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Neues Katheterverfahren rettet Hochrisikopatientin
Bad Oeynhausener Herzspezialisten gelingt bahnbrechender Eingriff
Die Kardiologen Prof. Dr. Volker Rudolph und Dr. Kai Peter Friedrichs und ihr Team am Herz- und Diabeteszentrum NRW (HDZ NRW), Bad Oeynhausen, konnten einer schwer herzkranken, anderweitig nicht mehr therapierbaren Patientin mit einer besonders schonenden Herzkathetertherapie eine neuartige Behandlungslalternative anbieten. Das komplexe Mitralklappenersatzverfahren kam erstmals in Ostwestfalen-Lippe zum Einsatz und zählt aktuell zu den anspruchsvollsten Technologien der modernen Kardiologie.
Zehn Prozent aller Erwachsenen über 75 Jahre leiden unter einer erkrankten Mitralklappe, die als Ventil den Blutfluss vom linken Vorhof in die linke Herzkammer sicherstellt. Bei undichter Klappe (Mitralklappeninsuffizienz) fließt das Blut zurück in Vorhof und Lunge. Um den Körper mit ausreichend Blut zu versorgen, muss das Herz dann deutlich mehr leisten. Dauerhaft kann dies Herz, Kreislauf und andere Organe lebensbedrohlich schädigen.
Keine andere Therapie war möglich
„Viele Patienten kommen aufgrund ihres Alters oder schwerer Begleiterkrankungen nicht für eine herzchirurgische Mitralklappenoperation in Frage – das Risiko wäre viel zu hoch,“ erläutert Prof. Dr. Volker Rudolph, Direktor der Klinik für Allgemeine und Interventionelle Kardiologie und Angiologie am HDZ NRW. Vielen Patienten könne dann mit einem kathetergestützten Clipping-Verfahren geholfen werden, durch das die nicht komplett schließenden Segel der Mitralklappe quasi in der Mitte „zusammengeklippt“ werden, um den Blutrückfluss aus der linken Herzkammer in den linken Vorhof zu verhindern und somit den Blutauswurf nach vorne aus dem Herzen zu unterstützen.
„Allerdings mussten Patienten, die technisch für das Clipping nicht geeignet sind, bisher häufig ohne Therapie bleiben“, betont Rudolph. „Mit dem jetzt eingesetzten System (SAPIEN M3) stehe nun eine vollständige Kunstklappe für die Mitralposition zur Verfügung, die mittels Herzkatheter eingesetzt werden kann. Damit eröffnen sich neue Behandlungsmöglichkeiten, weil das Verfahren schonend ist und auch in Frage kommt, wenn ein Clipping nicht möglich ist.“ Ein solches Verfahren sei nur erfahrenen Spezialisten vorbehalten und erfordere neben einer intensiven Vorbereitung der Herzkatheterexperten auch eine individuelle Kostenübernahmeerklärung durch die Krankenkasse.
Hoffnungsträger für Hochrisikopatienten
Bei der Patientin, die unter Luftnot, eingeschränkter Belastbarkeit und einer fortgeschrittenen Herzschwäche litt, war keine andere Therapie mehr möglich. „Nach einem langen Leidensweg war dieser Eingriff ihre letzte Hoffnung auf eine bessere Lebensqualität“, berichtet Oberarzt Dr. Kai Peter Friedrichs. „Wir haben den komplexen Eingriff mit unserem interdisziplinären Herzteam zunächst im Simulationstraining penibel vorbereitet.“ Die insgesamt 3-stündige Intervention im Herzkatheterlabor des HDZ NRW verlief erfolgreich. Die Patientin hat sich nach dem Eingriff gut erholt.
Hightech-Einsatz am Herzen: Das Verfahren
Das innovative kathetergestützte Mitralklappenersatzsystem wird minimalinvasiv über die Leistenvene eingeführt und unter Röntgenkontrolle präzise platziert. Als zweiteiliges Docking System (Hersteller: Edwards), bestehend aus einem flexiblen Anker („Dock“) und einer biologischen Herzklappe, wurde es erst kürzlich für den europäischen Markt zugelassen und bisher nur an wenigen spezialisierten Zentren eingesetzt. Die Bad Oeynhausener Kardiologie am HDZ NRW ist die einzige Einrichtung in Ostwestfalen, die das Verfahren anwendet.
„Mit diesem Eingriff steht uns eine vielversprechende, risikoarme Therapie zur Verfügung, von der Menschen mit schwerer Mitralklappenerkrankung profitieren können“, betont Professor Rudolph. „Unser erklärtes Ziel ist es, als führendes Zentrum für innovative Herzklappentherapien jeder Patientin und jedem Patienten eine individuell und sorgfältig abgestimmte, sichere und schonende Behandlung zu ermöglichen.“