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Nach der Reanimation beginnt die nächste Herausforderung: CAROL startet neuen Versorgungspfad
Ein bundesweites Projekt verbindet medizinische, psychosoziale und genetische Aspekte der Versorgung nach einem Herz-Kreislauf-Stillstand. Die Leitung liegt beim Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, das Zentrum für plötzlichen Herztod und Kardiogenetik an der Universitätsmedizin Frankfurt bringt seine besondere Expertise in der genetischen Ursachenklärung und der Prävention für Angehörige ein.
Die Reanimation war erfolgreich, der Patient hat überlebt. Doch die medizinische Akutversorgung ist nur der erste Schritt. Viele Betroffene benötigen langfristige Unterstützung, um mit den körperlichen und psychischen Folgen umzugehen. Genauso wichtig bleibt zu klären: Warum ist das Herz plötzlich stehen geblieben? Und könnte auch für andere Familienmitglieder ein Risiko bestehen? Gerade bei jüngeren Menschen kann eine bislang unentdeckte erbliche Herzerkrankung die Ursache sein.
Das bundesweite Projekt CAROL („Cardialer Arrest – Rückkehr zum optimalen Leben“) startet im November 2026, um medizinische Nachsorge, spezialisierte Diagnostik und die Zusammenarbeit verschiedener Fachrichtungen enger miteinander zu verknüpfen. Es wird vom Innovationsausschuss des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) mit rund 5,9 Millionen Euro gefördert.
Am 23. und 24. November 2026 kommen die Projektpartner zu einem Kick-off in Kiel zusammen. Im Mittelpunkt stehen die gemeinsame Gestaltung der Vorbereitungsphase, die Abstimmung der Versorgungsabläufe und die nächsten Schritte zur praktischen Umsetzung. In den kommenden vier Jahren soll an 15 spezialisierten Zentren untersucht werden, wie sich die Versorgung nach einem überlebten Herz-Kreislauf-Stillstand bundesweit besser koordinieren und langfristig gestalten lässt. Dafür werden Patientinnen und Patienten zwölf Monate lang begleitet.
Wenn die Diagnose auch für Angehörige wichtig wird
Die Universitätsmedizin Frankfurt übernimmt eine Schlüsselrolle bei der genetischen Ursachenklärung. Das Zentrum für plötzlichen Herztod und Kardiogenetik unter der Leitung von Prof. Dr. Silke Kauferstein koordiniert und führt die genetische Diagnostik durch. Im Fokus stehen insbesondere Patientinnen und Patienten unter 50 Jahren, bei denen häufiger eine erbliche Ursache zugrunde liegt. Das Universitäre Herz- und Gefäßzentrum Frankfurt unterstützt das Projekt bei der klinischen Anbindung. Ein wesentlicher Ansatz von CAROL ist, die genetische Abklärung bereits während des stationären Aufenthalts nach einem Herzstillstand einzuleiten.
„Ein Herz-Kreislauf-Stillstand kann das erste Anzeichen einer erblichen Herzerkrankung sein“, erklärt Prof. Dr. Silke Kauferstein. „Unser Ziel ist es, mögliche genetische Ursachen frühzeitig zu erkennen und die entsprechenden Untersuchungen in die Versorgung einzubinden. Denn eine solche Diagnose kann nicht nur für die Betroffenen selbst, sondern auch für ihre Familie von entscheidender Bedeutung sein.“
Projektpartner starten gemeinsame Umsetzung
CAROL bündelt medizinische, pflegerische, psychosoziale und genetische Expertise in einem interdisziplinären Verbund. Die Konsortialführung liegt beim Institut für Rettungs- und Notfallmedizin des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH) unter der Leitung von Prof. Dr. Jan-Thorsten Gräsner. Weitere Partner sind die Kerckhoff-Klinik GmbH, die LiKe Healthcare Research GmbH, das IT-Unternehmen Visionet GmbH sowie die Techniker Krankenkasse und die BARMER.
Jährlich erleiden in Deutschland rund 136.000 Menschen einen plötzlichen außerklinischen Herz-Kreislauf-Stillstand. Ein Teil überlebt dank schneller Reanimation und moderner Akutmedizin. Bundesweit fehlen bislang jedoch standardisierte Strukturen für eine umfassende Nachsorge und die systematische Abklärung genetischer Ursachen. CAROL soll dazu beitragen, diese Versorgungslücke zu schließen und die Betreuung von Betroffenen und ihren Familien langfristig zu verbessern.