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Azithromycin auch bei milder bis moderater COVID-19 wirkungslos

Original Titel:
Azithromycin versus standard care in patients with mild-to-moderate COVID-19 (ATOMIC2): an open-label, randomised trial

Kurz & fundiert

  • Patienten mit milder oder moderater COVID-19 bekamen entweder die Standardbehandlung allein (147 Patienten) oder zusätzlich Azithromycin (145 Patienten)
  • Bezüglich der Krankenhauseinweisungen und Todesfälle gab es keine signifikanten Unterschiede zwischen den beiden Patienten-Gruppen
  • Patienten mit milder bis moderater COVID-19, die ambulant behandelt wurden, profitierten somit nicht von Azithromycin zusätzlich zur Standardbehandlung

 

DGP – Azithromycin zusätzlich zur Standardbehandlung wirkte sich bei Patienten mit milder bis moderater COVID-19 nicht positiv auf das Risiko für Krankenhauseinweisungen und Todesfälle aus. Zu diesem Ergebnis kamen Wissenschaftler in einer offenen, randomisierten Studie, in der sie Patienten mit alleiniger Standardbehandlung und Patienten mit Azithromycin plus Standardbehandlung verglichen.


Azithromycin hat antibakterielle, anti-inflammatorische und antivirale Eigenschaften. Aus diesem Grund wird der Wirkstoff auch als potentielles Mittel gegen COVID-19 diskutiert. Randomisierte Daten bei milder und moderater COVID-19 standen bisher jedoch noch aus. Wissenschaftler aus dem Vereinigten Königreich wollten diesen Umstand ändern und untersuchten, ob Azithromycin Patienten mit milder oder moderater COVID-19 vor Krankenhauseinweisungen und dem Tod bewahren kann.

Einige COVID-19-Patienten bekamen zusätzlich zur Standardbehandlung Azithromycin

An der prospektiven, offenen, randomisierten Studie beteiligten sich 19 Krankenhäuser aus dem Vereinigten Königreich. In die Studie wurden Erwachsene, die aufgrund von COVID-19 das Krankenhaus aufsuchten, einbezogen. Die Patienten litten seit weniger als 14 Tagen unter Symptomen und kamen für eine ambulante Behandlung in Betracht. Die Patienten wurden randomisiert einer von zwei Gruppen zugeteilt: Azithromycin (14 Tage lang einmal täglich 500 mg) + Standardbehandlung (145 Patienten) und alleinige Standardbehandlung (147 Patienten). Die Patienten waren durchschnittlich 45,9 Jahre alt. Die Wissenschaftler untersuchten, wie häufig die Patienten aus den beiden Gruppen innerhalb von 28 Tagen nach Studienbeginn ins Krankenhaus eingewiesen wurden und wie häufig sie verstarben.

Nicht weniger Krankenhauseinweisungen und Todesfälle durch Azithromycin

Die Auswertung zeigte, dass es bezüglich der Krankenhauseinweisungen und Todesfälle keinen Unterschied machte, ob die Patienten zusätzlich zur Standardbehandlung Azithromycin bekamen oder nicht. Aus der Azithromycin-Gruppe wurden 15 Patienten ins Krankenhaus eingewiesen oder verstarben (10 %), während dies bei der Standardbehandlungs-Gruppe bei 17 Patienten der Fall war (12 %). Analysen zeigten, dass der Unterschied nicht statisch signifikant war (OR: 0,91; 95 % KI: 0,43 – 1,92; p=0,80). Es wurden keine schweren Nebenwirkungen gemeldet.

Patienten mit milder bis moderater COVID-19, die ambulant behandelt wurden, schienen somit nicht von Azithromycin zusätzlich zur Standardbehandlung zu profitieren. Das Risiko, ins Krankenhaus eingewiesen zu werden oder zu sterben, verringerte sich durch zusätzliche Azithromycin-Gabe nicht. Ähnliches konnte bereits bei schwerer COVID-19 beobachtet werden. Auch hier hatten die Patienten mit zusätzlichem Azithromycin keinen Behandlungsvorteil (siehe Beitrag „Azithromycin ergänzend zur Standardbehandlung bei schwerem COVID-19 hilft nicht“).

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