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Rituximab bei MS: Kann das Dosisintervall verlängert werden?

Höhere kumulative Rituximab-Dosierungen können das Infektionsrisiko erhöhen. Eine aktuelle Studie untersuchte nun, ob eine Verlängerung des Dosisintervalls bei schubförmiger MS vertretbar ist. Wie sich zeigte, kam es dadurch nicht zu einer höheren Krankheitsaktivität.

Die B-Zell-depletierende Therapie mit Rituximab (RTX), einem anti-CD20-Antikörper, gilt als effiziente Behandlung der schubförmigen Multiplen Sklerose (MS). RTX ist seit 1998 auf dem Markt verfügbar und wird bei MS als kosteneffiziente Off-label-Therapie eingesetzt. Zwischenzeitlich wurden für die MS-Behandlung in Deutschland die anti-CD20-Antikörper Ocrelizumab und Ofatumumab zugelassen.

Höhere kumulative RTX-Dosen können das Infektionsrisiko erhöhen, weshalb Strategien zur Dosisreduktion geprüft werden. Eine aktuelle emulierte randomisiert kontrollierte Studie [1] untersuchte, ob eine Ausweitung des Dosisintervalls bei Patientinnen und Patienten, die über ein Jahr lang unter niedriger Dosierung (500 mg RTX alle 6 Monate) die NEDA-3-Kriterien (NEDA: „No Evidence of Disease Activity“) erfüllten, vertretbar ist oder mit einem höheren Risiko für Krankheitsaktivität einhergeht. Geeignete Patientinnen und Patienten wurden aus einer retrospektiven kalifornischen Kohorte, die zwischen 2008 und 2023 mit RTX behandelt worden war, identifiziert. Insgesamt 608 Personen konnten in die Analyse einbezogen werden. 140 dieser Studienteilnehmenden (mittleres Alter 40,4 Jahre, 73,6 % Frauen) hatten 500 mg RTX alle zwölf Monate (q12mo) erhalten, 468 Personen (mittleres Alter 38,4 Jahre, 70,9 % Frauen) hatten 500 mg RTX alle 6 Monate (q6mo) erhalten. In der „Intention-to-treat“ (ITT)-Analyse wurde ein medianer Follow-up von 2,6 Jahren (q12mo) bzw. 3,9 Jahren (q6mo) erreicht, in der „Per-protocol“ (PP)-Analyse 1,9 Jahre (q12mo) bzw. 1,5 Jahre (q6mo).

In beiden Analysen wurden Krankheitsschübe, MR-tomographisch nachweisbare Aktivität und die Erfüllung der NEDA-3-Kriterien ausgewertet. Krankheitsaktivität war im Beobachtungszeitraum insgesamt eher selten: Schübe und/oder bildgebende Aktivität wurden bei 3,5 % der Teilnehmenden in der ITT- und bei 2 % in der PP-Analyse beobachtet. Zwei zusätzliche Teilnehmende erfüllten in der ITT-Analyse NEDA-3 nicht, weil sie PIRA („progression independent of relapse“) aufwiesen, in der PP traf dies auf keine Person zu.

Die Ausweitung des Dosisintervalls auf 12 Monate führte zwar zu einer signifikanten Repopularisierung von B-Zellen (70,5 % mit ≥80 Zellen/μL in der PP, 75,7 % in der ITT) im Vergleich zum 6-Monats-Intervall (23,3 % mit ≥80 Zellen/μL in der PP, 60,2 % in der ITT). Im Hinblick auf die Erfüllung der NEDA-3-Kriterien gab es jedoch weder in der ITT- noch in der PP-Analyse Unterschiede, sodass keine Korrelation zwischen B-Zell-Zahl und Krankheitsaktivität bestand.

Wie die Autorinnen und Autoren zusammenfassen, liefere die Studie Evidenz der Klasse IV dafür, dass sich das Risiko für Krankheitsaktivität bei MS-Patientinnen und -Patienten, die NEDA-3 nach einem Jahr unter Niedrig-Dosis-RTX erfüllten, nach Verlängerung des RTX-Dosierungsintervalls auf 12 Monate nicht erhöhte.

[1] Langer-Gould A, Li BH, Smith JB et al. Comparative Effectiveness of Rituximab Dosed Every 6 and 12 Months in Relapsing Multiple Sclerosis. Neurology. 2026 Jan 27;106(2):e214473.
https://www.neurology.org/doi/10.1212/WNL.0000000000214473