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Abnehmspritzen und die Zähne: Prävention ist angesagt

Die sogenannten GLP-1-Rezeptor-Agonisten – verabreicht als Spritze und neuerdings auch als Tablette – wurden inzwischen millionenfach verordnet und gelten als wichtiger Fortschritt in der Behandlung von Übergewicht, Fettleibigkeit und Diabetes. Doch welche Folgen haben die Medikamente für Zähne und Zahnfleisch? Eine neue Übersichtsarbeit im Journal of Dental Research von Forschenden um Dr. Nils Werner und Prof. Dr. Falk Schwendicke von der Poliklinik für Zahnerhaltung, Parodontologie und digitale Zahnmedizin des LMU Klinikums zeigt: Die Wirkstoffe erhöhen das Risiko für verschiedene Probleme von Gebiss und Zahnfleisch. „Wir empfehlen deshalb eine frühzeitige zahnärztliche Begleitung während der Therapie“, sagt Werner, „und plädieren für eine enge Zusammenarbeit zwischen Allgemeinmedizin und Zahnmedizin.“

Die Zahnärzte erkennen aber auch eine gute Seite. Denn Laborexperimente und mittlerweile zwei klinische Studien deuten darauf hin, dass GLP-1-Rezeptor-Agonisten entzündliche Prozesse verringern. Davon könnten insbesondere Patienten mit Parodontitis oder Zahnimplantaten profitieren. „Alles, was mit Entzündungen und Knochenstoffwechsel zu tun hat“, erklärt Werner, „scheint eher positiv beeinflusst zu werden.“

Ungeachtet dessen sehen die Forschenden derzeit keinen Anlass, die neuen Medikamente gezielt für zahnmedizinische Behandlungen einzusetzen. Dafür ist zum einen der Nutzen in Studien mit Menschen nicht ausreichend bewiesen. Zum zweiten wurden die Medikamente für die Therapie von Diabetes und Übergewicht entwickelt. „Und ein Einsatz allein aus zahnmedizinischer Sicht“, so der Münchner Zahnmediziner, „wäre auch wegen ihrer möglichen Nebenwirkungen nicht gerechtfertigt.“

Für die Zahngesundheit sind vor allem die Nebenwirkungen im Magen-Darm-Bereich wichtig. Laut der zusammengetragenen Literatur leiden etwa 15 bis 50 von 100 Behandelten unter Übelkeit, etwa 5 bis 24 von 100 müssen sich übergeben. Dazu kommen saures Aufstoßen (Reflux) und ein trockener Mund durch verminderten Speichelfluss vor. „Wenn der Speichelfluss zurückgeht und zusätzlich Reflux oder Erbrechen auftreten“, sagt Werner, „kann das Zahnhartsubstanz und Zahnschmelz angreifen.“

Gegenmaßnahmen sind möglich

Die Forschenden empfehlen daher eine engmaschige zahnärztliche Betreuung von Menschen, die eine Therapie mit GLP-1-Rezeptor-Agonisten beginnen. Zahnärzte sollten ihre Patienten in diesem Sinne darauf ansprechen, ob sie diese Medikamente nehmen. Ziel ist es, mögliche Schäden frühzeitig zu erkennen und ihnen entgegenzuwirken. Zu den empfohlenen Maßnahmen gehören: regelmäßige Kontrolluntersuchungen, individuelle Fluoridierungsprogramme, fluoridhaltige Mundspüllösungen, Aufklärung über den richtigen Umgang nach Übelkeit oder Erbrechen und frühzeitige Behandlung erster Zahnschäden. Nach dem Erbrechen zum Beispiel geht es zunächst darum, die Säure zu verdünnen und ihre Kontaktzeit mit den Zähnen zu verringern. Dafür eignet sich Ausspülen mit Wasser, am besten auch mit einer fluoridhaltigen Mundspülung.

Neues Präventionsangebot für Betroffene am LMU Klinikum

Als Konsequenz aus den Forschungsergebnissen hat die Poliklinik für Zahnerhaltung, Parodontologie und digitale Zahnmedizin des LMU Klinikums ein spezielles Betreuungsangebot für Patienten unter GLP-1-Therapie etabliert. Vorgesehen sind zahnärztliche Untersuchungen zu Beginn der Behandlung, eine Kontrolle nach etwa drei Monaten sowie weitere Nachsorgetermine abhängig vom individuellen Risiko. Besonders relevant ist dies, weil Nebenwirkungen häufig in den ersten Monaten nach Therapiebeginn auftreten. „Wir hoffen“, sagt Poliklinik-Direktor Falk Schwendicke, „mit diesen Maßnahmen ein neues Problem in der Zahnmedizin effektiv zu adressieren.“

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Prof. Dr. Falk Schwendicke wird auch Referent beim Diskussionsabend „Bekommt mein digitaler Zwilling die bessere Behandlung?“ sein, die im Rahmen der neuen Veranstaltungsreihe „2036 – Gesund mit KI?“ der M1 – Munich Medicine Alliance stattfindet:

Datum: Montag, 2. November 2026, 18 – 20 Uhr
Ort: Friedrich-von-Gärtner Saal im St. Vinzenz-Haus – am Campus Innenstadt des LMU Klinikums (Nußbaumstraße 5, 80336 München)

Weitere Informationen und Anmeldung: Veranstaltung: Bekommt mein digitaler Zwilling die bessere Behandlung? 

Publikation

Werner N, Pitchika V, Bumm CV, Heck K, Folwaczny M, Schwendicke F.
GLP-1 Receptor Agonists in Dentistry: Promise, Pitfalls, and Evidence Gaps.
Journal of Dental Research. 2026;0(0).
DOI: 10.1177/00220345261488338