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Spastizität bei Multipler Sklerose: Wie wirksam ist medizinales Cannabis?
Original Titel:
Assessing the Role of Cannabis in Managing Spasticity in Multiple Sclerosis: A Systematic Review and Meta-Analysis
- Spastizität bei Multipler Sklerose: Wie wirksam ist medizinales Cannabis?
- Systematischer Review mit Metaanalyse über 9 Studien mit 2 544 MS-Patienten
- Relevante Verbesserungen besonders mit längerfristigen Behandlungen
DGP – Spastizität kann als belastendes, schmerzhaftes Symptom bei Multipler Sklerose (MS) auftreten. Besonders längerfristige Cannabis-basierte Therapien erreichten in einem systematischen Review mit Metaanalyse klinisch relevante Verbesserungen von MS-Spastizität. Allerdings zeigte sich eine hohe Heterogenität und mögliche Bias-Risiken in den analysierten Studien.
Multiple Sklerose (MS) ist eine komplexe Erkrankung, bei der das Immunsystem die Schutzhüllen (Myelinschicht) der eigenen Nervenzellen angreift. Die MS-Therapie fokussiert einerseits auf eine Modulierung oder Dämpfung des Immunsystems, andererseits aber auf die Linderung der vielfältigen, möglichen Symptome. Ein belastendes Symptom kann Spastizität sein, also schmerzhafte Muskelkrämpfe infolge der Nervenschädigungen. Zur Linderung von Spastizität und Schmerz kann unter anderem als alternatives oder ergänzendes Mittel medizinales Cannabis eingesetzt werden.
Spastizität bei Multipler Sklerose: Wie wirksam ist medizinales Cannabis?
Wissenschaftler untersuchten nun in einem systematischen Review mit Metaanalyse, wie wirksam Cannabis-basierte Therapien zur Linderung von Spastizität bei MS sind. Die Recherche ermittelte Studien, die zwischen 2003 und 2021 durchgeführt worden waren. Cannabis-basierte Therapien nutzten entweder Extrakte der ganzen Pflanze oder Öle, oral eingenommenes oder gerauchtes Cannabis, sowie Mittel jeweils mit oder ohne THC (Delta-9-Tetrahydrocannabinol) und/oder Cannabidiol. Die Studien untersuchten die Spastizität der Patienten mit Hilfe standardisierter Skalen, beispielsweise der Ashworth-Skala (AS), die den Muskeltonus je betroffenem Gelenk in 6 Punkten erfasst. Darüber hinaus kamen visuelle Analogskalen (VAS) oder numerische Bewertungsskalen (NRS) zum Einsatz.
Systematischer Review mit Metaanalyse über 9 Studien mit 2 544 MS-Patienten
Die Metaanalyse schloss 9 klinische Studien mit zusammen 2 544 MS-Patienten ein. Die Spastizitätswerte verbesserten sich signifikant nach der Behandlung (Mittelwertdifferenz, MD: 39,19; 95 % Konfidenzintervall, KI: 34,32 – 44,05). In Untergruppenanalysen wurden signifikante Verbesserungen anhand der Ashworth-Skala (MD: 20,36; 95 % KI: 20,35 – 20,37) sowie anhand von NRS (MD: 1,18; 95 % KI: 1,16 – 1,21). Allerdings bestand eine große Heterogenität von bis zu 100 % zwischen den Studien. In Kurzzeit-Studien wurden weniger ausgeprägte Veränderungen dokumentiert (MD: 4,53; 95 % KI: -0,06 – 9,12), in Langzeit-Studien konnten hingegen größere Verbesserungen festgestellt werden (MD: 75,81; 95 % KI: 66,39 – 85,22). Unerwünschte Ereignisse waren typischerweise mild und umfassten Symptome wie Schwindel oder Mundtrockenheit.
Relevante Verbesserungen besonders mit längerfristigen Behandlungen
Die Autoren schließen, dass Cannabis-basierte Therapien mit klinisch relevanten Verbesserungen von Spastizität im Rahmen einer MS assoziiert sind. Dies betraf besonders längerfristige Behandlungen. Allerdings zeigte sich eine hohe Heterogenität und mögliche Bias-Risiken in den analysierten Studien. Weitere qualitativ hochwertige randomisierte Studien sind demnach nötig, um die Wirksamkeit und Sicherheit von medizinalem Cannabis zur Behandlung von Spastizität bei MS zu bestätigen.
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