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Wechselwirkungen von Medikamenten bei MS
Original Titel:
Management of multiple sclerosis in older adults: review of current evidence and future perspectives
DGP – Mit zunehmendem Alter kommt auch bei der Multiplen Sklerose (MS) oft weiterer Therapiebedarf aufgrund klassischer Begleiterkrankungen auf. Daher nehmen gerade ältere Menschen mit MS oft mehr als nur Medikationen zur Modulation ihres Immunsystems oder Linderung von MS-Symptomen ein. Der Blick auf mögliche Wechselwirkungen wird aber auch aus anderen Gründen bei älteren MS-Patienten wichtiger.
Die Behandlung der Multiplen Sklerose (MS) erfordert häufig nicht nur Wirkstoffe zur Dämpfung des Immunsystems, das die eigenen Nervenzellen angreift. Es kommen auch Medikamente zur Linderung von Symptomen und typischen Folgeerkrankungen zum Einsatz. Mit zunehmendem Alter kommt zudem oft weiterer Therapiebedarf aufgrund klassischer Begleiterkrankungen auf. Daher nehmen gerade ältere Menschen mit MS oft mehrere Medikationen ein.
Zunehmendes Risiko für Wechselwirkungen bei älteren MS-Patienten
Medikamente können sich jedoch darauf auswirken, wie gut andere Wirkstoffe aufgenommen werden und wie stark sie wirken. In einer Querschnittsstudie mit einer Kohorte von 627 Patienten mit MS im durchschnittlichen Alter von 48,6 Jahren, die zwischen 2017 und 2020 in Behandlung in deutschen Kliniken waren, erhielten 82,8 % der Patienten eine krankheitsmodifizierende Medikation. Im Schnitt wandten die Patienten zudem 2,0 Medikamente zur Symptomlinderung sowie 2,5 Medikamente zur Behandlung von Begleiterkrankungen an. Bei 334 Patienten (53,3 %) konnte eine Polypharmazie, definiert als Einnahme von 5 oder mehr Medikamenten, dokumentiert werden. Dies war assoziiert mit höherem Alter, längerer Erkrankungsdauer und mehr Begleiterkrankungen. Schwere Wechselwirkungen wurden darüber hinaus besonders häufig in Zusammenhang mit Ibuprofen und Alkohol gesehen.1
Polypharmazie erhöht das Risiko für schwere Wechselwirkungen
Bei 65,1 % der Patienten wurde mindestens eine mögliche Wechselwirkung in der Medikationsliste festgestellt. Die meisten davon (57,1 %) wurden als mild eingestuft, immerhin 12,9 % galten jedoch als moderat-schwerwiegend oder schwerwiegend. Das Risiko für schwerwiegende Wechselwirkungen wurde häufiger bei Patienten mit höherem Alter, bei Alleinlebenden, einer größeren Zahl von Begleiterkrankungen und niedrigerem Bildungsstand gesehen. Das Risiko war sogar 15-fach erhöht, je mehr Medikamente eingenommen wurden (Odds Ratio, OR: 14,92; 95 % Konfidenzintervall, KI: 8,36 – 26,62).2
Mit zunehmendem Alter kommen neben Begleiterkrankungen auch die Alterung des Immunsystems (Immunseneszenz) und ein mit dem Alter veränderter Stoffwechsel als Faktoren hinzu, die mögliche Wechselwirkungen beeinflussen.3
Risikominimierung erfordert einen umfassenden Blick auf eingenommene Substanzen
Bei neu auftretenden Symptomen oder auch einer Änderung der Therapie sollten daher die bestehenden Begleiterkrankungen und aktuelle medikamentöse Behandlungen mit Blick auf das derzeitige Alter betrachtet werden, um mögliche Wechselwirkungen frühzeitig zu erkennen oder zu vermeiden. Dabei dürfen auch ergänzende Therapien wie Nahrungsergänzungen sowie freiverkäufliche Mittel, aber auch der Alkoholkonsum nicht vergessen werden, um Risiken zu minimieren.
Weitere Informationen zur MS finden Sie unter https://www.ms-gateway.de/
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Referenzen:
- Debus JL, Bachmann P, Frahm N, Mashhadiakbar P, Langhorst SE, Streckenbach B, Baldt J, Heidler F, Hecker M, Zettl UK. Associated factors of potential drug-drug interactions and drug-food interactions in patients with multiple sclerosis. Ther Adv Chronic Dis. 2022 Aug 4;13:20406223221108391. doi: 10.1177/20406223221108391. PMID: 35959503; PMCID: PMC9358348. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/35959503/
- Hecker M, Frahm N, Bachmann P, Debus JL, Haker MC, Mashhadiakbar P, Langhorst SE, Baldt J, Streckenbach B, Heidler F, Zettl UK. Screening for severe drug-drug interactions in patients with multiple sclerosis: A comparison of three drug interaction databases. Front Pharmacol. 2022 Aug 5;13:946351. doi: 10.3389/fphar.2022.946351. PMID: 36034780; PMCID: PMC9416235. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/36034780/
- DiMauro KA, Swetlik C, Cohen JA. Management of multiple sclerosis in older adults: review of current evidence and future perspectives. J Neurol. 2024 Jul;271(7):3794-3805. doi: 10.1007/s00415-024-12384-3. Epub 2024 Apr 30. PMID: 38689068; PMCID: PMC11233312 https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/38689068/
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