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Corona

Kontrollierte Studie: Kein Vorteil von Ivermectin bei mildem COVID-19

Original Titel:
Effect of Ivermectin on Time to Resolution of Symptoms Among Adults With Mild COVID-19: A Randomized Clinical Trial

Kurz & fundiert

  • Kann Ivermectin die Symptomdauer bei mildem COVID-19 verkürzen?
  • Randomisierte klinische Studie in Kolumbien mit 400 Patienten
  • Dauer der COVID-19-Symptome nicht signifikant unterschiedlich mit Ivermectin oder Placebo

 

DGP – Ivermectin, ein Medikament gegen Parasiten, wird besonders in Südamerika aktuell häufig zur Behandlung von COVID-19 verschrieben, obwohl sein klinischer Effekt noch äußerst unklar ist. Eine klinische Studie in Kolumbien untersuchte dies nun bei der Behandlung von mildem COVID-19. 400 Patienten bekamen Ivermectin oder Placebo zufällig zugewiesen. Die 5-tägige Behandlung mit Ivermectin verkürzte die Symptomdauer der COVID-19-Erkrankung im Vergleich zum Placebo nicht signifikant. Die Studie kann somit die Behandlung von mildem COVID-19 mit Ivermectin nicht unterstützen. 


Ivermectin, ein Medikament gegen Parasiten, wird besonders in Südamerika aktuell häufig zur Behandlung von COVID-19 verschrieben, obwohl sein klinischer Effekt noch äußerst unklar ist. Dahinter stehen Hinweise aus Zell- und Tierstudien, die nahelegten, dass der Wirkstoff womöglich gegen das neue Coronavirus wirksam sein könnte. Eine klinische Studie untersuchte nun, ob ein solcher Effekt bei der Behandlung von milden COVID-19-Erkrankungen bei Menschen nachweisbar ist.

Kann Ivermectin die Symptomdauer bei mildem COVID-19 verkürzen?

Die doppelblind randomisiert durchgeführte Studie fand an einem Klinikum in Kolumbien statt. Mögliche Teilnehmer wurden aus der nationalen Gesundheitsdatenbank per Zufall aus Patienten mit symptomatischem, Labor-bestätigtem COVID-19 ermittelt. Patienten mit milder Erkrankung und Symptomen für bis zu 7 Tage, sowohl ambulant als auch stationär behandelt, wurden zwischen 15. Juli und 30. November 2020 in die Studie aufgenommen und bis 21. Dezember 2020 nachverfolgt. Die Patienten erhielten entweder Ivermectin (300 μg/kg Körpergewicht) oder ein Placebo über jeweils 5 Tage. Vorrangig wurde ermittelt, wie lange es innerhalb der Nachbeobachtung über 21 Tage zur Auflösung der Symptome kam. Zudem wurden auch unerwünschte Ereignisse dokumentiert.

Randomisierte klinische Studie in Kolumbien mit 400 Patienten

400 Patienten im durchschnittlichen Alter von 37 Jahren bekamen Ivermectin oder das Placebo (jeweils n = 200) zufällig zugewiesen. 58 % (231) der Patienten waren Frauen. 398 Teilnehmer (99,5 %) nahmen vollständig an der Studie teil und konnten über den geplanten Zeitraum nachbeobachtet werden.

Im Mittel (Median) dauerte es bis zur Auflösung der Symptome 10 Tage (IQR: 9 – 13) in der Ivermectin-Gruppe und 12 Tage (IQR: 9 – 13) in der Placebo-Gruppe. Die Risikorate (hazard ratio, HR) für die Auflösung der Symptome betrug 1,07 [95 % Konfidenzintervall, KI: 0,87 – 1,32; p = 0,53). Der Unterschied zwischen Ivermectin und Placebo war somit nicht signifikant. Bis Tag 21 hatten sich 82 % in der Ivermectin-Gruppe und 79 % in der Placebo-Gruppe erholt.

Die häufigsten unerwünschten Ereignisse waren Kopfschmerzen, die mit Ivermectin bei 104 Patienten (52 %), mit dem Placebo bei 111 Patienten (56 %) auftraten. Ein Multi-Organversagen, das häufigste ernste unerwünschte Ereignis, betraf 4 Patienten, jeweils 2 in jeder Behandlungsgruppe.

Dauer der COVID-19-Symptome nicht signifikant unterschiedlich mit Ivermectin oder Placebo

Bei Erwachsenen mit mildem COVID-19 brachte demnach eine 5-tägige Behandlung mit Ivermectin keinen Vorteil gegenüber einem Placebo. Die Zeit bis zur Auflösung der Symptome war nicht signifikant besser mit dem Medikament gegen Parasiten. Die Studie kann somit nicht die Behandlung von mildem COVID-19 mit Ivermectin unterstützen. Weitere Studien müssten dies auch für andere Patientengruppen klären.

[DOI: 10.1001/jama.2021.3071]

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