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Sachsen-Anhalt hat die meisten Herzkranken
AOK fordert: Land muss Gesundheitsziele weiterentwickeln und Prävention stärken
In Sachsen-Anhalt litten 2024 rund 143.000 Menschen an einer Herzinsuffizienz bzw. sogenannten Herzschwäche. 8,9 Prozent der Bevölkerung ab 30 Jahren sind damit betroffen – der höchste Wert aller Bundesländer. Ein Landkreis ist sogar bundesweit Spitzenreiter. Das ergab eine Auswertung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) anlässlich des Weltherztages am 29. September. Die Ergebnisse bekräftigen eine Forderung der AOK, dass das Land seine Gesundheitsziele konsequent auf Prävention ausrichten muss – unter anderem in den Bereichen Herzgesundheit und soziale Ungleichheit.
Magdeburg – Die Herzinsuffizienz ist eines der häufigsten Gesundheitsprobleme des Herz-Kreislauf-Systems. Der Analyse zufolge leiden in Sachsen-Anhalt mit einem Anteil von 8,9 Prozent mehr Menschen in der Bevölkerung daran als in allen anderen Teilen Deutschlands.
Landkreis bundesweit Spitzenreiter, Risikofaktoren weit verbreitet
Im Vergleich der Landkreise in Sachsen-Anhalt hat Mansfeld-Südharz mit 13,9 Prozent den höchsten Anteil an Menschen mit Herzinsuffizienz (siehe Tabelle 1). Dies ist sogar der höchste Wert im Vergleich aller bundesweit 400 Kreise und kreisfreien Städte. Danach folgen Anhalt-Bitterfeld und Harz mit jeweils 10,3 Prozent und Börde mit 10,2 Prozent.
„Gleichzeitig sind in Sachsen-Anhalt mit Rauchen, Diabetes mellitus und Bluthochdruck mehrere der wichtigsten Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen überdurchschnittlich häufig vertreten“, sagt Tanja Napiontek, Beratungsärztin bei der AOK Sachsen-Anhalt. „Medizinisch gilt insbesondere der langjährig erhöhte Blutdruck als einer der bedeutendsten Treiber einer späteren Herzinsuffizienz. Auch Diabetes und Tabakkonsum schädigen Herz und Gefäße und erhöhen das Risiko für eine Herzschwäche erheblich.“ Die regionale Häufung dieser Risikofaktoren könnte daher einen wesentlichen Beitrag zur erhöhten Krankheitslast leisten.
Die Daten zeigen auch, dass Herzinsuffizienz vor allem mit steigendem Alter auftritt. Der größte Anteil liegt in der Altersgruppe ab 90 Jahren. Bei Männern ab 90 liegt der Anteil bei rund 48 Prozent, bei Frauen bei rund 38 Prozent. Napiontek: „Der Geschlechtsunterschied ist erwartbar, weil Männer häufiger von einer Vorerkrankung wie Koronare Herzkrankheit oder Herzinfarkt betroffen sind, die das Risiko für die Entstehung einer Herzinsuffizienz erhöhen. Mögliche Ursachen für die Geschlechtsunterschiede sind biologische Faktoren und eine unterschiedliche Häufung von Risikofaktoren bei Männern und Frauen.“
Östliche Bundesländer häufiger betroffen, soziale und materielle Benachteiligung hat Auswirkungen
Generell sind östliche Bundesländer häufiger von Herzinsuffizienz betroffen (siehe Tabelle 2). Nach Sachsen-Anhalt folgen Thüringen mit 8,5 Prozent, Sachsen mit 7,9 Prozent und Mecklenburg-Vorpommern mit 6,7 Prozent. Den geringsten Wert hat Hamburg mit 3,8 Prozent.
„Die Unterschiede haben nur bedingt mit der Alters- und Geschlechtsstruktur der Bevölkerung zu tun“, sagt Napiontek. „Denn auch wenn diese in einem ‚fairen‘ Vergleich berücksichtigt werden, bleiben die Unterschiede größtenteils bestehen.“
Die Analyse zeigt zudem, dass soziale und materielle Benachteiligung mit einer deutlich höheren Herzinsuffizienz einhergehen. Entsprechend benachteiligte („deprivierte“) Regionen haben demnach mit 6,8 Prozent einen deutlich höheren Anteil als Regionen, in denen die Deprivation am niedrigsten ist. Hier liegt der Anteil nur bei 4,4 Prozent. Der sogenannte Deprivationsindex wird vom Robert Koch-Institut erstellt und ist ein wissenschaftliches Messinstrument, mit dem sozioökonomische Ungleichheiten erfasst werden.
Landespolitik muss Gesundheitsziele konsequent weiterentwickeln
Angesichts dieser Ergebnisse fordert die AOK Sachsen-Anhalt, dass Gesundheitskompetenz und Prävention mehr in der Gesundheitspolitik im Land verankert werden. Die Gesundheitsziele seien konsequent auf Prävention auszurichten, insbesondere in den Bereichen gesundes Altern, Herzgesundheit, psychische Gesundheit und soziale Ungleichheit.
Allein die Herzinsuffizienz war im Jahr 2024 bei fast 4 Prozent aller Todesfälle in Deutschland dokumentiert. Zudem ist laut Krankheitskostenstatistik des Statistischen Bundesamtes die Herzinsuffizienz mit Krankheitskosten von 9,2 Milliarden Euro für knapp 2 Prozent der Gesundheitsausgaben in Deutschland verantwortlich.
Vor allem müssen laut AOK gesundheitsförderliche Lebensverhältnisse gestärkt und Gesundheitsförderung verbindlich in Bildungsplänen von Kitas und Schulen verankert und durch verbindliche Ernährungs- und Bewegungsstandards ergänzt werden. Auch müssten kommunale Präventionsstrukturen gesichert werden.
Die AOK Sachsen‑Anhalt übernehme hierbei bereits eine wichtige Verantwortung: „Wir stärken die Versorgung und Gesundheitskompetenz der Menschen im Land durch ein breites Spektrum an Angeboten“, sagt Napiontek.
Im Rahmen des Hausarztprogrammes gebe es beispielsweise ein spezielles Betreuungsprogramm Herzinsuffizienz. Napiontek: „Dabei betreut eine besonders geschulte Praxisassistentin den Versicherten mit Hausbesuchen oder regelmäßigen Telefonanrufen, überwacht den Therapieerfolg und unterstützt dabei, besser mit der Erkrankung im Alltag zurechtzukommen.“
Vor allem zur Bekämpfung der Risikofaktoren bietet die AOK einen Online-Coach Bluthochdruck, einen Check-up Plus oder Betreuungsprogramme für Diabetes Typ 1 und 2 sowie koronare Herzkrankheiten. Daneben gibt es noch zahlreiche Gesundheits- und Präventionskurse sowie früh ansetzende Präventionsmaßnahmen für Kinder wie „Bewegte Kita“ oder „Bewegter Hort“.
Weitere Informationen und Grafiken zur Auswertung des WIdO gibt es hier.