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Schaufensterkrankheit und chronische Wunden: Holistische Verfahren zur Behandlung von Gefäßerkrankungen individuell prüfen

Heute: Online-Pressekonferenz zur 39. Jahrestagung der DGG, 12 bis 13 Uhr

Gefäß-Expert*innen berichten über aktuelle Evidenz zu verschiedenen Behandlungen

Osnabrück Die wachsenden Herausforderungen in der Gesundheitsversorgung verlangen nach einem ganzheitlichen Ansatz in der Behandlung von Gefäßerkrankungen. So raten Mediziner*innen etwa, zunächst schonende Verfahren wie das Gehtraining und best medical treatment zur Behandlung der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit vor invasiven Verfahren in Betracht zu ziehen. Es gilt jedoch, jedes neue Therapieverfahren sorgfältig zu prüfen: So fehlt bei vielen neuen Produkten zur Behandlung von nicht heilenden Wunden der Wirksamkeitsnachweis. Welche Empfehlungen bei holistischen Behandlungsansätzen verschiedener Gefäßerkrankungen gelten, diskutieren Expert*innen bei der Online-Pressekonferenz anlässlich der 39. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin e. V. (DGG) am 27. September. Weitere Themen sind die Versorgung von Gefäßpatient*innen im Rahmen der Krankenhausreform sowie die Auswirkungen des Klimawandels auf den Gesundheitszustand von Menschen mit Gefäßerkrankungen. Das Motto der Veranstaltung lautet „Holistic Vascular Care“.

Teilnahmelink:
https://attendee.gotowebinar.com/register/8117205497727323225

Die komplexe Natur vaskulärer Erkrankungen erfordert eine interdisziplinäre Herangehensweise, die zudem die verschiedenen Versorgungsstrukturen miteinander verknüpft. Professor Dr. med. Jörg Heckenkamp, Präsident der DGG und Kongresspräsident 2023, rechnet mit maßgeblichen Veränderungen in Medizin und Forschung durch neue wissenschaftliche Erkenntnisse, sich wandelnde sozio-ökonomische Rahmenbedingungen wie den Fachkräftemangel, aber auch durch die digitale Transformation. „Wir erleben, dass Robotik, Künstliche Intelligenz und virtuelle Realität im Gesundheitswesen immer mehr Einzug halten. Das Thema Patient*innensicherheit bleibt dabei aber im Fokus“, sagt Heckenkamp.

Chronischen Wunden liegt häufig Gefäßerkrankung zugrunde

Patient*innensicherheit und die Frage des jeweiligen Nutzens stehen auch bei Empfehlungen zu neuen Behandlungsformen von chronischen Wunden im Mittelpunkt. Jährlich befinden sich in Deutschland über eine Million Menschen mit dieser Erkrankung in Behandlung. Volkskrankheiten wie der Diabetes mellitus oder Adipositas begünstigen die Entstehung einer chronischen Wunde, besonders häufig sind daher ältere Menschen betroffen. „In mehr als zwei Dritteln der Fälle liegt einer chronischen Wunde jedoch eine Erkrankung des venösen, arteriellen oder lymphatischen Gefäßsystems zugrunde, das wird häufig unterschätzt. Den Gefäßmediziner*innen kommt hier also eine entscheidende Rolle in der Behandlung zu“, sagt Dr. med. Thomas Karl, Direktor des Zentrums für Gefäß- und Endovascularchirurgie der SLK Kliniken Heilbronn.

Häufig werde die ursächliche Erkrankung bei einer chronischen Wunde jedoch nicht erkannt, was das Leiden der Patient*innen verlängere. Wesentlich sei die Therapie der Grunderkrankungen, wie eine Revaskularisation bei der Schaufensterkrankheit (periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK)), eine Kompression bei dem Ulcus cruris venosum (UCV) oder eine Druckentlastung beim diabetischen Fußsyndrom. Die Wirksamkeit dieser Therapien beruht auf ausreichender wissenschaftlicher Evidenz, im Gegensatz zu Methoden der Lokaltherapie wie Fischhaut, Kaltplasma, Wachstumsfaktoren oder Hämoglobinspray. „Diese Methoden werden häufig eingesetzt, um die Wundheilung zu unterstützen“, so Dr. Karl. „Die Wirksamkeit hinsichtlich einer beschleunigten Wundheilung ist bei den meisten jedoch nicht bewiesen.“

