (2,9 %) der Fälle wurden in der Kontrollgruppe mit 8 581 Teilnehmern dokumentiert. Insgesamt wurde die Vakzinwirksamkeit in dieser Studienübersicht ab 14 Tage nach der 2. Impfdosis auf 66,7 % (95 % Konfidenzintervall, CI: 57,4 – 74,0) geschätzt. In der ChAdOx1 nCoV-19-Gruppe wurde, unter Berücksichtigung einer initialen 21-tägigen Ausschlussphase, keine Menschen aufgrund von COVID-19 im Krankenhaus behandelt. In der Kontrollgruppe benötigten dagegen 15 Menschen eine Krankenhausbehandlung.

Exploratorische Analysen zeigten, dass das Vakzin nach einer einzelnen Dosis zwischen Tag 22 bis Tag 90 nach der Impfung eine Wirksamkeit von 76,0 % (95 % CI: 59,3 – 85,9) aufwies, also 76 % der symptomatischen Erkrankungen verhinderte, die ungeimpft auftreten würden. Modelierungen deuteten auf eine unverminderte Wirksamkeit über den Zeitraum dieser anfänglichen Phase von 3 Monaten hin. Dies entsprach auch den Antikörperkonzentrationen, die sich weitgehend über 90 Tage auf ähnlichem Niveau hielten (geometrisches Mittelwertsverhältnis, GMR: 0,66; 95 % CI: 0,59 – 0,74).

Stabile Impfwirksamkeit über mindestens 3 Monate

Bei Teilnehmern, die zwei Standarddosen erhalten hatten, wurde der Effekt des Abstands zwischen erster und zweiter Dosis untersucht. Nach der zweiten Dosis war die Wirksamkeit demnach höher bei den Personen, die mit einem größeren Zeitabstand (Impfabstand mind. 12 Wochen) geimpft worden waren (Vakzinwirksamkeit: 81,3 %; 95 % CI: 60,3 – 91,2) als bei denen mit kurzem Zeitabstand (bis zu 6 Wochen, Impfwirksamkeit: 55,1 %; 95 % CI: 33,0 – 69,9). Die Autoren berichten, dass die Immunogenizitätsdaten dieses Ergebnis stützen. Bindende Antikörperantworten waren demnach mehr als doppelt so hoch bei einem Impfabstand von 12 oder mehr Wochen im Vergleich zu kurzen Impfabständen von bis zu 6 Wochen (GMR: 2,32; 95 % CI: 2,01 – 2,68). Dies wurde bei Teilnehmern im Alter von bis zu 55 Jahren gesehen.

Bessere Immunantwort mit längerem Abstand zwischen 1. und 2. Dosis

Die Sicherheit des Impfstoffes wurde über alle Teilnehmer analysiert, die mindestens eine Dosis des Vakzins erhalten hatten. Bei insgesamt 12 282 Teilnehmern, die den Impfstoff erhalten hatten, traten 108 (0,9 %) ernste adverse Ereignisse ein. In der Kontrollgruppe mit 11 962 Menschen, die das Placebo erhalten hatten, gab es 127 (1,1 %) ernste adverse Ereignisse. Am häufigsten waren dies Infektionen bzw. Parasitenbefall bei 23 Menschen (0,2 %) in der ChAdOx1 nCoV-19-Gruppe und bei 41 Menschen (0,3 %) in der Kontrollgruppe. Insgesamt war das Muster der adversen Ereignisse vergleichbar zwischen Vakzin und Placebo. Adverse Ereignisse der Schwere Grad 3, die nicht unbedingt mit dem Wirkstoff in Zusammenhang stehen müssen, traten bei 211 Menschen (1,7 %) von 12 282 mit dem Impfstoff und bei 164 Menschen (1,4 %) von 11 962 mit dem Placebo auf. Grad 4 adverse Ereignisse wurden bei 48 Menschen (0,4 %) mit dem Vakzin und bei 34 Menschen (0,3 %) mit dem Placebo dokumentiert. Von sieben in den Studien berichteten Todesfällen traten 2 in der Vakzin-Gruppe und 5 in der Placebo-Gruppe (ein Fall aufgrund von COVID-19) auf. Die Todesfälle standen nach Experteneinschätzung nicht mit der Impfung in Zusammenhang. Eine Neutropenie trat bei zwei Menschen in der Kontrollgruppe auf.

Sicherheitsdaten zeigen keine Auffälligkeiten

Konkret zu den sehr seltenen möglichen Nebenwirkungen der AstraZeneca-Impfung, die besonders in Europa zu intensiveren Prüfungen durch die europäische Arzneimittelbehörde EMA führten, konnte in dieser Analyse kein Anhaltspunkt gefunden werden. Allerdings ist dies bei der normalen Größe klinischer Studien auch kaum zu erwarten: Effekte, die bei wenigen von 1 Million Menschen auftreten, sind kaum in Studien mit 25 000 oder auch mehr Teilnehmern zu ermitteln. Es werden jedoch weitere Analysen zu allen Impfstoffen erwartet, die die Daten weiterhin fortlaufender Studien reflektieren.

Wirksamer Impfstoff mit eventuellem Vorteil durch längeren Impfabstand

Die Autoren schließen, dass die Analyse die Wirksamkeit und Sicherheit des Vakzins bestätigt. Die Daten zeigen darüberhinaus, dass ein längerer Impfabstand zur zweiten Dosis eventuell nicht nur machbar, sondern sogar vorteilhaft für die Immunantwort sein könnte. Auf dieser Basis wird ein Impfintervall von 3 Monaten empfohlen.

[DOI: 10.1016/S0140-6736(21)00432-3]

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