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Damit die Pumpe wieder läuft
Jenaer Herzchirurgen kombinieren erstmals Bypass-OP mit Stoßwellentherapie
Eine Narbe und sein Bypass erinnern Fred Meyer daran, dass er in den vergangenen Monaten schwer herzkrank war. Der 63-Jährige ist der erste Patient, der am Universitätsklinikum Jena (UKJ) in einer Kombination aus Bypass-OP und einer neuartigen Stoßwellentherapie behandelt wurde. Die Klinik für Herz- und Thoraxchirurgie am UKJ ist die zweite Klinik in Deutschland, die dieses neue Verfahren einsetzt.
„Wir konnten die moderne Therapie zum ersten Mal frei anwenden. Bei diesem Verfahren wird zunächst ein Bypass wie üblich angelegt. Anschließend wird ein Applikator an den Herzmuskel gedrückt und die Stoßwellen erreichen direkt den Herzmuskel. In der Zulassungsstudie für das Verfahren verbesserte die Verbindung von Bypass und Stoßwellentherapie nachhaltig die Herzpumpfunktion, was auch zu einer messbaren, gesteigerten Lebensqualität führte. Wir sind begeistert von dem Effekt“, erklärt Dr. Hristo Kirov, Stellvertretender Klinikdirektor der Klinik für Herz- und Thoraxchirurgie am UKJ. Der Herzchirurg und sein Team konnten den Eingriff erfolgreich durchführen. Die Pumpleistung des Herzens von Fred Meyer steigerte sich innerhalb von sieben Tagen von 20 auf etwa 44 Prozent. „Das ist eine bemerkenswerte Verbesserung, die von einer Bypassoperation allein nicht erwartet werden kann“, so das Fazit des Herzexperten.
Stoßwellentherapie kennt man bislang beispielsweise in der Behandlung von Nierensteinen und Wundheilungsstörungen. „Die positive Wirkung am Herzen bedeutet eine Umwandlung von Bindegewebszellen in sogenannte Endothelzellen, eine einschichtige Auskleidung der Innenwände von Blutgefäßen, die damit eine Regeneration des Herzmuskels erlauben“, sagt Prof. Dr. Torsten Doenst, Direktor der Klinik für Herz- und Thoraxchirurgie am UKJ.
Fred Meyer, der in der Nähe von Nordhausen wohnt, hat bereits seit acht Jahren eine Herzschwäche. Alles sei schleichend passiert. Er litt zuletzt immer mehr unter seiner Koronaren Herzerkrankung und damit verbundenen Luftnot. Bisher nahm er regelmäßig Medikamente ein, um mit seiner chronischen Erkrankung zu leben. Hinzu kam eine schwere Lungenerkrankung. Ihm habe selbst die Kraft für kleine Wege gefehlt und mehr als einmal habe er gehört, dass er inoperabel sei. Er wagte trotzdem den Schritt zur neuen Herz-OP-Methode. „Ich bin dem gesamten Team wahnsinnig dankbar und froh, dass ich es ausprobiert und die OP so gut überstanden habe. Ich habe schnell Verbesserungen bemerkt, obwohl ich natürlich wieder zu Kräften kommen muss. Meine Wünsche sind, dass ich wieder vernünftig schlafen kann und auch tagsüber nicht mehr so auf Hilfe angewiesen bin.“
Sein guter Verlauf gibt Hoffnung. Die größten Effekte zeigen sich laut den Jenaer Herzexperten etwa drei Monate nach dem Eingriff. Genau dann muss sich Fred Meyer wieder in der Jenaer Herzchirugie zur Kontrolle vorstellen. Zunächst steht aber seine Reha an.