Weiter und länger laufen mit Gehtraining

„Gute Evidenz gibt es hingegen bei schonenden, holistischen Therapieverfahren der Schaufensterkrankheit, wie dem Gehtraining“, erklärt Privatdozentin Dr. med. Barbara Rantner, Leitende Oberärztin der Abteilung für Gefäßchirurgie des LMU Klinikums. Mit weltweit etwa 200 Millionen Betroffenen handelt es sich dabei um eine der weitverbreitetsten Erkrankungen der Arterien. Sie verläuft in verschiedenen Stadien und wird meist im Stadium belastungsabhängiger Schmerzen in der Beinmuskulatur diagnostiziert, in der sie sich durch wiederkehrende krampfartige Schmerzen äußert. Die Therapie erfolgt medikamentös durch eine leitliniengerechte Einstellung des Bluthochdrucks und der erhöhten Blutfette (best medical treatment, BMT).

„Für den Erfolg der medikamentösen Behandlung entscheidend sind auch Änderungen in der Lebensstilführung“, betont die Oberärztin. „Für Betroffene empfiehlt sich eine Nikotinentwöhnung sowie ein angeleitetes Gehtraining.“ Dass das Training die Mobilität der Patient*innen verbessert, sei durch groß angelegte Studien belegt. Patient*innen könnten so länger und weiter laufen, ohne dass Schmerzen auftreten. Lässt sich die Mobilität der Erkrankten durch das Gehtraining nicht verbessern, stünden noch invasive Verfahren wie eine Katheter-gestützte Gefäßdehnung oder offen-chirurgische Methoden zur Verfügung.

Wann sich welche Therapie im Einzelnen empfiehlt, berichten die Expert*innen ausführlich in der heutigen Pressekonferenz anlässlich der 39. Jahrestagung der DGG.

Diese Pressemitteilung ist in Kürze auch online unter https://www.gefaesschirurgie.de/die-dgg/presse zu finden.

Mehr Informationen zur Jahrestagung siehe: https://www.gefaesschirurgie.de/

Online-Pressekonferenz anlässlich der
39. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie
und Gefäßmedizin e. V. (DGG)
Holistic Vascular Care“
Termin: Mittwoch, 27. September 2023, 12.00 Uhr bis 13.00 Uhr
Link zur Veranstaltung: (Bitte für eine Anmeldung anklicken)
https://attendee.gotowebinar.com/register/8117205497727323225

Programm

Holistische Ansätze in der Therapie von gefäßkranken Patienten und weitere Highlights der Jahrestagung
Professor Dr. med. Jörg Heckenkamp
Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin e.V. (DGG) und Kongresspräsident DGG 2023

Klimawandel: Welche Auswirkungen wird die zunehmende Hitze auf unsere Gefäße haben – und was können wir dagegen tun?
Privatdozent Dr. med. Rolf Weidenhagen
Chefarzt Klinik für Gefäßchirurgie, vaskuläre und endovaskuläre Chirurgie am Klinikum Neuperlach München Klinik; Leiter der Kommission Klima und Gefäßgesundheit der DGG e.V.

Wenn die Wunde nicht heilt: Was bringen Fischhaut, antibakterielle Schäume oder Vakuumtherapie?
Dr. med. Thomas Karl
Leiter der Kommission Hygiene, Wunde und Septische Gefäßchirurgie der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin e.V. (DGG)

Schonende Therapieverfahren bei der Schaufensterkrankheit: Können Gehtraining, best medical treatment und minimalinvasive Verfahren Amputationen verhindern?
Privatdozentin Dr. med. Barbara Rantner
Vertreterin der Ärztinnen und Ärzte in abhängiger dienstlicher Stellung im Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin e.V. (DGG) 

Krankenhausreform: Zentrenbildung und Ambulantisierung – ist eine flächendeckende und qualitativ hochwertige Versorgung möglich oder droht der Engpass?
Professor Dr. med. Markus Steinbauer
Past-Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin e.V. (DGG); Leiter der Zertifizierungskommission der DGG

Moderation:
Kerstin Ullrich, Pressestelle DGG