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Kardioneuroablation – neues Therapieangebot bei langsamem Herzschlag
Patientinnen und Patienten mit plötzlichen Herzschlagpausen, Ohnmachtsanfällen oder einem dauerhaft zu langsamen Puls mussten bislang häufig mit einem Herzschrittmacher versorgt werden. Am Uniklinikum Würzburg steht seit diesem Frühjahr mit der Kardioneuroablation nun ein innovatives Katheterverfahren zur Verfügung, das in ausgewählten Fällen eine Alternative zur Schrittmacher-Implantation sein kann.
Würzburg. Das Herz wird in seiner eigenen elektrischen Aktivität vom vegetativen Nervensystem gesteuert. Insbesondere der sogenannte Parasympathikus – oft auch als „Ruhenervensystem“ bezeichnet – kann den Herzschlag verlangsamen. Bei manchen Menschen geschieht dies situativ so stark, dass es zu ausgeprägten Pulsverlangsamungen, Herzschlagpausen oder sogar Ohnmachtsanfällen kommt. Man spricht dann von bradykarden Herzrhythmusstörungen.
Für diese Patientinnen und Patienten bietet das Uniklinikum Würzburg (UKW) seit diesem Frühjahr die Kardioneuroablation an – ein modernes elektrophysiologisches Verfahren, das gezielt in die nervale Steuerung des Herzens eingreift. Dabei werden bestimmte Nervenknotenpunkte – sogenannte Ganglien – verödet, die den bremsenden Einfluss des Parasympathikus auf das Herz vermitteln. Ziel ist es, die Herzfrequenz dauerhaft zu stabilisieren und Beschwerden zu lindern.
„Die Kardioneuroablation eröffnet ausgewählten Patientinnen und Patienten eine neue Behandlungsmöglichkeit, bei denen bislang häufig nur die Implantation eines Herzschrittmachers infrage kam“, erläutert Prof. Dr. Thomas Fischer. Der Leiter der interventionellen Elektrophysiologie an der Medizinischen Klinik I des UKW fährt fort: „Insbesondere jüngere Betroffene können von diesem Verfahren profitieren, wenn ihre Beschwerden durch eine übermäßige Aktivität des Parasympathikus verursacht werden.“
Wenn das Nervensystem das Herz ausbremst
Anders als bei klassischen Ablationsverfahren, die vor allem schnelle Herzrhythmusstörungen behandeln, richtet sich die Kardioneuroablation gezielt gegen die Ursachen bestimmter langsamer Herzrhythmusstörungen. Zu den möglichen Einsatzgebieten zählen wiederkehrende Ohnmachtsanfälle (Synkopen), plötzliche Herzschlagpausen sowie ein dauerhaft zu langsamer Herzschlag, der Beschwerden wie Schwindel, Leistungsminderung oder Erschöpfung verursacht.
Voraussetzung ist eine sorgfältige Diagnostik, um festzustellen, ob die Beschwerden tatsächlich durch eine übermäßige parasympathische Steuerung des Herzens ausgelöst werden.
Hochauflösende Bildgebung ermöglicht präzise Therapie
Für die Planung des Eingriffs nutzt das UKW modernste Bildgebungstechnologien. Mithilfe eines hochauflösenden Photonen-Computertomographen werden die Bereiche sichtbar gemacht, in denen sich die relevanten Nervengeflechte befinden. Diese Bilddaten werden anschließend mit einer während des Eingriffs erstellten Landkarte des Herzens fusioniert. Dadurch können die Ärztinnen und Ärzte die Zielregionen präzise lokalisieren und behandeln.
Der Eingriff erfolgt über Katheter, die über die Leistenvene zum Herzen vorgeschoben werden. Der Zugangsweg ähnelt dem einer Ablation bei Vorhofflimmern. Die zu behandelnden Nervengeflechte liegen überwiegend im linken Vorhof sowie im Übergangsbereich zwischen rechtem und linkem Vorhof. Nach der Verödung nimmt der hemmende Einfluss des Parasympathikus ab, wodurch sich die Herzfrequenz dauerhaft erhöhen kann. Das Risiko des Eingriffs gilt als gering.
„Die Kardioneuroablation ersetzt den Herzschrittmacher nicht grundsätzlich“, betont Fischer. „Sie ermöglicht es uns aber, bestimmten Patientinnen und Patienten eine individuellere Behandlung anzubieten.“ Mit der Einführung des Verfahrens baut das UKW sein Spektrum in der modernen Herzrhythmusmedizin weiter aus und gehört zu den wenigen Zentren, die diese noch vergleichsweise junge Therapieform in Deutschland anbieten.
Text: Pressestelle / UKW