Das GesundheitsPortal für innovative Arzneimittel, neue Therapien und neue Heilungschancen

Bericht zu Pflege­bedürftig­keit und Ein­schrän­kungen in der funk­tio­nalen Gesund­heit

Fast 13 % der Frauen und rund 8 % der Männer leisten Pflege für An- und Zugehörige. Ein Drittel der Pflegenden gibt an, sich stark oder sehr stark belastet zu fühlen. Das sind neue Ergebnisse aus dem RKI-Panel 2024, die RKI-Forschende in einem Bericht zur Pflege­be­dürf­tig­keit veröffentlicht haben. Für den Bericht wurden aktuelle Erkenntnisse zur Pflege­be­dürf­tig­keit und zu Ein­schrän­kungen in der funktionalen Gesundheit zusammen­gestellt, der Bericht ist über www.rki.de/pflegebericht abrufbar.

Das Fazit der Forschenden: „Dem (weiteren) Anstieg der Zahl der Pflegebedürftigen sollte durch evidenzbasierte Maßnahmen der Prävention und Gesundheits­förderung begegnet werden. Dazu gehören auf Basis von Forschungs­ergebnissen formulierte Maßnahmen der Primär­prävention. In den höheren Alters­gruppen braucht es zudem Maßnahmen der Sekundär- und Tertiär­prävention, die zum längeren Erhalt der selbstständigen Lebens­führung beitragen, eine bessere Risiko­erkennung bei drohender Pflege­bedürftigkeit sowie eine deutlich stärkere Entlastung pflegender An- und Zugehöriger.“

Pflege wird überwiegend von An- und Zugehörigen erbracht. Der demografische Wandel wird, geschätzt auf Basis der der­zeitigen Bevölkerungs­zusammen­setzung, zu einem substanziellen Anstieg (geschätzt 30 %) der Pflegebedürftigen führen, während gleichzeitig die Ressourcen in der professionellen Pflege unter Druck geraten.

Im Jahr 2023 erhielten 6,8 % der Menschen in Deutschland Leistungen aus der Pflege­versicherung (5,9 % ambulant und 1,0 % stationär). Der Anteil der Pflege­bedürftigen ist seit 1999 kontinuierlich gestiegen, was fast ausschließlich den ambulanten Bereich betrifft.

Bei der Entwicklung von Pflegebedürftigkeit kommt es maßgeblich auf die sozialen Rahmen­bedingungen an. Soziale Unterstützung (erfahren von 37,3 % der Erwachsenen) kann sich positiv auf die Gesundheit auswirken.

Vorboten für Pflegebedürftigkeit sind nicht nur Krankheiten, sondern auch funktionale Ein­schrän­kungen. Letztere sind in Deutschland weit verbreitet, insbesondere unter Älteren. So berichteten 38 % der Erwachsenen über Ein­schränkungen bei all­täglichen Tätigkeiten in den letzten 6 Monaten, 16 % der Erwachsenen Gedächtnis­verschlechterungen. Bei den ab 65-Jährigen leiden 65 % unter Multimorbidität, 23 % gaben an, im letzten Jahr mindestens einmal gestürzt zu sein.

Frauen sowie Menschen aus sozioökonomisch benach­teiligten Gruppen und mit Migrations­geschichte sind signifikant häufiger von gesund­heitlichen und funktionalen Ein­schrän­kungen betroffen. Physische und psychosoziale Belastungen in Alltag und Beruf, von denen sozial benachteiligte Bevölkerungs­gruppen besonders betroffen sind, erhöhen die Risiken für eine Vielzahl chronischer Erkrankungen und frühe Pflege­bedürftigkeit.

Ansatzpunkt für Prävention sind verhaltens­bezogene Risikofaktoren für chronische Erkrankungen, die ihrerseits zu Auftreten und Voranschreiten von Pflege­bedürftigkeit führen können. Etwa drei Viertel der Älteren bewegen sich nicht ausreichend, essen weniger als die empfohlene Menge an Obst und Gemüse, bzw. sind übergewichtig. Der Bericht konstatiert: „Hier ist viel Raum für Ausbau vor allem gesundheits­politischer und struktureller Maßnahmen“.

Für das RKI-Panel werden Menschen aus Deutschland über eine Befragungs­plattform wiederholt zu verschiedenen Themen rund um ihre Gesund­heit befragt. Damit können innerhalb kurzer Zeit Antworten auf aktuelle Frage­stellungen rund um das Thema Gesundheit gefunden werden. Rund 40.000 Bürgerinnen und Bürger ab 16 Jahren aus ganz Deutschland sind für die regelmäßigen Befragungen der Studien­reihe registriert. Die Studienreihe startete Anfang 2024. Zur Pflege wurden mehr als 27.000 Personen befragt, rund 10 % von ihnen gaben an, Pflege zu leisten (13 % der Frauen und 8 % der Männer).