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HNO2026 zeigt, was morgen Standard sein kann – Gentherapie, Notfallreform, neue Leitlinien
Kongressbericht
Ulm, Mai/Juni 2026. Wie faszinierend Kopf-Hals-Chirurgie sein kann, konnten über 3.000 Teilnehmende bei der 97. Jahresversammlung der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie (DGHNO-KHC) e. V. vier spannende Kongresstage lang erleben. Engagiert führte Prof. Dr. med. Thomas Hoffmann, Kongresspräsident und amtierender Präsident der Fachgesellschaft, durch den hochkarätigen interdisziplinären Kongress. Wissenschaftlich auf hohem Niveau und in entspannter Atmosphäre wurden von Experten aus 41 Nationen alle Bereiche der HNO in einem umfassenden Programm mit aktuellen Highlights präsentiert und diskutiert.
Mit dem Motto „Faszination Kopf-Hals-Chirurgie“ brachte es Prof. med. Thomas Hoffmann bei der feierlichen Eröffnung auf den Punkt: Das in der Verbindung von Heilkunde mit chirurgischen Eingriffen breit aufgestellte Fach bleibe angesichts der aktuellen rasanten Entwicklungen hochspannend. „Qualitätskontrollen können das hohe Niveau halten“, betonte der Kongresspräsident. „Hochqualifiziertes Training und Weiterbildung eröffnen neue Perspektiven personalisierter Medizin. Präzision und Sicherheit werden immer weiter erhöht, um die Prognose für unsere Patienten zu verbessern.“ Ein lebenslanger Ausbildungsprozess mit begleitender Fehlerkultur, der richtige Umgang mit Komplikationen seien wichtige Zwischenstufen zum Erfolg. Entscheidend sei es, die Faszination für das besonders herausfordernde Fach schon jungen Ärzten frühzeitig in ihrer Ausbildung zu vermitteln.
In über 850 nationalen und internationalen Vorträgen und 12 gut besuchten Joint Meetings wurden neueste Entwicklungen auf dem Gebiet der Kopf-Hals-Onkologie, der Schädelbasis-, Orbita- und Mittelohrchirurgie sowie der Versorgung mit Cochlea-Implantaten präsentiert. Die hohe Zahl der aktiv beteiligten HNO-Expert:innen zeigte in dem 8-zügigen Kongressprogramm mit Wissenstransfer, begleitendem Networking und inspirierenden Gesprächen einmal mehr, welche enorme Bandbreite das komplexe Fach interdisziplinär zu bieten hat. Gemeinsam mit Experten aus anderen Fachbereichen wurden neue diagnostische und therapeutische Strategien zu übergreifenden Krankheitsbildern erarbeitet. Wichtige Diskussionsschwerpunkte lagen in der grundlagenwissenschaftlichen und translationalen Forschung, in hochqualitativen, prospektiven Studienergebnissen und dem aktuellen Stand evidenzbasierter Medizin zu HNO-Fragestellungen.
Neue Strategien zur Antibiotikatherapie
Ein weiteres vieldiskutiertes Thema waren neue Strategien zur Antibiotikatherapie in der HNO-Heilkunde. Leitlinie und Integration der perioperativen Abdeckung wurden von Prof. Dr. med. Bernhard Olzowy, Landsberg, vorgestellt. Prof. Olzowy betonte, dass rund 85 Prozent aller Antibiotikaverordnungen im ambulanten Bereich erfolgen, viele davon bei typischen HNO-Infektionen. Umso wichtiger sei eine präzise Diagnostik als Grundlage jeder Therapieentscheidung. Mit den 2025 aktualisierten Leitlinien zur perioperativen Prophylaxe und zur Antibiotikatherapie von HNO-Infektionen liegt hierfür eine evidenzbasierte Basis vor. Kernaussage: Antibiotika sollten gezielt, möglichst schmal wirksam und nur so kurz wie nötig eingesetzt werden, um Resistenzen und Nebenwirkungen zu reduzieren.
