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DZNE wird Behandlung mit „Leqembi“ wissenschaftlich begleiten

Studie im Rahmen des Forschungsnetzwerks des DZNE

Bonn, Das neuartige Alzheimer-Medikament „Leqembi“ ist nach Angaben des Herstellers zum 1. September in Deutschland verfügbar. Das DZNE wird dessen Anwendung in der Praxis wissenschaftlich begleiten: Grundlage dafür ist das vom DZNE etablierte Forschungsnetzwerk, das die Kooperation mit bundesweit zehn Universitätskliniken beinhaltet. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen dazu beitragen, die Behandlung zu optimieren und Nebenwirkungen zu vermeiden.

„Leqembi“ ist zur Behandlung von Alzheimer im Anfangsstadium vorgesehen und wird per Infusion verabreicht. Der darin enthaltene Wirkstoff „Lecanemab“, ein sogenannter Amyloid-Antikörper, trägt dazu bei, dass bestimmte Eiweißstoffe (Beta-Amyloid-Proteine) abgebaut werden, die sich bei einer Alzheimer-Erkrankung im Gehirn ansammeln. Das Medikament kann die Erkrankung zwar nicht heilen oder ihren Verlauf stoppen, deren Fortschreiten aber verzögern. Für die Behandlung kommen nur solche Menschen in Frage, die leichte kognitive Störungen (auch bekannt unter dem englischen Kürzel „MCI“) bei nachgewiesener Amyloid-Pathologie aufweisen und Personen mit ersten Symptome einer Alzheimer-Demenz. Die Behandlung ist an weitere Ausschlusskriterien geknüpft und geschieht im Rahmen eines von der EU vorgeschriebenen „Controlled Access Program“. Diese Zugangsregelung soll die bestimmungsgemäße Verwendung des Medikamentes sicherstellen.

Vorreiterrolle des DZNE

„Mit diesem Arzneimittel tun sich in der Behandlung von Alzheimer neue Chancen auf. Die herkömmlichen Therapien lindern lediglich Symptome, ohne die Ursachen der Erkrankung einzudämmen. Nun jedoch besteht die Möglichkeit, gegen das komplexe Wurzelgeflecht dieser Erkrankung vorzugehen“, sagt Prof. Gabor Petzold, Direktor der Klinischen Forschung am DZNE. „In den USA hat man inzwischen rund zwei Jahre Erfahrung mit dem Medikament in der Praxis. Aber angesichts einer solch neuartigen Therapie sind wir noch nicht am Ende der Lernkurve. Deswegen wird das DZNE die Anwendung des Medikaments in Deutschland wissenschaftlich begleiten. Wir versprechen uns davon nähere Erkenntnisse über Nebenwirkungen, wie sich diese vermeiden lassen und wie man noch besser Patientinnen und Patienten identifizieren kann, bei denen die Chancen für eine erfolgreiche Behandlung besonders hoch sind.“ Der Hersteller des Medikaments wird nach Vorgabe der EU ebenfalls Daten über Behandlung und Wirkung erfassen. Dazu wurde ein entsprechendes Register geschaffen. „Zu Forschungszwecken bauen wir jedoch eine eigenständige Studie auf. Wir sind damit Vorreiter. Hierzulande hat das DZNE als einzige neurowissenschaftliche Forschungseinrichtung die Ressourcen, um solche standortübergreifenden Untersuchungen durchzuführen und somit möglichst viele Menschen einzuschließen, die das Medikament erhalten“, so Petzold. „Diese Studie ist so konzipiert, dass auch Informationen aus der Therapie mit anderen, ähnlichen Medikamenten einfließen können – sofern diese in der EU zugelassen werden.“

Verdächtige Anzeichen erkennen

Grundlage für diese Studie ist das klinische Netzwerk des DZNE, das eine bundesweite Zusammenarbeit mit Universitätskliniken beinhaltet. „Die Behandlung mit Leqembi wird hierzulande insbesondere an universitären Gedächtnisambulanzen stattfinden. Denn die Therapie ist aufwändig und die Unikliniken verfügen über die notwendige Expertise und Infrastruktur. Ähnlich wie es seit Jahren bei anderen Studien des DZNE bewährte Praxis ist, werden wir gemeinsam mit unseren Partnern an den Unikliniken nun auch bei der Behandlung mit Leqembi insbesondere Blutproben, Befunde zur Gedächtnisleistung und Daten über die Wirkung der Behandlung erfassen“, erläutert Petzold. Man hoffe, zum Beispiel im Blutbild Auffälligkeiten zu finden, die einer möglichen Nebenwirkung der Behandlung wie etwa Hirnschwellungen vorausgehen. „Es gibt bereits Maßnahmen der Risikominimierung. Künftig könnten sich Komplikationen vielleicht noch besser vorbeugen lassen, indem schon bei verdächtigen Vorzeichen Gegenmaßnahmen eingeleitet werden. Dazu möchten wir Erkenntnisse beisteuern – und damit zur Optimierung und Fortentwicklung der Therapie beitragen.“

Weitere Informationen

FAQ: Lecanemab (Leqembi)