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Erste DiGA für entzündlich-rheumatische Erkrankungen zugelassen

Die Axia-App bietet eine strukturierte Bewegungstherapie und schließt damit die Versorgungslücke bei axialer Spondyloarthritis (axSpA)

Würzburg. Für „Apps auf Rezept“ wurde bereits im Dezember 2019 mit dem Digitalen-Versorgungs-Gesetz (DVG) ein rechtlicher Rahmen geschaffen. Seitdem können vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte geprüfte Apps und webbasierte Therapieprogramme ärztlich verordnet und von allen gesetzlichen Krankenkassen erstattet werden. Mit der Zulassung der in Würzburg entwickelten App „Axia“ steht nun erstmals eine Digitale Gesundheitsanwendung (DiGA) für eine entzündlich-rheumatische Erkrankung in der Regelversorgung in Deutschland zur Verfügung. Die App richtet sich speziell an Patientinnen und Patienten mit axialer Spondyloarthritis (axSpA), die früher auch als Morbus Bechterew bezeichnet wurde.

Mit studentischem Enthusiasmus, wissenschaftlicher Expertise und Einbindung von Patientinnen und Patienten zum Erfolg

Das Projekt entstand in enger Zusammenarbeit zwischen Würzburger Medizinstudierenden, der Rheumatologie des Uniklinikums Würzburg (UKW) und der Selbsthilfeorganisation für axSpA. „Es verbindet studentischen Enthusiasmus, wissenschaftliche Expertise und die enge Einbindung der Patientinnen und Patienten auf besondere Weise, was seinen Erfolg erklärt“, erläutert Privatdozent Dr. Patrick-Pascal Strunz. Der Rheumatologe leitete die deutschlandweit randomisiert-kontrollierte klinische Studie, die eine signifikante Wirksamkeit der digitalen Therapiehilfe als Ergänzung zur medikamentösen Behandlung zeigte. „Dass die Axia-App mit ihrer evidenzbasierten Bewegungstherapie nun analog zu einem Medikament durch Ärztinnen und Ärzte verordnungsfähig ist, ist ein bedeutender Meilenstein für die digitale Versorgung unserer Patientinnen und Patienten mit axSpA. Damit wird eine bisherige Versorgungslücke geschlossen.“

Axia motiviert zu regelmäßiger Bewegung – ein zentraler Baustein der Therapie

Bei der axSpA handelt es sich um eine rheumatische Erkrankung, die vor allem die Wirbelsäule und die Iliosakralgelenke betrifft und zu chronischen Rückenschmerzen führt. Neben entzündungshemmenden Medikamenten ist eine konsequente Bewegungs- und Physiotherapie eine der zentralen Säulen der leitliniengerechten Therapie. Im Versorgungsalltag kann diese jedoch häufig nicht ausreichend umgesetzt werden.

Verbesserte Beweglichkeit, weniger Schmerzen, mehr Lebensfreude

Axia unterstützt und motiviert die Patientinnen und Patienten effektiv dabei, ihre Behandlung aktiv mitzugestalten und regelmäßige Bewegung, die ein zentraler Baustein der Therapie ist, orts- und zeitunabhängig in den Alltag zu integrieren. Mithilfe der App konnten typische Krankheitssymptome wie Rückenschmerzen, Morgensteifigkeit und Erschöpfung gelindert, die Beweglichkeit verbessert und die Lebensqualität deutlich gesteigert werden

Den Studienteilnehmenden fielen alltägliche Aktivitäten wie Anziehen, Bücken oder längeres Gehen nach der Anwendung leichter. Viele von ihnen fühlten sich insgesamt aktiver, beweglicher und leistungsfähiger.

Patientenzentrierte Versorgungslösungen made in Würzburg

Die Zulassung ist nicht nur für die Patientinnen und Patienten ein Gewinn, sondern stellt auch einen großen Erfolg für die beteiligten Entwickler dar. Die Würzburger Medizinstudenten Maxime le Maire und Tobias Heusinger brachten gemeinsam mit dem Informatiker Robert Leppich im Rahmen ihres Start-ups Applimeda ihre Idee bis zur Marktreife. Dabei arbeiteten sie eng mit der Rheumatologie des UKW und der Deutschen Vereinigung Morbus Bechterew e. V. (DVMB) zusammen.

Gemeinsam entwickelten sie mehr als 250 physiotherapeutisch angeleitete Übungsvideos, darunter sogenannte Alltagsroutinen. Dabei werden gezielte Dehn- oder Mobilisationsübungen in alltägliche Aktivitäten wie Zähneputzen oder Kaffeekochen integriert. Ein spielerisches Belohnungssystem mit Punkten, virtuellen Meilensteinen und dem Maskottchen „Bechto” sorgt zusätzlich für Motivation. Neben den Übungen umfasst die App auch informative Inhalte. In interaktiven Lernmodulen wird medizinisches Wissen zur Erkrankung sowie Tipps zu den Themen Ernährung, Medikamenteneinnahme, Begleiterkrankungen und Alltagserleichterungen vermittelt. Das Angebot wird durch Funktionen wie einen Symptom- und Medikamententracker, die Möglichkeit, Schrittzählerdaten einzubinden, sowie Entspannungsübungen ergänzt.

Zur axialen Spondyloarthritis (axSpA)

Der Begriff „axiale Spondyloarthritis“ setzt sich aus den griechischen Wörtern „axial“ für Körperachse – hier vor allem Wirbelsäule und Kreuz-Darmbein-Gelenke –, „spondylo“ für Wirbel, „arthron“ für Gelenk und „itis“ für Entzündung zusammen. Es handelt sich also um eine entzündlich-rheumatische Erkrankung der Gelenke, die vor allem die Wirbelkörper entlang der Körperachse betrifft. Sie tritt meist im jungen Erwachsenenalter, häufig vor dem 45. Lebensjahr, auf. Typisch sind schleichend beginnende, entzündliche Rückenschmerzen, die vor allem im Ruhezustand auftreten. In Deutschland sind schätzungsweise 0,5 bis 1 Prozent der Bevölkerung betroffen. Eine frühzeitige Diagnose und Therapie mit entzündungshemmenden Medikamenten sowie konsequenter Bewegung sind entscheidend, um das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen und die Lebensqualität zu erhalten.