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Suizidzahlen erneut gestiegen: Sterbehilfe hat maßgeblichen Anteil

Leipzig – Für die Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Suizidprävention sind die gerade veröffentlichten Suizidzahlen Grund zur Sorge. Während die jährlichen Suizidzahlen in Deutschland von über 18.000 vor 45 Jahren auf weniger als 10.000 im Jahr 2019 gefallen waren, gibt es seitdem wieder einen Anstieg: und zwar aktuell auf 11.334 Menschen im Jahr 2025. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einer Zunahme um 9,3% (Quelle: Statistisches Bundesamt/destatis.de). Bei der Suche nach den Ursachen sind neben der Alterung der Gesellschaft – höheres Alter geht mit höheren Suizidraten einher – zwei Faktoren zu bedenken:

1) Assistierte Suizide gehen in die Statistik mit ein. Diese haben seit 2020 stark zugenommen. Gegenüber dem Vorjahr stiegen diese in 2025 um 31,8% auf 1.288. Dabei handelt es sich nur um die von den drei großen deutschen Sterbehilfeorganisationen veröffentlichten Zahlen.

Assistierte Suizide sollen auf einer freien und selbstbestimmten Entscheidung beruhen. Menschen mit schwereren psychischen Erkrankungen sollten daher ausgenommen werden, wenn krankheitsbedingte Beeinträchtigungen der Urteils- und Entscheidungsfähigkeit die Freiverantwortlichkeit des Sterbewunsches infrage stellen können.

2) Durch die liberale Regelung des assistierten Suizids und die breite Diskussion des Themas könnte es zu einer „Normalisierung“ des Suizids und damit einer Schwellensenkung gekommen sein – mit der Folge, dass auch die einsamen, nicht-freiverantwortlichen Suizide im Rahmen psychischer Erkrankungen zunehmen. Erfahrungen aus den Niederlanden weisen in diese Richtung. In Folge des liberalen Umgangs starben dort nicht nur viele Menschen durch assistierten Suizid oder Tötung auf Verlangen, zudem stiegen auch die Suizidzahlen – im völligen Gegensatz zur rückläufigen Entwicklung der Suizidzahlen in fast allen anderen europäischen Ländern.

„Ich habe depressiv erkrankte, suizidale Patienten vor Augen, die mir sagten, sie hätten nur deshalb keinen Suizid begangen, weil sie dies ihrer Familie nicht antun wollten. Wenn Suizidassistenz geschäftsmäßig in Anspruch genommen werden kann, sozusagen normalisiert wird, dann wird diese Schwelle gesenkt, und die Zahl der tragischen, vermeidbaren Suizide steigt“, so Prof. Ulrich Hegerl, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Suizidprävention. „Hinzu kommt, dass die Regelung der Suizidassistenz in Deutschland im Vergleich zu allen anderen Ländern eine extreme Position darstellt. Menschen haben hierzulande das Recht, Suizidassistenz in Anspruch zu nehmen, auch wenn keine terminale Erkrankung oder unheilbares Leiden vorliegt, sie müssen den Wunsch zu sterben nicht einmal begründen.“

Wie Suizidprävention gelingen kann: international etablierter 4-Ebenen-Ansatz

Der von der Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Suizidprävention entwickelte 4-Ebenen-Interventionsansatz verbindet die Ziele „bessere Versorgung von Menschen mit Depression“ und „Suizidprävention“. Er ist der weltweit am häufigsten implementierte und am besten evaluierte gemeindebasierte Suizidpräventionsansatz (unabhängiges Review durch Linsken et al 2022). In einer umschriebenen Region (Stadt, Gemeinde) erfolgen I) Kooperationen mit Hausärzten (u.a. Schulungen), II) Aufklärung der Öffentlichkeit, III) Schulungen von Multiplikatoren (z.B. Pfarrer, Lehrkräfte, Journalisten, Altenpflegekräfte, Polizei) und IV) Unterstützung der Betroffenen und deren Angehörigen. Dieser Ansatz wurde von mehr als 90 Regionen in Deutschland („Deutsches Bündnis gegen Depression“) sowie von Regionen in zahlreichen europäischen und außereuropäischen Ländern übernommen.
„Bisher werden diese lokalen Bündnisse zur Suizidprävention durch Bürgerengagement, Ehrenamt und Spenden getragen. Äußerst hilfreich wäre es für diese Gemeinden, wenn sie gerade vor dem Hintergrund der gestiegenen Suizidzahlen zudem eine staatliche Förderung erhalten würden“, so Hegerl.

Hinweis an die Redaktionen:

Die Berichterstattung über Suizide ist mit einer besonderen Verantwortung verbunden, damit es nicht zu Nachahmungen kommt (Werther-Effekt). In einem Medien-Guide hat die Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Suizidprävention die wichtigsten Regeln zur Berichterstattung über Suizide zusammengefasst. Sie finden die Richtlinien hier:
https://www.deutsche-depressionshilfe.de/presse/berichterstattung-bei-suizid

Über die Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Suizidprävention:

Depression erforschen – Betroffenen helfen – Wissen weitergeben
Die Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Suizidprävention hat sich die bessere Versorgung depressiv erkrankter Menschen und die Reduktion der Suizide in Deutschland zum Ziel gesetzt. Vorstandsvorsitzender ist Prof. Dr. Ulrich Hegerl. Die Schirmherrschaft hat der Entertainer und Schauspieler Harald Schmidt übernommen. Neben Forschungsaktivitäten bietet die Stiftung Betroffenen und Angehörigen unter ihrem Dach vielfältige Informations- und Hilfsangebote wie das deutschlandweite Info-Telefon Depression. In 90 Städten und Kommunen haben sich Bündnisse gebildet, die auf lokaler Ebene Aufklärung über die Erkrankung leisten. Die Arbeit erfolgt pharma-unabhängig. www.deutsche-depressionshilfe.de