Entwicklung der OTOF-Gentherapie bei Ertaubung
Gentherapeutische Ansätze zur Behandlung genetisch bedingter Schwerhörigkeit haben mit klinischen Studien in Deutschland und der ersten FDA-Zulassung im April 2026 eine neue Phase erreicht. Im Fokus steht unter anderem die Therapie von Otoferlin-bedingter Taubheit, bei der durch das Einbringen einer funktionierenden Genkopie direkt im Innenohr die Ursache der Erkrankung behandelt werden soll. Prof. Hubert Löwenheim, Tübingen, betont, dass die Gentherapie das Cochlea-Implantat nicht ersetzt, sondern künftig als zusätzliche, individualisierte Behandlungsoption etabliert werden könnte, deren Chancen und Grenzen derzeit intensiv diskutiert werden.
Notfallreform – Auswirkungen auf die Versorgung der HNO-Heilkunde
Die Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie (DGHNO-KHC) sieht in der geplanten Reform der Notfallversorgung mit Integrierten Notfallzentren (INZ) sowohl Chancen als auch Risiken für die HNO-Versorgung. Sie warnt insbesondere davor, dass HNO-Notfälle im bisherigen Konzept nicht ausreichend berücksichtigt werden, obwohl sie häufig und potenziell lebensbedrohlich sind. Ohne klare Leitwege und ausreichende HNO-Expertise in der Ersteinschätzung drohten Fehlsteuerungen und Versorgungsverzögerungen, betont Prof. Dr. Janina Hahn, Ulm. Die Fachgesellschaft fordert daher eine bessere fachliche Integration, klare Abstimmungsprozesse sowie gezielte Schulungen, um die Reform patientensicher und effektiv umzusetzen.
Hochqualifiziertes Weiterbildungsprogramm
Das strukturierte Weiterbildungsprogramm der Deutschen Akademie für HNO-Heilkunde und ein spezielles Programm für Berufsgruppen aus den Pflege- und Gesundheitsbereichen und niedergelassenen Praxisteams waren gut besucht. Ziel ist es, mit dem weiteren Erwerb zertifizierter Kompetenzen, die über die reguläre Weiterbildung hinausgehen, die hohe Qualität des Fachbereichs zu sichern.
Angesichts von über 800 nationalen und internationalen Rednern sowie der guten Kongress-Resonanz gerade auch unter jungen Mediziner:innen zog Prof. Hoffmanns ein positives Resümee. Mit seiner ansteckenden Begeisterung ist er dem erklärten Ziel der Fachgesellschaft, die Faszination für das Fach mit der „einzigartigen Komplexität der zentralen Sinnesorgane“ an die nächste Generation weiterzugeben, ein gutes Stück nähergekommen.
Ausblick: DGHNO-Kongress 2027 in Dresden
Die 98. Jahresversammlung der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie (DGHNO-KHC) e. V. wird im nächsten Jahr in Dresden stattfinden. Kongresspräsident Prof. Dr. med. med. Dr. h. c. Thomas Zahnert, Dresden, lädt vom 5. bis 8. Mai 2027 herzlich zu einer Fortführung der spannenden fachlichen Diskussionen ein.
Hintergrund:
Die Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e. V., 1921 zunächst als Deutsche Gesellschaft der Hals-Nasen-Ohrenärzte aus dem Verein Deutscher Laryngologen und der Deutschen Otologischen Gesellschaft hervorgegangen, fördert die wissenschaftliche und praktische Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Halschirurgie und das Allgemeinwissen ihrer geschichtlichen Entwicklung. Die DGHNO-KHC vertieft ihr Fachgebiet mit der Verbindung zu medizinischen Nachbarfächern sowie zu ausländischen Fachgesellschaften, mit der Weiter- und Fortbildung und der Unterstützung anderer wissenschaftlicher Gesellschaften, Gesundheitsbehörden und Einrichtungen bei Belangen der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Halschirurgie.
Website: https://www.hno.org/