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Mut zum Fragenstellen: Auch zufriedene PsA-Patienten erhoffen sich insgeheim bessere Therapie

Bei der Psoriasis-Arthritis (PsA) ist der Austausch zwischen Patienten und Ärzten essenziell. Welche Probleme gibt es, wo sind die Lebensqualität und der normale Alltag besonders beeinträchtigt? Diese Punkte sollten angesprochen werden, um die individuell beste Therapie zu wählen. Eine Online-Befragung von Patienten in Australien zeigte nun, dass Menschen mit PsA häufig sehr zufrieden mit ihrer Therapie und der Kommunikation mit den behandelnden Ärzten sind. Trotzdem litten viele Patienten gleichzeitig unter Symptomen, wünschten sich Veränderungen in ihrer medikamentösen PsA-Behandlung und mehr Austausch mit den Ärzten zu den Zielen der Therapie. Patienten könnten demnach zwar häufig beim Arzttermin zufrieden wirken, aber doch mehr Gesprächs- und Therapiebedarf haben.

Bei der Psoriasis-Arthritis (PsA) können zusätzlich zu den typischen Hautschuppen und Wunden auch die Gelenke schmerzen und geschwollen sowie die Wirbelsäule betroffen sein. Langfristig ist zum Erhalt der Gelenke eine wirksame Behandlung notwendig – aber auch kurzfristig ist die Symptomkombination aus Schmerz und Einschränkungen wegen steifer, empfindlicher Gelenke und Schmerzen an der Wirbelsäule eine Belastung, die vieles im Alltag erschweren kann. Um zu ermitteln, welche Belastungen konkret aufgrund der Psoriasis-Arthritis vorliegen und so die individuell beste Therapie zu gestalten, ist deswegen der Austausch zwischen Patienten und behandelnden Ärzten wesentlich.

Internationale Forscher führten nun eine Online-Befragung von Patienten in Australien durch. Dabei baten sie Patienten um eine Einschätzung ihrer Behandlung der PsA. Sie fragten auch, ob sie mit der Kommunikation mit den behandelnden Ärzten zufrieden waren.

Online-Patienten-Befragung: Wie gut ist Ihre Psoriasis-Arthritis-Therapie?

Die Umfrage (The Harris Poll) fand zwischen November 2017 und März 2018 statt. Teilnehmen konnten erwachsene Patienten, die seit mindestens einem Jahr wegen PsA in Behandlung bei einem Rheumatologen oder Dermatologen waren und sogenannte krankheitsmodifizierende Antirheumatika erhielten. Sie beantworteten Fragen zu ihrem Alter und ihrer Gesundheit, seit wann sie mit der PsA-Diagnose lebten und wie schwer die PsA ausgeprägt war. Außerdem wollten die Forscher wissen, wie zufrieden die Patienten mit ihrer aktuellen medikamentösen Behandlung waren und welche Erfahrungen sie in der Kommunikation mit den behandelnden Ärzten gemacht hatten.

Was erwarten Patienten von einer medikamentösen Therapie?

Umfrageergebnisse von insgesamt 152 Patienten konnten analysiert werden. Im Durchschnitt waren die Patienten 45,7 Jahre und lebten im Mittel seit 8,5 Jahren mit der Diagnose Psoriasis-Arthritis. Fast drei Viertel (69 %) der Patienten erhielten antirheumatische Medikamente. Etwas mehr (75 %) waren auch sehr oder einigermaßen zufrieden mit ihrer PsA-Medikation und versicherten, dass sie immer oder häufig die Medikamente genau so anwendeten, wie die behandelnden Ärzte ihnen dies aufgetragen hatten. Allerdings berichtete die Mehrzahl der Patienten (90 %) trotzdem von weiter bestehenden Symptomen. Über die Hälfte der Teilnehmer (61 %) gaben an, unter einer PsA mit moderatem Schweregrad zu leiden. Die allgemeine Gesundheit beschrieb die Hälfte der Patienten (55 %) entsprechend auch als eher schlecht oder mittelmäßig. Viele wünschten sich daher eine Veränderung ihrer PsA-Medikamente. Besonders häufig erhofften sich die Patienten von einem Medikationswechsel:

  • Weniger Medikamente nehmen zu müssen (43 % der Patienten)
  • Verbesserte Wirksamkeit beispielsweise gegen steife oder schmerzende Gelenke (42 %)
  • Eine bessere Verträglichkeit der Therapie (37 %)

Paradox: Zufrieden mit der Behandlung trotz anhaltender Probleme

Den Austausch mit den Ärzten empfanden die meisten Patienten als zufriedenstellend (Rheumatologen: 85 %; Dermatologen: 94 %). Die Ärzte erklärten demnach die Behandlungsoptionen und die Erkrankung selbst sehr gut und stellten auch sicher, dass die Patienten die nächsten Schritte in der PsA-Therapie nachvollziehen konnten. Die Umfrage-Teilnehmer empfanden auch als positiv, dass gemeinsam entschieden wurde, wie die Behandlung fortgeführt werden sollte. Darüber hinaus wünschten sich die Patienten allerdings mehr Austausch über die Behandlungsziele. Sie machten sich jedoch Sorgen, ob es sich negativ auf die Behandlung auswirken könnte, zu viele Fragen zu stellen. Die Umfrage-Teilnehmer gaben daher offenbar auch häufig beim Arzt an, alles sei in Ordnung, selbst wenn manche Symptome eine spürbare Belastung waren.

Konkret erhofften sich die Patienten von ihrer Therapie besonders:

  • Mehr körperlich aktiv sein zu können (51 % der Patienten)
  • Leichter alltägliche Dinge durchführen zu können (50 %)
  • Dass weitere Gelenkschäden verhindert oder verlangsamt würden (50%)
  • Weniger geschwollene und schmerzende Gelenke (50%)

Die australischen Patientenstimmen stimmten weitgehend mit einer früheren, weltweit durchgeführten Patienten-Befragung überein (1286 Patienten, Coates et al., 2020, Health Qual Life Outcomes).

Ziel in der Arzt-Praxis: Mehr Mut zum Fragenstellen

Obwohl demnach die meisten Patienten mit PsA in Australien mit der Therapie und der Kommunikation mit den behandelnden Ärzten zufrieden waren, litten doch paradoxerweise viele unter Symptomen der Psoriasis-Arthritis. Viele der Befragten wünschten sich Veränderungen der medikamentösen Therapie und hatten Fragen und eigene Gedanken zum Behandlungsziel. Die Ergebnisse der Umfrage zeigen somit, dass selbst zufriedene Patienten häufig mehr Klärungsbedarf haben, aber dies womöglich beim Arzt nicht ansprechen. Besonders die eigenen Ziele sind ein wichtiges Element bei der Therapie-Entscheidung. Gibt es beispielsweise anhaltende Schwierigkeiten im Alltag und Schmerzen, dann ist Mut zum Fragenstellen beim Arzt absolut angebracht.

Referenz:

Lim, Irwin, Pascal Richette, Ruben Queiro-Silva, Jade Moser, Joseph C. Cappelleri, Ho Yin Ng, and David Witcombe. “Patient Perceptions of Psoriatic Arthritis Management and Communication with Physicians in Australia: Results from a Patient Survey.” Rheumatology and Therapy, March 24, 2021. https://doi.org/10.1007/s40744-021-00297-w.