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Magenkrebs gezielter behandeln: Wann Chemotherapie nicht wirkt
Walter-Krienitz-Doktoranden-Preis für Magdeburger Forschung zur passgenaueren Behandlung von Magenkrebs
Nicht jede Chemotherapie wirkt bei Betroffenen mit Magenkrebs gleich gut. Dr. med. Thilo Stolze zeigt in seiner Dissertation an der Medizinischen Fakultät der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, dass Patientinnen und Patienten mit einem Defekt im sogenannten Mismatch-Reparatur-System (MMR) ihres Tumors offenbar nicht von der üblichen Chemotherapie profitieren. Für Betroffene bedeutet dies konkret: unerwünschte Nebenwirkungen können vermieden werden und stattdessen können gezielt alternative Therapien wie Immuntherapien eingesetzt werden, die das eigene Abwehrsystem des Körpers aktivieren. Für diese Arbeit wurde Dr. Stolze nun mit dem Walter-Krienitz-Doktoranden-Preis ausgezeichnet. Der Preis wird jährlich von der Nachwuchskommission der Medizinischen Fakultät Magdeburg vergeben und ist mit 500 Euro dotiert.
Was ist der MMR-Defekt?
Das Mismatch-Reparatur-System ist ein Kontrollmechanismus in unseren Zellen, der Fehler im Erbgut erkennt und repariert – vergleichbar mit einer Rechtschreibprüfung für die DNA. Bei etwa 10 von 100 Patientinnen und Patienten mit Magenkrebs funktioniert dieses System im Tumor nicht richtig. Wenn die Chemotherapie auf ein intaktes Reparatursystem angewiesen ist, wirkt sie bei diesen Patientinnen und Patienten oft nicht so wie gewünscht.
Dr. Stolze untersuchte Tumorproben von knapp 250 Patientinnen und Patienten und verglich die molekulargenetischen Befunde mit den Therapien und Überlebensdaten. Die Analyse zeigte: Patientinnen und Patienten mit einem MMR-defekten Tumor profitierten nicht messbar von der Standard-Chemotherapie, sie waren jedoch den Nebenwirkungen der Behandlung ausgesetzt.
„Die Ergebnisse machen deutlich, dass eine individuelle Prüfung vor der Therapie entscheidend ist. So können wir Patientinnen und Patienten gezielter behandeln und unnötige Belastungen vermeiden“, sagt Dr. Stolze, der derzeit seine Facharztweiterbildung in der Klinik für Kinderchirurgie an der Charité – Universitätsmedizin Berlin absolviert.
Was bedeutet das für die Praxis?
Die Studie spricht dafür, den MMR-Status bereits vor Beginn der Behandlung zu bestimmen. Patientinnen und Patienten mit einem MMR-Defekt könnten so von alternativen Therapien, etwa Immuntherapien, profitieren. Diese Ansätze nutzen das Immunsystem, um die Krebszellen gezielt zu bekämpfen, und werden derzeit auch für andere Krebsarten erfolgreich erforscht.
Für seine Forschungsarbeit konnte Dr. Stolze auf ein deutschlandweites Patientenkollektiv des StaR-Projekts zurückgreifen, das über viele Jahre an der Universitätsklinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Infektiologie Magdeburg aufgebaut wurde.
Die Auszeichnung sieht er als Anerkennung der gemeinsamen Arbeit: „Mein Dank gilt meinem Betreuer Prof. Dr. Marino Venerito, Dr. Sabine Franke sowie den Mitarbeiterinnen des molekulargenetischen Labors am Institut für Pathologie in Magdeburg. Ebenso danke ich den Kooperationspartnern des StaR-Projekts und insbesondere allen Patientinnen und Patienten, die diese Forschung möglich gemacht haben.“
Zur Person
Dr. med. Thilo Stolze absolvierte sein Medizinstudium an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg. Während des Studiums und seines praktischen Jahres sammelte er Erfahrungen in der Radiologie, Kinderchirurgie und Inneren Medizin. Nach der Approbation 2020 arbeitete er als Arzt in Weiterbildung in der Klinik für Kinderchirurgie an der Universitätsmedizin Mainz, bevor er 2025 seine Weiterbildung an der Charité – Universitätsmedizin Berlin fortsetzte, wo personalisierte Tumormedizin einen Schwerpunkt in seinem klinischen Alltag einnimmt.
Über den Walter-Krienitz-Doktoranden-Preis
Der Walter-Krienitz-Verein zur Förderung der Medizin e. V. würdigt mit dem nach dem Halberstädter Arzt benannten Preis jedes Jahr herausragende Leistungen in der medizinischen Forschung. Walter Krienitz gilt als Wegbereiter der modernen Magenbakteriologie. Der Preis wird an junge Forschende verliehen, deren Arbeiten durch Innovationskraft und praktische Relevanz überzeugen.