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Epstein-Barr-Virus-Antikörper als Biomarker bei MS

Serielle quantitative Bestimmungen Epstein-Barr-Virus (EBV)-spezifischer Antikörper könnten als Biomarker zur Diagnose der MS herangezogen werden. Offenbar sind bei dieser Erkrankung Antikörper gegen Epstein-Barr Nuclear Antigen (EBNA)-1 anhaltend erhöht.

Weil Klinik und Bildgebung hohe Schnittmengen aufweisen, kann es schwierig sein, Multiple Sklerose (MS), Myelin-Oligodendrozyten-Glykoprotein-Antikörper-assoziierte Erkrankung (MOGAD) und Neuromyelitis-Optica-Spektrum-Erkrankung (NMOSD) voneinander abzugrenzen, wenn die typischen Autoantikörper für NMOSD oder MOGAD fehlen. In solchen Fällen lohnt es sich offenbar, auf Antikörper gegen Epstein-Barr Nuclear Antigen (EBNA)-1 zu achten. EBV-Infektionen haben eine pathogenetische Bedeutung bei der Entstehung der MS, und das EBNA-1-Peptid fungiert in diesem Kontext als Fremdantigen, das über molekulare Mimikry autoimmune Kreuzreaktionen gegen ZNS-Gewebe triggern kann. Bleiben anti-EBNA-1-Antikörper über Monate erhöht, spricht das im Falle einer entzündlichen ZNS-Erkrankung nach den aktuellen Studienergebnissen für die Diagnose einer MS.

Für die retrospektive, multizentrische Fall-Kontrollstudie [1] wurden Plasmaproben zwischen 2001 und 2023 von Personen in Deutschland, Österreich und den USA ausgewertet. Orientierend untersucht wurden 1.548 Gesunde, 1.039 Personen mit MS, 205 mit MOGAD, 94 mit NMOSD und 318 mit anderen entzündlichen sowie 715 mit nicht-entzündlichen neurologischen Erkrankungen.

Anhand der Verteilung von EBNA-1-Antikörpern wurden nachfolgend 310 und 183 repräsentative Patienten und Patientinnen einer Test- und einer Validierungskohorte zugeordnet, um den differenzialdiagnostischen Wert serieller anti-EBNA-1-IgG-Bestimmungen zu ermitteln. Die Antikörper-Bestimmungen erfolgten zum Zeitpunkt der Diagnosestellung und an drei Folgeterminen, im Mittel über ein Intervall von 13,9 Monaten.

Die Testkohorte (Frauenanteil von 54,8 %) umfasste 184 Personen mit MS, 65 mit MOGAD und 61 mit NMOSD, darunter zwölf ohne Nachweis von Aquaporin-4 (AQP4)-Antikörpern. Von den MS-Betroffenen wiesen 96,2 % in mindestens zwei Follow-up-Proben hochtitrige EBNA-1-IgG auf. Dies war bei MOGAD nur bei 7,7 % der Fall und bei NMOSD bei 18 %. Unter den AQP4-negativen NMOSD-Patienten und -Patientinnen wies nur ein Individuum persistierend hochtitrige EBNA-1-IgG auf.

In der Validierungsgruppe mit einem Frauenanteil von 68,8 % waren 142 MS-Betroffene, 24 mit MOGAD und 17 mit NMOSD. Hier wiesen 95,1 % mit MS mindestens zwei hochtitrig positive EBNA-1-IgG-Tests auf. Bei MOGAD waren es 16,7 %, bei NMOSD 17,6 %.

Die Autoren und Autorinnen schließen aus den Ergebnissen, dass bei Verlaufskontrollen erhöhte anti-EBNA-1-Antikörper mit einem Cut-off ≥1,7 im Enzyme-Linked Immunosorbent-Assay (ELISA) einen Biomarker für die Diagnose einer MS darstellen könnten.

[1] Vietzen H, Kühner LM, Berger SM et al. Epstein-Barr Virus Antibodies to Differentiate Multiple Sclerosis From Other Neuroinflammatory Diseases. JAMA Neurol. 2026 Mar 9:e260240.
https://jamanetwork.com/journals/jamaneurology/article-abstract/2845900