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Hohe Dengue-Fallzahlen in beliebten Urlaubsländern

Düsseldorf – Hohe Dengue-Fallzahlen auf Kuba und in Brasilien, ein Ausbruch auf den Philippinen und Übertragungen in Florida: Wer in diese Regionen reist, sollte sich vor Mückenstichen schützen. Auch in Bangladesch hat sich die Übertragung zuletzt beschleunigt. Das CRM Centrum für Reisemedizin empfiehlt, vor der Abreise frühzeitig eine reisemedizinische Beratung in Anspruch zu nehmen.

CRM rät zu Mückenschutz und reisemedizinischer Beratung

„Dengue kann auch bei einem Stadtaufenthalt oder einer kurzen Urlaubsreise auftreten“, sagt Prof. Dr. med. Tomas Jelinek, wissenschaftlicher Leiter des CRM. „Ob ein erhöhtes Risiko besteht, hängt nicht allein vom Reiseland ab. Entscheidend sind auch die Region, die Reisezeit und das Ausbruchsgeschehen vor Ort.“

Hohe Fallzahlen, regionale Ausbrüche

Auf Kuba wurden in diesem Jahr 11.235 Dengue-Fälle gemeldet – rund das 9-Fache des mittleren Werts der vergangenen 5 Jahre schätzt das Global Dengue Observatory. Offizielle Zahlen liegen nur bis Juni vor. Brasilien verzeichnet rund 1,31 Millionen Verdachtsfälle und 343 Todesfälle im Jahresverlauf. Besonders betroffen sind Goiás, Minas Gerais und São Paulo. In der philippinischen Provinz Agusan del Sur auf Mindanao haben die Behörden Ende September einen Ausbruch bestätigt: 2.572 Menschen sind erkrankt, 16 verstorben. Landesweit lagen die Fallzahlen bis Anfang Oktober rund ein Viertel unter dem Vorjahr. In Florida wurden seit Juli 368 vor Ort erworbene Infektionen bestätigt, davon 310 im Hillsborough County; im September gab einen ersten Todesfall. Dort sowie in Pasco und Pinellas haben die Behörden den lokalen Notstand ausgerufen. Es handelt sich um den größten Ausbruch auf des USA-Festland seit Jahrzehnten. Bangladesch meldet seit Jahresbeginn rund 115.617 Erkrankungen und 357 Todesfälle. Im September mussten mehr als 10.000 Menschen pro Woche neu im Krankenhaus aufgenommen werden.

Fieber während und nach der Reise ernst nehmen

Dengue wird durch vorwiegend tagaktive Aedes-Mücken übertragen. Viele Infektionen bleiben unbemerkt oder verlaufen mild. Typisch sind hohes Fieber, Kopf-, Muskel- und Gelenkschmerzen, Schmerzen hinter den Augen sowie Hautausschlag. Laut der S1-Leitlinie „Diagnostik und Therapie der Arbovirosen“ beginnen Beschwerden meist 4 bis 7 Tage nach der Infektion, mitunter erst nach 14 Tagen. „Wer während oder nach einer Reise Fieber bekommt, sollte es ärztlich abklären lassen und auf den Auslandsaufenthalt hinweisen“, rät Jelinek. Auch andere Ursachen wie Malaria müssen bedacht werden. Anhaltendes Erbrechen, Bauchschmerzen und Schleimhautblutungen sind Warnzeichen. Eine antivirale Therapie gibt es nicht. Die Behandlung richtet sich nach den Beschwerden und dem Schweregrad.

Reiseberatung klärt Risiken und Impfschutz

In der reisemedizinischen Beratung werden Reiseroute, Aufenthaltsdauer, Aktivitäten und Vorerkrankungen bewertet. Dabei wird auch geprüft, ob eine Dengue-Impfung infrage kommt. Die Ständige Impfkommission (STIKO) beim Robert Koch-Institut empfiehlt sie ab 4 Jahren nach einer früheren, labordiagnostisch gesicherten Dengue-Infektion bei Reisen in Endemiegebiete mit erhöhtem Expositionsrisiko. Ohne frühere Infektion gibt die STIKO keine allgemeine Impfempfehlung. Die Deutsche Fachgesellschaft für Reisemedizin (DFR) empfiehlt dagegen, auch Reisende ohne frühere Infektion bei hohem Expositionsrisiko zu impfen – bei kurzfristigen Reisen auch zunächst mit einer Dosis. „Eine Impfung ersetzt den Mückenschutz nicht“, betont Jelinek. Hautbedeckende Kleidung, Mückenschutzmittel, Fenstergitter und Moskitonetze helfen, Stiche zu vermeiden. Schutz ist ganztägig wichtig – während der hiesigen Mückensaison auch bis 14 Tage nach der Rückkehr, selbst ohne Beschwerden. So lässt sich verhindern, dass lokale Mücken das Virus aufnehmen und weitergeben.

 

Quellen:
CRM Centrum für Reisemedizin: Aktuelle Meldungen des CRM. Stand: 13. Oktober 2026. Dengue-Meldungen zu Bangladesch, Brasilien und Kuba vom 12. Oktober 2026 sowie zu den Philippinen und den USA vom 13. Oktober 2026.

Dengue-Fieber. In: Jelinek T., CRM Handbuch Reisemedizin 2026. 62. Auflage. Düsseldorf; CRM Centrum für Reisemedizin; 2026. doi:10.1055/b000001244

Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin, Reisemedizin und Globale Gesundheit e. V. (DTG) und beteiligte Fachgesellschaften: S1-Leitlinie „Diagnostik und Therapie der Arbovirosen in Deutschland“. Kurzversion, Version 1.0, Mai 2025. AWMF-Registernummer 042-010, insbesondere Kapitel 2.1 „Dengue“. https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/042-010

Deutsche Fachgesellschaft für Reisemedizin e. V. (DFR): „Dengue-Impfung bei Reisenden: DFR empfiehlt Anwendung nach aktueller Datenlage“. Pressemitteilung, April 2026

Ständige Impfkommission (STIKO) und Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin, Reisemedizin und Globale Gesundheit e. V. (DTG): Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) und der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin, Reisemedizin und Globale Gesundheit e. V. (DTG) zu Reiseimpfungen. Epidemiologisches Bulletin 2026; 27: 1–112. Herausgeber: Robert Koch-Institut, 2. Juli 2026. Insbesondere Kapitel 2 „Allgemeine Aspekte bei der reisemedizinischen Impfberatung“ und Kapitel 5.3 „Dengue“. DOI: 10.25646/14248.