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Diskussion innovativer Strategien beim Deutschen Hautkrebskongress: Zelluläre Immuntherapie und mRNA-Impfung beim Melanom

Leipzig (ka). Der 36. Deutsche Hautkrebskongress in Leipzig ging mit großem Erfolg zu Ende. Die Kongresshalle am Zoo Leipzig bot mit über 300 wissenschaftlichen Vorträgen einen perfekten Rahmen für den hochrangigen Kongress der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Onkologie (ADO) mit 1.062 Teilnehmenden, die sich über neue Strategien in der Dermato-Onkologie austauschten. Im Mittelpunkt standen aktuelle Entwicklungen, die an die bisherigen Fortschritte in Diagnostik und Therapie anknüpften.

Mit 375.000 Neuerkrankungen im Jahr ist Hautkrebs der häufigste Krebs mit weiterhin steigender Tendenz.
„Angesichts der deutlich zunehmenden Zahlen von Hautkrebs in Deutschland war es uns wichtig, einen breiten Überblick über die modernsten Verfahren zur Erkennung und Behandlung der verschiedenen Hautkrebsarten zu geben – nicht nur an ÄrztInnen, ForscherInnen, sondern mit Spezialveranstaltungen auch an Personen aus der Pflege, der klinischen Forschung sowie Patientinnen und Patienten sowie deren Angehörige“, betonte Tagungspräsident Prof. Dr. Jan C. Simon, Leipzig, während der Pressekonferenz. Unterstützt wurde er von Prof. Dr. Mirjana Ziemer, Leipzig, Prof. Dr. Manfred Kunz, Leipzig, dem 1. Vorsitzenden der ADO, Prof. Dr. Ralf Gutzmer, Minden und Bochum und der 2. Vorsitzenden der ADO, Prof. Dr. Carola Berking, Erlangen. Im Mittelpunkt des hochkarätigen Kongresses standen zelluläre Therapien beim Melanom, die chirurgische Versorgung von Hautkrebs mit modernster Bildgebung und die Hautkrebsfrüherkennung.

Internationale Ausrichtung und aktive Mitgestaltung

Aktuelle Entwicklungen in der Dermato-Onkologie wurden von international renommierten ReferentInnen aus England, Frankreich, und den USA vorgestellt: Prof. James Larkin, Royal Marsden Hospital und Institute of Cancer Research, London, Prof. Caroline Robert, Gustave Roussy Cancer Campus, Paris und Dr. Samuel Achilefu, Southwestern Medical Center, Dallas. Die Möglichkeit, den Kongress mit eigenen aktuellen Arbeiten aus Forschung und Klinik aktiv mitzugestalten, wurde mit über 265 eingereichten Abstracts verstärkt genutzt – ein neuer Rekord beim Deutschen Hautkrebskongress. Daraus wurde ein breites Themenspektrum aus Freien Vorträgen und Kurzvorträgem in das praxisbezogene Tagungsprogramm mit über 300 wissenschaftlichen Vorträgen, 45 wissenschaftlichen Sitzungen und 13 praxisbezogenen Workshops integriert. Auch für die Nachwuchsveranstaltungen gab es in Leipzig Rekord-Anmeldezahlen.

Hautkrebsscreening zur Früherkennung

Ein brandaktuelles Thema war das Hautkrebsscreening zur Früherkennung von Hautkrebs, das in Deutschland im Rahmen der geplanten Sparmaßnahmen im deutschen Gesundheitssystem in der öffentlichen Diskussion steht. Zur wissenschaftlichen Evaluation dieser Vorsorgemaßnahme gab es ein eigenes Symposium, in dem eine „Task Force“ aus mehreren beteiligten Fachgesellschaften das Hautkrebsscreening gemeinsam weiterentwickelte. Prof. Berking betonte die Notwendigkeit eines risikobasierten flächendeckenden Screenings mit kontrollierten Einladungen: „Vor allem sollte ein persönliches Bewusstsein dafür erreicht werden, dass jeder seine Hautveränderungen eigenverantwortlich anschaut.“ Vorrangiges Ziel sollte sein, Hautkrebs frühestmöglich und nicht erst in fortgeschrittenem Stadium zu entdecken, das für Patienten schwierig und für das Gesundheitssystem teuer werde.

„Rising star lecture“ zur Car-T-Zelltherapie

Fortschritte in der Hautkrebstherapie gab es in verschiedenen Bereichen. Vielversprechende neue Entwicklungen wurden zur Immuntherapie mit Checkpoint-Inhibitoren bei Hauttumoren in unterschiedlichen Krankheitsphasen vorgestellt. Aktuelle Studienergebnisse zur adjuvanten und neoadjuvanten Therapie beim Melanom und beim kutanen Plattenepithelkarzinom gaben neue Impulse.

Von besonderem Interesse waren neueste Therapiestrategien beim malignen Melanom mit 28.000 neuen Erkrankungsfällen im Jahr, Tendenz steigend. Die innovative zellbasierte Behandlungsmöglichkeit der CAR-T-Zelltherapie wurde von Prof. Dr. Ugur Uslu, Würzburg, im Rahmen einer „rising star lecture“ vor.

Zwei weitere Symposien beschäftigten sich mit Wirkung und Nebenwirkungen zellulärer Therapien, bei denen körpereigene Abwehrzellen umprogrammiert und zielgerichtet gegen Krebszellen eingesetzt werden. Wie das körpereigene Immunsystem genutzt werden kann, um den Tumor zu attackieren, war eine spannende Frage. Dabei ging es darum, wie gentechnisch veränderte Immunzellen Krebszellen gezielt erkennen und zerstören können. „Wir sind in der Lage, T-Zellen genetisch so zu manipulieren, dass sie Tumoren erkennen. Bei Patienten, die schon austherapiert waren, gab es 60% Ansprechraten – das ist sensationell!“, fasste Prof. Kunz das gerade veröffentlichte Ergebnis einer großen Studie zusammen. Ergänzend dazu Frau Prof. Ziemer: „Da hat sich viel bewegt. In der Anfangszeit brauchte man viel Tumormaterial. Inzwischen können die benötigten Zellen auch aus dem Blut gewonnen werden. Das beschleunigt die Prozesse und macht die Therapien für Patienten annehmbarer.°

Innovative mRNA-Impfung „bewegt jetzt das Feld“

Eines der beherrschenden Themen war die sogenannte mRNA-Impfung, zu der gerade das positive Ergebnis einer Phase-III-Studie mit 1.130 Patienten veröffentlicht wurde. „Die stärkste Waffe gegen das fortgeschrittene Melanom ist das eigene Immunsystem“, so Frau Prof. Berking. „Bei Patienten mit einem operierten Hochrisiko-Melanom kann zusätzlich zur Immuncheckpoint-Therapie, die schon zu 50% das Rückfallrisiko verringert, die Chance, nicht wieder zu erkranken, signifikant um weitere 20% erhöht werden durch eine Impfung, die vor Hautkrebs schützt. Das bewegt jetzt das Feld!“ Diese spezialisierte individualisierte Therapie steht nun vor der Zulassung. Nun stellt sich die Frage, wer den Zugang zu dieser sehr kostenintensiven Behandlung bekommen wird.

Ausblick: Deutscher Hautkrebskongress 2027

Weitere Entwicklungen in der Hautkrebstherapie und -forschung werden beim 37. Deutschen Hautkrebskongress diskutiert. Vom 8.–11. September 2027 lädt Professorin Dr. Carola Berking, Erlangen, als Tagungspräsidentin in die Meistersingerhalle Nürnberg ein. Weitere Details unter: www.ado-kongress.de