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Von Armuts­risiko bis Tabak­kontrolle – Kontext­faktoren für die Surveillance von Diabetes mellitus und weiteren nicht­über­trag­baren Krankheiten

Die Ursachen für nichtübertragbare Krankheiten (NCD) sind komplex und hängen neben biologischen Faktoren und individuellem Verhalten mit den Lebensverhältnissen zusammen. Eine zeitgemäße Surveillance von NCD im Sinne des Health in All Policies-Ansatzes erfordert daher die Einbindung von sozialen, politischen und umweltbezogenen Rahmenbedingungen (Kontextfaktoren) für die Gesundheit. Ihre Erfassung über entsprechende Indikatoren ermöglicht es, verhältnisbasierte Einflussfaktoren systematisch abzubilden und dadurch Präventionsbedarfe und Ansatzpunkte für gesundheitsfördernde Veränderungen in den Lebenswelten zur Senkung des Risikos von NCD in der Bevölkerung aufzuzeigen.

Im Journal of Health Monitoring erläutern RKI-Forschende den Auswahlprozess von Indikatoren im Themenbereich Kontextfaktoren mit dem Fokus auf Primärprävention im Rahmen der Diabetes-Surveillance, die anschließend für die Weiterentwicklung zu einer übergreifenden NCD-Surveillance übernommen wurden. Zudem werden aktuelle Daten für die ausgewählten Indikatoren berichtet.

Es wurden sechs Indikatoren konsentiert: die Tabakkontrolle wird über die europäische Tabakkontrollskala abgebildet, die der Bewertung von Maßnahmen zur Reduktion des Tabakkonsums und der Passivrauchbelastung in der Bevölkerung dient. Der Verbraucherpreisindex und die Lebensmittelbesteuerung bilden u.a. Veränderungen der Lebensmittelpreise ab, die das Einkaufsverhalten von Haushalten beeinflussen können. Die Präventionsausgaben bilden Leistungen ab, die das Entstehen oder die Verbreitung von Krankheiten im Vorfeld oder Frühstadium verhindern sollen. Hinzu kommen die Indikatoren Armutsrisikoquote – ein niedriges Einkommen korreliert mit einem erhöhten Risiko für Typ-2-Diabetes und weitere NCD – und die Verkehrsmittelnutzung, da die Wahl des Verkehrsmittels zum Zurücklegen von Wegen mit der körperlichen Aktivität, einem wesentlichen Einflussfaktor für Typ-2-Diabetes und weitere NCD, in Zusammenhang steht.

Das Fazit der Forschenden: „Die Ergebnisse für alle Indikatoren weisen auf unzureichende Präventionsmaßnahmen hin“. Die Kernaussagen des Beitrags: Die Armutsrisikoquote ist seit 2005 gestiegen und lag 2024 bei 16,2 %. Seit 2015 sind die Preise für Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke deutlich gestiegen – der gesundheitliche Wert von Lebensmitteln wird bei der Besteuerung nicht berücksichtigt. 2021 gehörte Deutschland im europäischen Vergleich zu den fünf Ländern mit der geringsten Tabakkontrolle. Für etwa die Hälfte der zurückgelegten Wege wird das Auto als Hauptverkehrsmittel genutzt (als fahrende oder mitfahrende Person). Der Anteil der Präventionsausgaben an den gesamten Gesundheitsausgaben war zuletzt mit 5 % im Jahr 2023 relativ gering.

Die Kontextfaktoren werden im Rahmen der NCD-Surveillance schrittweise erweitert für eine umfassendere Abbildung von Rahmenbedingungen, in denen Personen leben und arbeiten.