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Überblicksarbeit zur Impfprävention in der Neurologie
Impfungen zählen zu den wirksamsten präventiven Maßnahmen. Ein aktueller Übersichtsartikel zeigt ihren Einfluss auf neuroinfektiöse Erkrankungen – und macht deutlich, dass oft immunsupprimierte Patientinnen und Patienten noch unzureichend geschützt sind.
Ein aktuell in „Neurological Research and Practice“ (NRP), dem Open-Access-Journal der DGN, erschienener Übersichtsartikel [1] beleuchtet die zentrale Rolle von Impfprogrammen in der Prävention neuroinfektiöser Erkrankungen und zeigt zugleich bestehende Versorgungslücken auf. Die Autorinnen und Autoren betonen, dass die größten Fortschritte in der Neuroinfektiologie nicht primär durch therapeutische Innovationen, sondern durch Präventionsstrategien erzielt wurden – insbesondere durch Impfungen.
Am Beispiel bakterieller Meningitiden wird der enorme epidemiologische Effekt konsequenter Impfprogramme deutlich. Die Einführung der Haemophilus influenzae Type B (HiB)-Impfung in den 1990er Jahren führte innerhalb weniger Jahre zu einem dramatischen Rückgang der HiB-Meningitis. Ähnliche Entwicklungen zeigten sich bei Neisseria meningitidis. Trotz dieser Erfolge bleibt die Pneumokokkenmeningitis relevant, insbesondere aufgrund serotypischer Verschiebungen. Neue Konjugatimpfstoffe mit breiterer Serotypabdeckung könnten hier künftig neuroinvasive Verläufe weiter reduzieren.
Auch virale ZNS-Infektionen stehen im Fokus. Die FSME-Impfung gilt als hochwirksam, allerdings sind die Impfquoten selbst in Endemiegebieten weiterhin unzureichend. Für die Neuroborreliose existiert bislang kein Vakzin, weshalb Expositionsprophylaxe und Zeckenschutz entscheidend bleiben.
Hervorgehoben wird die Bedeutung der Varizella-Zoster-Virus-Impfung: Neben der Prävention von Gürtelrose, Neuralgie und ZNS-Komplikationen weisen aktuelle Daten darauf hin, dass die Vakzinierung möglicherweise auch das Demenzrisiko senken könnte – ein Aspekt mit erheblicher neurologischer Relevanz.
Die jüngsten Masernausbrüche werden als eindrückliches Beispiel für die Folgen sinkender Impfquoten diskutiert. Sie verdeutlichen, dass selbst weitgehend kontrollierte neurotrope Infektionen rasch wieder an Bedeutung gewinnen können, wenn Impflücken entstehen.
Insgesamt vermittelt der Artikel eine klare Botschaft: Impfungen gehören zu den wirksamsten neurologischen Präventionsmaßnahmen überhaupt – ihr Potenzial wird jedoch weltweit und auch in Europa noch nicht ausgeschöpft. Das gilt insbesondere für immunsupprimierte Patientinnen und Patienten. Gerade in dieser Gruppe ist das Risiko schwerer neuroinfektiöser Verläufe erhöht, während Impfungen gleichzeitig häufig zu selten umgesetzt werden. Der Artikel plädiert daher für eine stärkere Integration präventiver Impfstrategien in neurologische Versorgungskonzepte.
[1] Klein M, Schöls M, Tumani H et al. Prevention of neuroinfectious-diseases: high impact of vaccination programs – but the potential is not maxed out yet. Neurol Res Pract. 2026 May 11;8(1):37.
https://link.springer.com/article/10.1186/s42466-026-00489-1