Sterberisiko nach Eingriff zur Wiederherstellung der Durchblutung bei KHK-Patienten – Ein Vergleich zwischen Bypass-Operation und Ballonkatheter-Behandlung

Original Titel:
Mortality after coronary artery bypass grafting versus percutaneous coronary intervention with stenting for coronary artery disease: a pooled analysis of individual patient data

Um die Durchblutung bei Verengungen von Koronararterien wiederherzustellen, eignet sich sowohl die Ballonkatheter-Behandlung als auch die Bypass-Operation. Forscher fanden heraus, dass Patienten mit Verengungen mehrerer Arterien und zusätzlichem Diabetes von der Bypass-Operation im Hinblick auf das Sterberisiko stärker profitierten. Bei den anderen Patienten (ohne Diabetes oder Verengungen der linken Koronararterie) schien es für das Überleben hingegen keinen Unterschied zu machen, ob der Patient sich einer Bypass-Operation oder einer Ballonkatheter-Behandlung unterzog.


Was eignet sich besser, um die Durchblutung bei Verengungen der Koronararterien wiederherzustellen – Bypass-Operation oder Ballonkatheter-Behandlung? Diese Frage wird sehr viel diskutiert. Viele Studien, von denen wir teilweise bereits berichtet haben, haben diese beiden Methoden hinsichtlich ihrer Wirksamkeit, Folgeerkrankung zu reduzieren, miteinander verglichen. Im Schnitt zeichnete sich das Bild ab, dass sich beide Methoden ähnlich gut eignen, dass jedoch bei der Ballonkatheter-Behandlung häufiger erneute Maßnahmen zur Wiederherstellung der Durchblutung nötig sind (Studien von Giacoppo und Kollegen und von Sá und Kollegen, 2017 in den Fachzeitschriften Journal of the American Medical Association cardiology bzw. Brazilian journal of cardiovascular surgery veröffentlicht). Doch wie schneiden die beiden Methoden ab, wenn sie speziell hinsichtlich der späteren Todesfälle miteinander verglichen werden? Kommen diese nach einer Methode häufiger vor als nach der anderen?

Forscher suchten nach Studien, die das Sterberisiko nach einer Ballonkatheter-Behandlung mit dem nach einer Bypass-Operation vergleichen haben

Mit dieser Frage beschäftigten sich Wissenschaftler vieler verschiedener Länder – darunter auch Deutschland. Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie in einer der bestangesehensten medizinischen Fachzeitschrift – The Lancet. Die Wissenschaftler suchten in internationalen Datenbanken nach Studien, die die Bypass-Operation mit der Ballonkatheter-Behandlung inklusive der Einbringung von Gefäßstützen (Stents) miteinander verglichen haben. Sie entnahmen die Ergebnisse der Studien, fasten sie zusammen und werteten sie im Hinblick auf das Sterberisiko neu aus.

Die Wissenschaftler fassten die Ergebnisse von 11 Studien zusammen und werteten sie neu aus

Die 11 Studien, die den Ansprüchen der Wissenschaftler genügten, beinhalteten Daten von 11518 Patienten mit einer koronaren Herzkrankheit (KHK), bei denen entweder mehrere Koronararterien oder die linke Koronararterie von Verengungen betroffen waren. Von diesen Patienten wurden 5752 Patienten mit einem Ballonkatheter behandelt (inklusive Stents), während die anderen 5765 Patienten sich einer Bypass-Operation unterzogen. Patienten mit Herzinfarkt wurden komplett aus der Studie ausgeschlossen. Die Patienten wurden durchschnittlich 3,8 Jahre (mindestens ein Jahr) lang begleitet.

Patienten mit Verengungen mehrerer Arterien und zusätzlichem Diabetes profitierten von der Bypass-Operation

Während der Beobachtungszeit verstarben 976 Patienten. Die geschätzte 5-Jahres-Sterberate lag bei der Ballonkatheter-Behandlung mit 11,2 % höher als bei der Bypass-Operation (9,2 %). Berechnungen zufolge hatten Patienten nach einer Ballonkatheter-Behandlung ein 20 % höheres Risiko, innerhalb der nächsten 5 Jahre zu sterben. Wurden spezielle Patientengruppen betrachtet, fiel auf, dass sich die 5-Jahres-Sterberate bei Patienten, bei denen mehrere Arterien verengt waren, zwischen den beiden Behandlungsmethoden unterschied (Ballonkatheter-Behandlung: 11,5 % vs. Bypass-Operation: 8,9 %), nicht jedoch bei Patienten, bei denen die linke Koronararterie betroffen war (Ballonkatheter-Behandlung: 10,7 % vs. Bypass-Operation: 10,5 %). Interessanterweise war der Unterschied bei den Patienten mit Verengungen mehrerer Arterien nur bei den Patienten erkennbar, die zusätzlich an Diabetes litten (Ballonkatheter-Behandlung: 15,5 % vs. Bypass-Operation: 10,0 %) und nicht bei Patienten ohne Diabetes (Ballonkatheter-Behandlung: 8,7 % vs. Bypass-Operation: 8,0 %).

Die Bypass-Operation war somit der Ballonkatheter-Behandlung unter gewissen Umständen hinsichtlich des Sterberisikos überlegen. Diese Überlegenheit der Bypass-Operation zeigte sich jedoch nur bei den Patienten, die Verengungen in mehreren Arterien aufwiesen und zusätzlich unter Diabetes litten. Den Patienten, die eine Verengung der linken Koronararterie aufwiesen (unabhängig davon ob sie an Diabetes erkrankt waren oder nicht), und den Patienten, die nicht an Diabetes litten, schien die Bypass-Operation hingegen keinen Überlebensvorteil zu verschaffen. Weitere Studien mit einem längeren Beobachtungszeitraum wären sinnvoll, um die Unterschiede im Sterberisiko, die auf die verschiedenen Behandlungsmethoden zurückzuführen sind, noch besser erkennen und einschätzen zu können.

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Referenzen:

Head SJ, Milojevic M, Daemen J, Ahn JM, Boersma E, Christiansen EH, Domanski MJ, Farkouh ME, Flather M, Fuster V, Hlatky MA, Holm NR, Hueb WA, Kamalesh M, Kim YH, Mäkikallio T, Mohr FW, Papageorgiou G, Park SJ, Rodriguez AE, Sabik JF 3rd, Stables RH, Stone GW, Serruys PW, Kappetein AP. Mortality after coronary artery bypass grafting versus percutaneous coronary intervention with stenting for coronary artery disease: a pooled analysis of individual patient data. Lancet. 2018 Mar 10;391(10124):939-948. doi: 10.1016/S0140-6736(18)30423-9. Epub 2018 Feb 23.