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Long-COVID

Erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf, Atemwege und Tod über 1 Jahr bei Post-COVID-Syndrom

Original Titel:
One-Year Adverse Outcomes Among US Adults With Post-COVID-19 Condition vs Those Without COVID-19 in a Large Commercial Insurance Database

Kurz & fundiert

  • Post-COVID-Syndrom: Wie ist die langfristige Prognose?
  • Fall-Kontroll-Studie
  • Kontrollgruppe ohne vorheriges COVID-19, aber vergleichbarer Gesundheitshistorie
  • Analyse über 12 Monate nach Coronavirus-Infektion
  • 13 435 Post-COVID-Syndrom-Patienten und 26 870 Kontrollen
  • Erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf, Atemwege und Tod über 1 Jahr bei Post-COVID-Syndrom

 

DGP – Von Post-COVID-Syndrom spricht man, wenn 5 bis 12 Wochen nach der Coronavirus-Infektion anhaltende oder neue COVID-19-Symptome anhaltend auftreten. Eine große Fall-Kontroll-Studie zeigte nun, dass bei diesen Patienten im Folgejahr mit vermehrten kardiovaskulären und respiratorischen Problemen sowie einem erhöhten Sterberisiko gerechnet werden muss, im Vergleich zu Personen mit ähnlicher medizinischer Vorgeschichte, aber ohne Coronavirus-Infektion.


Wenn Menschen nach einer Coronavirus-Infektion und der Erkrankung COVID-19 über eine lange Zeit anhaltende Symptome aufweisen, spricht man von Long COVID. Bei Zeiträumen von über 4 Wochen nach der akuten Infektionsphase wird das häufig sehr vielfältige Symptombild mittlerweile auch als Post-COVID-Syndrom bezeichnet. Bislang ist die langfristige Prognose von Personen mit Post-COVID-Syndrom nicht gut verstanden.

Post-COVID-Syndrom: Wie ist die langfristige Prognose?

Die vorliegende Studie ermittelte nun den weiteren gesundheitlichen Verlauf über 1 Jahr bei Personen mit Post-COVID-Syndrom im Vergleich zu einer Kontrollgruppe ohne vorheriges COVID-19. In dieser Fall-Kontroll-Studie wurden die Kontrollen entsprechend ihrer vorherigen Nutzung des Gesundheitssystems im Vergleich zur Nutzung der Patienten vor ihrer Coronavirus-Infektion ausgewählt. Gesundheits- und Sterblichkeitsdaten der untersuchten Menschen wurden zwischen 1. April 2020 und 31. Juli 2021 aus Krankenversicherungsdaten, Laborergebnissen und staatlichen Datenbanken ermittelt.

Als Post-COVID-Syndrom wurde erfasst, wenn Personen nach bestätigter Coronavirus-Infektion 3 oder mehr Diagnosen für COVID-19 oder COVID-19-Symptome über mehr als einen Arzttermin in den Wochen 5 bis 12 nach der ersten Diagnose einer Coronavirus-Infektion erhielten. Die Analyse des weiteren gesundheitlichen Verlaufs umfasste kardiovaskuläre und respiratorische Probleme sowie Sterblichkeit über 12 Monate.

Fall-Kontroll-Studie mit 13 435 Long-COVID-Patienten und 26 870 Kontrollen

Die Studienpopulation umfasste 13 435 Personen mit Post-COVID-Syndrom und 26 870 Personen ohne Hinweise auf COVID-19. Der Altersdurchschnitt lag bei 51 Jahren (+/- 15,1), 58,4 % der analysierten Personen waren Frauen. In der Nachbeobachtung traten in der Post-COVID-Syndrom-Kohorte eine ganze Reihe von gesundheitlichen Problemen auf:

  • Kardiale Arrhythmien: Relatives Risiko (RR): 2,35; 95 % Konfidenzintervall, KI: 2,26 – 2,45
  • Pulmonare Embolien: RR: 3,64; 95 % KI: 3,23 – 3,92
  • Ischämischer Schlaganfall: RR: 2,17; 95 % KI: 1,98 – 2,52
  • Koronare Arterienerkrankung: RR: 1,78; 95 % KI: 1,70 – 1,88
  • Herzversagen: RR: 1,97; 95 % KI: 1,84 – 2,10
  • COPD (chronic obstructive pulmonary disease): RR: 1,94; 95 % KI: 1,88 – 2,00
  • Asthma: RR: 1,95; 95 % KI: 1,86 – 2,03

Die Patienten mit Post-COVID-Syndrom wiesen zudem eine erhöhte Mortalität auf: 2,8 % der Personen mit Post-COVID-Syndrom, verglichen mit 1,2 % der Kontrollpersonen, verstarben innerhalb eines Jahres nach der Coronavirus-Infektion. Dies entspricht einer Exzess-Sterberate von 16,4 pro 1 000 Personen.

Erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf, Atemwege und Tod bei Post-COVID-Syndrom

Die Fall-Kontroll-Studie ermittelte somit über eine große Population von Personen mit Post-COVID-Syndrom, verglichen mit Personen mit ähnlicher vorhergehender Gesundheitshistorie, ein erhöhtes Risiko für eine Reihe von kardiovaskulären Erkrankungen und Atemwegserkrankungen im Jahr nach der Coronavirus-Infektion. Die Patienten mit Post-COVID-Syndrom wiesen darüber hinaus ein erhöhtes Sterberisiko auf und sollten stärker als Risikopatienten verstanden und mit regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen mit Fokus auf kardiovaskuläre und pulmonare Probleme besser überwacht werden.

[DOI: 10.1001/jamahealthforum.2023.0010]

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